Billie Grace Ward, flickr, CC BY 2.0

4 Videos vom Chaos Computer Club, die ihr euch ansehen solltet

vor 6 Monaten

Der Chaos Computer Club ist längst die Instanz in Deutschland, wenn es um IT-Sicherheit, Hacker-Kultur, aber auch politische Philosophie in Zeiten des Internets geht. Klingt spannend, ist es auch und geht uns alle an. Umso besser, dass wir uns die Vorträge des diesjährigen CCC-Jahreskongresses allesamt im Netz ansehen können. Wir stellen euch vier von ihnen vor, die nicht zu technisch, aber aufregend, ungewöhnlich (und auch ein bisschen witzig) sind. 

Zum 33. Mal schon trifft sich die deutsche Hackerszene zu ihrer jährlichen Konferenz. Was als kleine Nischenveranstaltung begann, lockt mittlerweile Zehntausende Besucher in die Messehallen nach Köln. Weil der CCC seit jeher für Offenheit und Transparenz in Sachen Kommunikation wirbt, gehen die Mitglieder mit gutem Beispiel voran. Sämtliche Vorträge der Konferenz könnt ihr euch unter diesem Link online ansehen.

Wenn man jetzt zwischen den Jahren ein paar Stunden Zeit hat, lohnt es sich wirklich, da einfach mal drüberzuschauen und neue Themen für sich selbst zu entdecken. Als Beispiel stellen wir euch  vier von ihnen vor, die wir selbst sehr interessant fanden. Heißt nicht, dass ihr den Rest nicht auch angucken solltet.

  • Die Sprache der Populisten

Martin Haase schafft vor allem eines: Viele Lacher mit einem echt traurigen Thema zu provozieren. Darum guckt sich dieser mit einer Stunde ziemlich lange Vortrag auch ganz schnell runter. Und wenn du ihn gesehen hast, nimmst du deine Facebook-Timeline vielleicht mit etwas anderen Augen wahr.

Haase ist kein Politiker und kein Journalist, sondern Sprachwissenschaftler. Und darum begegnet er seinem Thema ganz analytisch: Was ist die Sprache der Populisten? Er findet Gemeinsamkeiten, beispielsweise das Ablehnen von einfach umrissenen Sündenböcken, seien das nun (gesichtslose) Flüchtlinge oder (entmenschlichte) Politiker. „Merkel muss weg. Aber wer kommt denn nach Merkel?“ Darüber machen sich Populisten keine Gedanken. Müssen sie auch nicht. Hauptsache irgendwas kommt weg.

Und dann beschreibt der Sprachwissenschaftler, welche Wörter von allen Seiten immer wieder falsch benutzt werden. „Postfaktisch“ ist nur das prominenteste Beispiel. Er zeigt Möglichkeiten auf, Fake-News zu erkennen und welche Rhetorik darauf hinweist, dass eine populistische Agenda hinter einer Meldung steckt. Das ist nicht nur interessant, sondern auch unterhaltsam, vor allem weil Haase ein grundsympathischer Typ ist, dem man gerne zuhört. Und er hat viele Dinge verstanden, die unser Leben im Internet einfacher und schöner machen. Unbedingt ansehen:

  • Kampf dem Abmahnungswesen

„Juristisches Nischenthema“ nennt der CCC-Aktivist Dirk Engling das Thema „Abmahnung“ schon in der Einleitung. Aber ein Thema, das uns bald alle angehen könnte. Denn laut ihm und seiner Vortragspartnerin, der Juristin Beata Hubrig, entwickelt sich in Deutschland gerade eine regelrechte Abmahnindustrie.

Spezialisierte Kanzleien überschwemmen das Land mit Geldforderungen für echte oder angebliche Urheberrechtsverletzungen. Und diese Schreiben gehen auch an Jugendliche, die nur das falsche Bild bei Facebook geteilt haben. Die Höhen der Forderungen, so der Vortrag, sind willkürlich gewählt und häufig komplett überzogen. Auf Ausgleich seien die Abmahner nicht mehr bedacht.

Und deshalb sagen die beiden dem berufsmäßigen Abmahnen dem Kampf an. In diesem Vortrag erfahrt ihr, was eigentlich hinter so einer Abmahnung steckt, was eure Rechte sind und welche Möglichkeiten ihr habt, euch dagegen zu wehren. Von Engling und Hubrig stammt übrigens auch der Abmahnbeantworter, mit dem sich automatische Antworten erstellen lassen.

  • Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern – Berufe aus vergangenen Zeiten

Michaela Vieser hatte ein ziemlich abenteuerliches Leben. Sie lebte in asiatischen Klöstern, studierte die Religionen der Welt und machte sich auf eine Suche nach unbekannten Orten durch Deutschland. Auf diesen Reisen entdeckte sie neben einem großen Sack voll Philosophie noch etwas anderes: Berufe, die es heute nicht mehr gibt. Und dieses Thema fand sie so faszinierend, dass sie bereits mehrere Bücher dazu verfasst hat.

Selbst, wenn die Fischbeinreißer heute keine Lobby mehr im Bundestag haben: Das Thema „Ist mein Job in zwanzig Jahren noch relevant?“ beschäftigt uns in Zeiten der Digitalisierung ja schon irgendwie alle. Schreibt diesen Text vielleicht bald ein Roboter? Und wäre das wirklich so schlimm? Spannende Fragen, über die man mal nachdenken kann.

Obendrein gibt’s einiges zu lachen. Denn ab Minute elf kommen die „Bullshit-Jobs“ der Vergangenheit. Und wer wäre nicht gerne „Abtrittanbieter“? Viel Spaß bei der Vorstellung.

  • Bonsai Kitten waren mir lieber – Rechte Falschmeldungen in sozialen Netzwerken

Und noch ein ganz breites Thema zum Schluss. Jeder redet über Fake-News. Aber gibt es sie wirklich so oft? Werden sie in den neuen Bundesländern wirklich häufiger geteilt? Und wer fabriziert die Dinger eigentlich? Karolin Schwarz ist Gründerin der Seite hoaxmap.org. Dort identifiziert sie Falschmeldungen. Zusammen mit dem Entwickler Lutz Helm zeigt sie einige Beispiele für besonders perfide (und besonders doofe) Falschmeldungen, vom Ur-Hoax der Bonsai-Kittens bis zu gefälschten Meldungen über angebliche Terrorpläne heute.

Eine Antwort auf die Frage „Woher kommen Fake-News?“ gibt es auch. Und am Ende lernen wir, dass sogar unser Innenminister, der gerade ein Gesetz gegen sie fordert, selbst Fake-News in die Welt setzt. Spannend.

 

 

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