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Besuch in Tschernobyl: Das steckt hinter der geheimnisvollen "Wand der Spione"

Mitten im Katastrophengebiet steht die einst größte Spionage-Anlage Russlands. Wir haben herausgefunden, was dort passiert(e) - und was sich sonst noch so in der Sperrzone von Tschernobyl tut.
Teaserbild: Besuch in Tschernobyl: Das steckt hinter der geheimnisvollen "Wand der Spione"

Das Wichtigste zum Thema Wand der Spione

  • In der Nähe des stillgelegten Kernkraftwerks Tschernobyl thront die ehemalige Radarstation Duga-1 mit ihren über 60 Großantennen: 150 Meter hoch und 750 Meter breit.

  • Während des Kalten Krieges sollten mithilfe des Spähsystems etwaige Raketenstarts in Europa und den USA frühzeitig erkannt werden. Die Reichweite betrug mehr als 9.000 Kilometer.

  • Die Anlage stand unter strengster militärischer Geheimhaltung. Die Anwohner wussten nichts davon, sie bemerkten lediglich, dass immer wieder der Radio- oder Fernsehempfang gestört war.

  • Für die Störungen war das Kurzwellensignal verantwortlich, das Duga-1 erzeugte. Das hörte sich an wie das Klopfen eines Spechts und wurde daher "Woodpecker" genannt.

  • Aufgrund der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 musste der Standort aufgegeben werden - das Gebiet war verstrahlt.

  • Der Stahlkoloss befindet sich in der 30-Kilometer-Sperrzone, die den havarierten Reaktor umgibt. Der Zugang wird von der Miliz kontrolliert und ist nur mit Genehmigung erlaubt.

  • Anfang April 2020 brach ein Waldbrand im Sperrgebiet aus. Laut des ukrainischen Umweltinspektionsdienstes wurde auf einer Fläche von rund 100 Hektar Radioaktivität freigesetzt.

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Und das gibt's in der Sperrzone zu sehen

Achtung, gefährliches Terrain! Was man bei einer Tschernobyl-Tour beachten muss

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    Shorts und T-Shirts bleiben im Koffer. Der "Dresscode" lautet: körperbedeckende Kleidung. Dazu gehören auch geschlossene Schuhe.

  • ☝️

    Alleingänge sind tabu. Man folgt der Gruppe und den Anweisungen des Guides. Zumal es "Hot Spots" gibt, die stärker strahlen als andere Bereiche. Und Gebäude, die einsturzgefährdet sind.

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    Pilze, Beeren oder Nüsse dürfen weder gesammelt noch gegessen werden. Sie sind - wie auch die Wälder und Böden vor Ort - radioaktiv belastet.

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    Sich auf den Boden setzen, ist ebenfalls verboten. Genauso wie das Abstellen von Rucksäcken, Kameras & Co.

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    Niemals Steine, Pflanzen oder andere "Souvenirs" aus der Sperrzone mitnehmen. Das gilt als Straftat.

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    Es ist untersagt, Zeichnungen, Markierungen oder Signaturen zu hinterlassen. Wer die Regel nicht befolgt, muss auch in dem Fall mit einem Bußgeld rechnen.

  • ☢️

    Alles, was man auf der Tour dabei hat, wird hinterher an einem Checkpoint dekontaminiert. Ist das nicht möglich, werden die Sachen konfisziert.

Veröffentlicht: 23.05.2020 / Autor: Heike Predikant