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Corona-Infektionen: Wie andere Länder die zweite Welle überstehen

Die zweite Corona-Welle hat Deutschland erreicht. Der "Lockdown light" im November soll die Zahl der Neuinfektionen senken. Australien und andere Länder haben die zweite Welle schon hinter sich. Wie sie das geschafft haben.
Australien Coronamaßnahme

Das Wichtigste zum Thema zweite Welle

  • Seit Anfang Oktober steigt in Deutschland die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Die zweite Welle ist da – so wie in vielen anderen europäischen Ländern auch.

  • Andere Staaten wie etwa Australien, Israel, Neuseeland, Südkorea und Japan haben die zweite Welle dagegen schon überwunden. China scheint Corona sogar richtig unter Kontrolle zu haben. Hier deutet sich keine zweite Welle an.

  • Der Maßnahmenkatalog zur Eindämmung von Corona wie Maskenpflicht und Schließung von Bars, Schulen und Co. unterscheidet sich heute oft nicht stark zwischen den verschiedenen Ländern.

  • Dennoch funktionieren die Maßnahmen offenbar in einigen Nationen besser als in anderen. Ein Vorteil von Australien, Neuseeland und Japan ist sicher die Lage als Inselstaat, da hier die Grenzen leichter geschlossen werden können.

  • Ein früher zweiter Lockdown für einige Wochen ist aber sicher ein entscheidender Faktor, um die zweite Welle in den Griff zu kriegen.

Corona-Fallzahlen Deutschland

Quelle: Johns Hopkins University

Australiens strikter Lockdown gegen die zweite Welle

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    Mit insgesamt rund 27.500 Corona-Fällen zählt Australien zu den Ländern mit den niedrigsten Corona-Zahlen.

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    Die erste kleine Welle im März dauerte knapp einen Monat. Die zweite begann Anfang Juli und dauerte 2 Monate. Die meisten Infizierten gab es im Bundesstaat Victoria mit der Stadt Melbourne.

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    Am 1. Juli begann in Melbourne und anderen Städten der Lockdown. Maßnahmen waren unter anderem Schließung von Bars, Kinos und Co., Empfehlung von Homeoffice, Maskenpflicht im Freien, Grenzschließung zu anderen Regionen und harte Ausgangsbeschränkungen. Die Bürger durften sich teils nur maximal 5 Kilometer vom Wohnort entfernen - und das auch nur für Einkäufe, Arztbesuch, Schule und Arbeit. Seit 2. August galt eine Ausgangssperre von 20 bis 5 Uhr.

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    Nach 1 Monat sanken die Zahlen. Ende September wurde die Ausgangssperre aufgehoben. Seit Mitte Oktober dürfen sich wieder bis zu 10 Personen aus 2 unterschiedlichen Haushalten im Freien treffen. Langsam werden gerade die Lokale unter strengen Auflagen wieder geöffnet, und die Bürger dürfen sich 25 Kilometer vom Wohnort entfernen.

Bestätigte Corona-Fälle in Australien; Stand: 02.11.2020, WHO

Israel schließt Schulen und Gastronomie

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    Die erste Welle im März/April verlief in Israel sehr milde. Ende Juni stieg langsam die Zahl der Corona-Fälle wieder an. Anfang September begann eine zweite Welle, die mit bis zu 9.077 Neuinfektionen pro Tag deutlich heftiger ausfiel als die erste. Ende Oktober** war sie vorüber.

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    Israel ging am 18. September in den zweiten harten Lockdown - 2 Wochen vor dem Höchststand der Zahlen. Maßnahmen waren unter anderem die Schließung von Schulen und Lokalen. Bewohner durften ihre Wohnungen nur zu beruflichen Zwecken, zum Einkaufen oder für Arztbesuche verlassen.

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    Die Maßnahmen wirkten. Die Zahl der Fälle sank im Oktober. Ende des Lockdowns war am 18. Oktober. Seitdem werden Einrichtungen nach und nach wieder geöffnet. An erster Stelle stehen Grundschulen, allerdings herrscht hier Maskenpflicht im Unterricht und in der Pause.

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    System-Biologe Eran Segal vom israelischen Weizmann-Institut betont auf Twitter: Es seien Schulschließungen gewesen, die während der zweiten Welle die Infektionen eingedämmt hätten. Und auch Masken hält er für entscheidend.

Bestätigte Corona-Fälle in Israel; Stand: 02.11.2020, WHO

Neuseeland: Die Grenzen sind bis heute zu

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    Neuseeland vermeldete bis heute nur 1.607 Corona-Fälle und ist damit eine Ausnahme.

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    Die erste Welle im März verzeichnete maximal 78 Neuinfektionen pro Tag. Die zweite begann Mitte August mit nur maximal 14 Fällen. Ende Oktober zeigten sich Tendenzen für eine dritte Welle.

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    Wirksam scheinen hier die strengen und schnellen Maßnahmen von Beginn an, wie etwa die Grenzschließung vom 19. März bis heute. Als es an einem Tag im August 17 Corona-Fälle gab, wurden unter anderem die Schulen, Kindergärten und nicht relevante Betriebe in der betroffenen Stadt geschlossen.

Bestätigte Corona-Fälle in Neuseeland; Stand: 02.11.2020, WHO

Südkorea setzt auch intensives Kontakt-Tracking

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    Schon Mitte Februar traten die ersten Corona-Fälle in Südkorea auf. Das Land reagierte rasch, nach rund einem Monat war die erste Welle überstanden.

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    Zu einer kleinen zweiten Welle kam es Mitte August, die das Land aber schnell bremste. Maßnahmen waren unter anderem intensives Contact-Tracing, kostenlose Tests, Schließung von Schulen, Clubs, Karaoke-Bars, Buffet-Restaurants und Museen, Verbot von Versammlungen von mehr als 50 Personen (drinnen) sowie 100 Personen (draußen) und Maskenpflicht.

Bestätigte Corona-Fälle in Israel; Bestätigte Corona-Fälle in Südkorea; Stand: 02.11.2020, WHO

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Japans Bürger halten sich an die Empfehlungen

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    Die erste Welle im April verlief in Japan mild mit maximal 743 neuen Corona-Fällen pro Tag. Bis heute sind nur rund 101.800 Fälle gemeldet.

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    Die zweite Welle war heftiger. Sie begann Anfang Juli und endete im September, wobei sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf einem höheren Niveau einpendelte (siehe Grafik).

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    Strenge verpflichtende Maßnahmen oder einen Lockdown gab es in Japan kaum. Die Grenzen wurden allerdings früh geschlossen. Generell halten sich die Japaner offenbar gut an die Empfehlungen der Regierung wie Maske tragen, Abstand halten, zu Hause zu bleiben, Menschenmassen meiden und Räume lüften.

Bestätigte Corona-Fälle in Japan; Stand: 02.11.2020, WHO

China: Vom Verlierer zum Sieger

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    Anfang des Jahres traf Corona China vor allen anderen Ländern mit großer Wucht. Doch China scheint Corona im Griff zu haben: Seit Anfang März sind die Zahlen auf ein Minimum reduziert. Es gibt zwar täglich Neuinfektionen - aber nur 8, 25 oder maximal 280 bei rund 1,4 Milliarden Einwohnern.

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    Zu Chinas Maßnahmen zählen unter anderem verpflichtende Massentests, intensives Contact-Tracing, konsequente Nachverfolgung von Corona-Fällen, extreme Quarantäne-Regeln, sofortige lokale Lockdowns und strenge (Ein)Reisebeschränkungen.

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    Masken werden aktuell noch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Krankenhäusern, staatlichen Banken sowie Schulen und Unis getragen.

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    Dass China ein Überwachungs- und Polizeistaat ist, spielt der Regierung bei der strikten Umsetzung der Maßnahmen in die Karten. So spielen etwa persönliche Freiheitsrechte oder der Datenschutz bei der Kontakt-Nachverfolgung keine Rolle.

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    Ferner haben die Chinesen durch SARS und die Vogelgrippe Erfahrung im Umgang mit solch Erkrankungen. Sie wissen, wie wichtig es ist, sich zu schützen und stellen staatliche Maßnahmen selten infrage.

Bestätigte Corona-Fälle in China; Stand: 02.11.2020, WHO

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Veröffentlicht: 02.11.2020 / Autor: Larissa Melville