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Corona: Die allermeisten leiden, doch es gibt auch positive Folgen

Die Corona-Pandemie hat für viele Bereiche verheerende Folgen. Doch nicht alle leiden unter der Krise. In Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gibt es auch Gewinner.

Das Wichtigste zum Thema Gewinner und Verlierer der Corona-Krise

  • Weltweit zwingt das Corona-Virus Branchen wie den Tourismus oder Luftverkehr in die Knie.

  • Einige Bereiche profitieren aber stark von Quarantäne-Maßnahmen und Aufrufen, dass Menschen zu Hause bleiben sollen.

  • Eine weitere Folge: Die Gesellschaft hält zusammen - und auch die Umwelt erholt sich vielerorts.

Besonders Bereiche der Wirtschaft trifft es

Seit einigen Wochen spüren deutsche Unternehmen die Folgen der Krise rund um das Corona-Virus. Für die meisten Firmen sind sie negativ.

So sinkt nicht nur die Nachfrage nach Produkten, auch Lieferketten sind gestört oder unterbrochen. Wegen fehlender Aufträge schicken bereits einige Unternehmen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Sprich: Die Angestellten bekommen weniger Geld.

Die Branchen, die aktuell unter der Krise besonders leiden:

  • Gastronomen und Geschäftsinhaber im Einzelhandel
  • Freiberufler und Künstler
  • Museen, Kinos, Opern
  • Industrie
  • Fluggesellschaften
  • Tourismus
  • Handwerk

Es gibt aber auch wirtschaftliche Profiteure der Krise. Sie fahren ihre Produktion gerade hoch und suchen kurzfristig nach neuen Mitarbeitern.

Diese Unternehmen zählen zu den Gewinnern der Krise

Netflix und Co. profitieren von der Quarantäne

In den USA nennt man sie schon "Stay at home stocks", zu deutsch: Zuhausebleiben-Aktien. Damit sind die Aktien von Unternehmen gemeint, die die Corona-Quarantäne zu Hause oder das vorsorgliche Homeoffice angenehmer machen.

Zu den Gewinnern gehören vor allem Streaminganbieter wie Netflix oder Amazon Prime.

Außerdem sind der Videokonferenzanbieter Zoom, die Teamkommunikations-App Slack oder der deutsche Screen-Sharing-Dienst Teamviewer aktuell sehr beliebt. Zoom soll innerhalb der letzten Wochen bereits mehr neue Nutzer gewonnen haben als im gesamten Jahr 2019.

Die Europäische Union hat Netflix, YouTube und Co. gebeten, die Streaming-Qualität vorübergehend abzusenken. Dies soll dabei helfen, die europäischen Netze zu stabilisieren. Netflix kam der Bitte nach: Die Übertragungsraten der Streams werden für die nächsten Wochen innerhalb Europas gedrosselt.

Dank der Quarantänemaßnahmen wird nun besonders viel gestreamt


Dank der Quarantänemaßnahmen wird nun besonders viel gestreamt
© picture alliance / dpa Themendienst

 

Auch der Online-Handel profitiert

Zudem profitiert der Online-Handel von der aktuellen Situation. Amazon will alleine in den USA 100.000 neue Jobs schaffen - und Arbeiter aus den Bereichen Gastgewerbe, Restaurants und Reisen einen neuen Arbeitsplatz anbieten.

Auch der Online-Lebensmittelhandel boomt. Online-Anbieter wie Rewe berichten von einer stark erhöhten Nachfrage.

Die Folge: Wer heute im Internet Lebensmittel oder Hygieneartikel bestellt, muss bis zu 2 Wochen auf die Lieferung warten.

Der Liefer-Gigant Amazon Fresh warnt auf seiner Website: "Sortiment und Lieferung können aufgrund erhöhter Nachfrage vorübergehend eingeschränkt sein."

Die Nachfrage nach Online-Bestellungen von Lebensmitteln ist stark gestiegen


Die Nachfrage nach Online-Bestellungen von Lebensmitteln ist stark gestiegen
© picture alliance / SvenSimon

Wie die Gesellschaft reagiert

Verändert das Corona-Virus unsere Gesellschaft nachhaltig? Das ist die große Frage, die sich aktuell viele Sozialwissenschaftler stellen. Denn: Die zunehmende Stilllegung des öffentlichen Lebens wird für jeden immer spürbarer.

Soziale Kontakte sollen vermieden werden. Social Distancing ist der Begriff der Stunde.

Dennoch: Was ungebrochen ist, ist die Hilfsbereitschaft einiger Menschen.

Speziell älteren Menschen wird vermehrt geholfen


Speziell älteren Menschen wird vermehrt geholfen
© picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Wir schaffen das - soziales Miteinander boomt

  • 📱

    Ein 14-jährige Schüler aus Kiel hat eine App namens "Hände waschen" entwickelt, die vor allem Kindern beim derzeit so enorm wichtigen Thema Händewaschen hilft. Die App soll jungen Menschen dabei unterstützen, die notwendigen 30 Sekunden beim Händewaschen einzuhalten.

  • 💪

    In der Corona-Krise zeigen viele Menschen besonderen Gemeinschaftssinn. In vielen deutschen Städten wird die Nachbarschaftshilfe wieder ins Leben gerufen. Besonders Menschen, die zur Risikogruppe gehören, erleben im Moment viel Hilfsbereitschaft. Nachbarn übernehmen für sie Einkäufe oder erledigen andere Dinge.

  • ☎️

    Ein weiterer positiver Aspekt: Da sich viele Menschen nicht mehr treffen können, telefonieren sie wieder häufiger. Aber: Dabei kommt es zu erhöhter Belastung der Kommunikations- und Datennetze in Deutschland.

Der Umwelt tut die Corona-Krise gut

Die Umwelt regeneriert sich dank Corona, zwar nur kurzfristig, aber immerhin. Viele bleiben zu Hause, Flughäfen und industrielle Produktionen sind geschlossen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind drastisch, zeigen aber in einigen Ländern bereits die gewünschten Auswirkungen. Die Folgen sind spürbar - und im Fall der Umwelt sogar sehr positiv.

Der Verkehr auf der sonst stark befahrenen A2 ist stark zurück gegangen


Der Verkehr auf der sonst stark befahrenen A2 ist stark zurück gegangen
© picture alliance / Jochen Eckel

So atmet unsere Umwelt auf

  • 🚤

    In Venedigs Kanälen ist das Wasser kristallklar! Grund dafür: Im menschenleeren Venedig ist der Verkehr zum Stillstand gekommen. Das sonst überlaufene Touristenziel wirkt wie eine Geisterstadt - ohne die typischen Motorboote und Gondeln. Dadurch werden weniger Feinstoffe im Wasser aufgewirbelt.

  • 🌬

    Satelliten der Europäischen Weltraumagentur ESA verzeichnen einen Rückgang des Stickstoffdioxid-Gehalts in der Luft über der norditalienischen Industrieregion. Die Messwerte aus Norditalien spiegeln wider, was sich auch in China zeigte. Nach einer Analyse des Center for Research on Energy and Clean Air sanken die CO2-Emissionen dort im Februar um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

  • 🌍

    Um 40 Prozent wollte Deutschland dieses Jahr seine CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 reduzieren. Dieses Ziel hatte die Bundesregierung schon längst aufgegeben. Nun rückt das Ziel unerwartet wieder in greifbare Nähe.

Veröffentlicht: 30.03.2020 / Autor: Benjamin Reibert

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