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Antikörpertest

Booster-Impfung: Für wen lohnt sich ein Antikörper-Test?

Bin ich trotz Impfung noch immun gegen das Corona-Virus? Ein Antikörper-Test liefert zur Immunität leider keine zuverlässige Antwort. Wir klären auf, für wen welcher Test sinnvoll ist und wie deine Antikörper gemessen werden können.
Booster-Impfung: Für wen lohnt sich ein Antikörper-Test?
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Das Wichtigste zum Thema Antikörper-Tests

  • Antikörper-Tests können Aussagen über die Konzentration von Antikörpern im Blut machen. Wichtig: Die Testung nach Antikörpern ersetzt nicht die Ermittlung einer akuten Infektion mit dem Corona-Virus mittels Schnell- oder PCR-Test.

  • Vor der Impfstoffentwicklung wurden Antikörper-Tests eingesetzt, um zu überprüfen, ob man bereits mit dem Corona-Virus infiziert war. Mittlerweile greifen immer mehr zu diesem Mittel, um ihren Impfschutz zu überprüfen.

  • Mit der Zeit kann die Abwehrfunktion nach einer Infektion oder Impfung abnehmen. Dies gilt auch für Antikörper.

  • Die STIKO empfiehlt keine generelle Überprüfung des Impfschutzes mittels Antikörper-Test. Eine Ausnahme bilden Menschen mit Immunschwäche

  • Absolute Gewissheit über den eigenen Immunschutz liefern die Antikörper-Tests nicht. Wir klären im Interview mit dem Labormediziner Dr. Andreas Bobrowski, für wen ein Antikörper-Test sinnvoll ist.

Es gibt nicht den einen Antikörpertest

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    Antikörper, auch Immunglobuline (Ig) genannt, sind Proteine, die in unserem Körper nach dem Kontakt mit einem Krankheitserreger gebildet werden. Sie markieren die Erreger, die damit schneller von unseren Immunzellen erkannt werden.

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    Da es verschiedene Arten von Antikörpern gibt, richtet sich nicht jeder Antikörper-Test gegen das gleiche Protein.

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    Die gängigsten Antikörper-Tests untersuchen das sogenannte Spike-Protein. Alle zurzeit in Deutschland zugelassene Corona-Impfstoffe produzieren im Körper das Spike-Protein nach einer Impfung.

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    Bei einer Infektion mit dem Corona-Virus bildet unser Körper neben dem Spike-Protein auch das Nukleo-Protein. Wer wissen möchte, ob man schon infiziert war, greift auf dieses Testverfahren zurück.

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    Wie ausgeprägt eine Immunantwort gegen das Virus vorhanden ist, lässt sich im Labor in hoch aufwändigen Neutralisationstests messen. Dabei wird gemessen, ob die Antikörper in der Lage sind, das Virus zu neutralisieren.

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    Einfacher und gängiger ist der Surrogat-Neutralisationstest. Hier wird nur die Konzentration der Antikörper im Blut gemessen und dadurch eine wirksame Immunantwort vermutet. Eine absolute Gewissheit, wie effektiv diese gegen das Virus sind, gibt dieser Test aber nicht.

Antikörper-Tests: So funktionieren sie

Der Experte klärt auf: Für wen sind Antikörper-Tests sinnvoll?

Andreas Bobrowski ist erfahrener Labormediziner und Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte. Im Interview erklärt er, wann ein Antikörper-Test ratsam wäre - und wann nicht.

  • Dr. Bobrowski, die STIKO empfiehlt keine generelle Überprüfung der Antikörper für Geimpfte. Warum?

  • 💬

    Im Gegensatz zu vielen anderen Viren, beispielsweise Hepatitis- oder Rötel-Viren, gibt es bei SARS-Cov-2 bisher noch keine klaren Grenzwerte. Es existiert also kein festgelegter Schwellenwert, ab dem wir sagen, der Patient ist ausreichend geschützt.

  • Woran liegt das?

  • 💬

    Erklärt wird das mit einem Mangel an aussagekräftigen Studien-Daten. Wir glauben, dass da wesentlich mehr Anstrengung unternommen werden muss, um diese Datenlage zu klären. Denn dann wäre auch deutlich transparenter, für wen eine Booster-Impfung sinnvoll wäre.

  • Wenn ein Antikörper-Test bei einer geimpften Person negativ ausfällt, bedeutet das auch gleichzeitig, dass kein Schutz mehr gegeben ist?

  • 💬

    Nein. Das bedeutet nur, dass die Person keinen messbaren humoralen Schutz mehr hat, also dass die Antikörper nicht mehr nachweisbar sind. Es gibt aber gleichzeitig auch den zellulären Schutz, die sogenannten T-Zellen. Diese Gedächtniszellen könnten den Körper im Falle eines erneuten Kontakts mit einem Erreger ebenfalls schützen.

  • Was sagt ein Antikörper-Test also letztendlich aus?

  • 💬

    Die erste Aussage ist ganz klar: Hat eine Immunantwort stattgefunden, ja oder nein. Das ist bei Menschen mit einer erwartbar niedrigeren Immunisierung eine wichtige Erkenntnis. Gleichzeitig können wir beobachten, wie stark der Antikörper-Spiegel mit der Zeit sinkt. Das sagt aber nicht zwangsläufig etwas über den Schutz vor einer Erkrankung aus, hier fehlen uns noch die entsprechenden Daten.

  • Wem empfehlen Sie einen Antikörper-Test?

  • 💬

    Allen voran Menschen, die immunschwächende Medikamente bekommen oder an einer sonstigen Immunschwäche leiden. Dann ist es eine Ermessensentscheidung des Arztes zu bestimmen, ob ein Patient besonders risikobehaftet ist und ein Antikörper-Test sinnvoll erscheint. In Ausnahmefällen kann eine Antikörper-Bestimmung aber auch Menschen die Angst nehmen, dass die Impfung keine Wirkung zeigt.

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Mehr Antikörper = höhere Immunität?

Aktuell gibt es noch keinen gesicherten Informationen, welcher Grenzwert für eine Immunisierung ausreicht. Wichtig für die Werte sind die Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO), diese werden in BAU/ml gemessen. BAU steht für Binding Antibody Units.

Mittlerweile ist der untere Schwellenwert bekannt, das heißt unter 21,8 BAU/ml ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Impfschutz gegeben. Darauf folgt ein großer Graubereich, in dem nicht sicher abzuschätzen ist, ob die Patient:innen vor einem Krankheitsverlauf geschützt sind. Alles im Bereich über 1.000 BAU/ml ist nach der Einschätzung von Dr. Andreas Bobrowski ein sicheres Anzeichen für einen starken Immunschutz.

Eine Studie der Universität Sidney fand zudem einen Zusammenhang zwischen der Konzentration der Antikörper und dem Schutz vor einem schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung heraus. Das Forscherteam weist aber explizit darauf hin, dass es wichtig sei, auch weitere Teile des Immunsystems auf einen Zusammenhang mit der Stärke des Impfschutzes zu untersuchen.

Antikörper sind nur ein Teil unseres Immunsystems

Die Abwehrzellen des Immunsystems

Kreuzreaktion durch verwandte Viren

Noch nicht abschließend geklärt ist, wie andere Corona-Viren, beispielsweise ein harmloses Erkältungs-Virus, einen Antikörper-Test beeinflussen können. Unter Umständen könnte dieser positiv ausfallen, obwohl die getestet Person weder gegen SARS-Cov-2 geimpft ist, noch damit infiziert war.

Eine Forschergruppe aus Münster fand jedoch heraus, dass Menschen mit Antikörpern gegen das Erkältungs-Coronavirus OC43 ein geringeres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben.

Veröffentlicht: 16.11.2021 / Autor: Nicole Lemberg