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Erst Supergau, jetzt Supergeheimtipp: Urlaub in Fukushima

Knapp 8 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ist der Ort ein Touristen-Geheimtipp in Japan. Doch lohnt sich die Reise? Und ist es sicher dort?

Das Wichtigste zum Thema Fukushima

  • Touren-Anbieter führen Touristen durch ein unbewohnbares Gebiet, von der Größe Münchens. 40 Euro kostet der 5-stündige Trip. Natürlich mit Blick aufs zerstörte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi.

  • Die meisten Städte und Dörfer in Fukushima sind seit März 2017 wieder bewohnbar. Die Regierung erklärte die Strahlenbelastung für unbedenklich.

  • Es herrscht Aufbruchstimmung: Unis bieten Austauschprogramme. Bürger-Initiativen erstellen Landkarten mit schönen Plätzen. Surfschulen und Shops sollen die Region zum Hotspot fürs Wellenreiten machen. Das „Fukushima Organic Cotton Project“ baut biozertifizierte Baumwolle an.

  • 2011 zerstörten ein Erdbeben und ein Tsunami die Region Fukushima in Japan. Das Atomkraftwerk explodierte. Tausende Menschen flohen vor der radioaktiven Strahlung.

  • Einige Einheimische sind verunsichert, ob kontaminierte Böden und Essen aus der Region langfristig der Gesundheit schaden. Vor allem junge Menschen und Familien kehrten nicht zurück.

Wieder alles normal? So leben die Menschen im ehemaligen Katastrophengebiet

Hoffnungstourismus als Retter von Fukushima

Viele Bürger ärgern sich über Vorbehalte gegenüber ihrer Heimat. Mit dem Konzept „Hope Tourism" - Hoffnungstourismus - wollen sie sich gegen den "Dark Tourism" stellen und zeigen, dass es in Fukushima nicht gefährlich ist. Das Ziel: der Austausch von Einheimischen und Touristen. Die Menschen wollen zeigen, wie ihr Alltag wirklich aussieht - und wie sie nach der Katastrophe nach vorne blicken. "Hope-Touristen" feiern bei Erntefesten mit, bereiten Reiskekse zu oder packen bei der ökologischen Landwirtschaft mit an. Ja, richtig gehört. Bio ist im Trend in Fukushima.

 

Kann man dort bedenkenlos einheimischen Reis essen?

© Getty Images

In Fukushima wächst wieder Reis - nur wenige Kilometer von den havarierten Atomreaktoren entfernt. Japanische Behörden überwachen die Ernte und kontrollieren die Kontamination. Bauern dürfen Reis nur verkaufen, wenn die Strahlenwerte im erlaubten Bereich liegen. 99 Prozent der untersuchten Lebensmittel seien unbedenklich, berichtet auch das Bundesamt für Strahlenschutz.

Virtuelle Tour durchs beschädigte Atomkraftwerk

Der japanische Energiekonzern "TEPCO" ist Betreiber des beschädigten Kernkraftwerks. Die Aufräumarbeiten dauern noch Jahrzehnte. Teils sind Roboter im Einsatz, da die Strahlung für Menschen zu gefährlich ist. Neugierig, wie es in dem AKW heute aussieht? Es gibt einen virtuellen Rundgang mit 10 Routen und Audio-Infos (auf Englisch).

Hier geht's zur Tour: Inside Fukushima Daiichi

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Veröffentlicht: 01.10.2019 / Autor: Alena Brandt

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