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Was machen die Kobras hier im Dorf? Wohnen!

Giftschlangen vor der Tür! Wie's dazu kam, dass in einem thailändischen Dorf Menschen mit Kobra zusammenleben, erfuhren wir direkt im Kobradorf. Plus: Das musst du tun, wenn dir eine Schlange begegnet.
Teaserbild: Was machen die Kobras hier im Dorf? Wohnen!

Das Wichtigste zum Thema Kobradorf

  • King Cobra Village liegt nahe der Stadt Khon Kaen im Nordosten Thailands - mitten im Dschungel. 1.000 Schlangenarten leben im Umkreis des Dorfes.

  • Als die Menschen diesen Ort besiedelten, jagten sie die Schlangen. Die Jagd ritualisieren die Bewohner bis heute in Schlangenkämpfen. Zudem halten sie die Reptilien als Haustiere.

  • Kobras zählen zu den giftigsten Schlangen der Welt, ein Biss kann einen Menschen töten. Die Zähne der Königskobra sind einen Zentimeter lang, die können sich durch Elefantenhaut bohren.

  • Typisch für die Kobra ist ihr Nackenschild. Wird er aufgestellt, fühlt sich die Schlange bedroht. Königskobras sind übrigens Kannibalen, sie ernähren sich ausschließlich von Artgenossen.

  • In Deutschland gibt es 6 Schlangenarten, nur 2 davon sind giftig: die Kreuzotter und die Aspisviper.

Achtung, Schlange! Wie du dich richtig verhältst

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    Schlangen nehmen Vibrationen wahr. Deswegen: Bei jedem Schritt kräftig aufstampfen, dann verschwinden die scheuen Tiere zumeist.

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    Einige Schlangen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Zu diesen Zeiten also besonders vorsichtig sein und darauf achten, wo du hintrittst. Dunkle Wege mit einer Taschenlampe oder dem Handy beleuchten.

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    Gerade beim Wandern oder Trekking solltest du lange Hosen und festes Schuhwerk mit hohem Schaft wählen.

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    Wenn eine Schlange auftaucht, cool bleiben. Das Tier im Auge behalten und hektische Bewegungen vermeiden.

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    Dann langsam zurückziehen. Und darauf achten, die Schlange nicht in die Enge zu treiben. Sonst könnte sie sich bedroht fühlen, aggressiv werden - und angreifen.

Schlangenbisse - so oft kommt es dazu

Weltweit gibt es schätzungsweise 2,7 Millionen Giftschlangenbisse pro Jahr, zwischen 80.000 und 140.000 enden tödlich. 2017 setzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Schlangenbisse auf die Liste der vernachlässigten tropischen Krankheiten. Das Problem: Zu wenige Gegengifte sind verfügbar, unter anderem weil sich die Produktion für die Hersteller finanziell nicht lohnt.

Was tun, wenn eine Schlange zugebissen hat?

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    Täterbeschreibung: Merk dir Farbe, Muster und Länge der Schlange, um später bei der Identifikation helfen zu können. Auch Fotos sind gut. Gehe dafür aber kein Risiko ein. 

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    Hilfe rufen! Alarmiere den Notruf des jeweiligen Landes.  

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    Wurdest du gebissen, beweg dich nicht mehr. Stell die betroffenen Körperteile ruhig. Leg dich so hin, dass das betroffene Körperteil auf Höhe des Herzens oder darunter lagert. 

  • Häufige Anzeichen für einen giftigen Biss sind Schmerzen, farbliche Veränderungen der Haut um die Bisswunde und Schwellungen. Deswegen auch Ringe, Gürtel und einengende Kleidung entfernen.

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    Den Gebissenen auf einer Trage im Fahrzeug ins Krankenhaus transportieren. Dort kann er dann mit einem Gegengift behandelt werden.

  • ⚠️

    Das sollst du mit der Bisswunde nicht machen: aussaugen, abbinden oder ausschneiden. Das verschlimmert nur die Infektion.

Gegengift: Wie es wirkt

 

  • Im Schlangengift sind toxisch wirkende Eiweiße enthalten. 

 

  • Gegengifte (Antivenin) enthalten Antikörper. Diese sind auf die Gifte abgestimmt und heften die toxischen Eiweiße an sich.  

 

  • Die Antikörper neutralisieren das Gift und bekämpfen so die schädliche Wirkung auf den Körper. 

 

So stellt man ein Antiserum her

  1. Zunächst melkt man die Giftschlange. Ein Experte fasst die Schlange dafür direkt hinterm Kopf mit Zeigefinger und Daumen. Und animiert sie, das Maul zu öffnen und in ein Glasgefäß zu beißen. 
  2. Mit einer Pinzette wird die Zahnscheidewand der Schlange hochgehoben und die Zähne werden auf eine Folie über einem Glaskolben gedrückt. 
  3. Der Schlangenmelker streicht über den Kopf der Schlange und massiert so das Gift aus der Giftdrüse. 
  4. Das Gift spritzt ins Glas. Meist werden nur wenige Tropfen bei einem Melkvorgang gewonnen. Wann eine Schlange erneut gemolken werden kann, variiert je nach Art zwischen 2 Wochen und 3 Monaten. 
  5. Das Gift wird eingefroren bei -20 Grad oder kälter und dunkel gelagert. 
  6. Für die Herstellung von Gegengiften dienen meist Pferde oder Schafe. Ihnen werden geringe Mengen des Gifts gespritzt. 
  7. Das Immunsystem des Pferdes bildet Antikörper, die das Toxin binden und es neutralisieren. 
  8. Nach circa 6 bis 8 Wochen erreicht die Menge der Antikörper im Pferdeblut ihr Maximum. Ein Tierarzt nimmt den Vierbeinern 3 bis 6 Liter Blut ab. 
  9. Im Labor werden die Antikörper isoliert und aufbereitet. 
  10. Das Antivenin ist fertig. Es darf einem Biss-Opfer nur vom Arzt verabreicht werden - unter stationärer Beobachtung. 

 

Veröffentlicht: 19.07.2019 / Autor: Alena Brandt