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Corona-Lockdown lockern: Was dafür und was dagegen spricht

Deutschland diskutiert: Was spricht für und was gegen eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen beziehungsweise des Kontaktverbots? Wir haben alle Argumente für dich gesammelt.

Das Wichtigste zum Thema Corona-Lockdown

  • Um zu verhindern, dass zu viele Menschen gleichzeitig an Covid-19 erkranken und dadurch die Krankenhäuser überlastet sind, gelten in Deutschland aktuell strenge Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen, beziehungsweise ein Kontaktverbot.

  • Bis zum 19. April bleiben die Maßnahmen noch bestehen. Aber wie geht es danach weiter? Auch wegen der massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft kamen zuletzt Stimmen auf, die eine langsame Lockerung der Corona-Maßnahmen fordern.

  • In Deutschland wird noch die geeignetste Exit-Strategie gesucht. Andere Länder haben bereits erste Lockerungen von Corona-Maßnahmen beschlossen, wie Dänemark oder Österreich. Beide Länder hatten besonders früh mit strikten Maßnahmen auf das Corona-Virus reagiert.

  • In Deutschland verlangsamt sich die Infektionsgeschwindigkeit zwar, aber noch immer stecken sich täglich viele Menschen mit Covid-19 an. Sollte der Lockdown jetzt gelockert werden? Die Pro- und Contra-Argumente findest du auf dieser Seite.

Corona-Fallzahlen in Deutschland

Das sagen die Befürworter einer Lockerung des Corona-Lockdowns

  • 👨‍🍳

    Unternehmer trifft die Krise hart: Mehr als eine Million Soforthilfe-Anträge sind bereits in Deutschland gestellt worden. Auf Dauer können sich Firmen ohne Umsätze aber nicht über Wasser halten.

  • 👩‍👦

    Herausforderung für Eltern: Die Kinder sind zu Hause, brauchen Betreuung und Hilfe beim Home-Schooling. Viele Eltern stoßen dabei an ihre Grenzen, weil sie selbst arbeiten müssen und hoffen auf eine baldige Öffnung von Schulen und Betreuungseinrichtungen.

  • 😔

    Die gesellschaftlichen, sozialen und psychischen Folgen des Lockdowns müssen laut Ethikrat berücksichtigt werden. Aufgrund der Maßnahmen fallen beispielsweise Operationen aus und Therapien werden unterbrochen. Es gibt nicht nur Corona-Patienten, sondern auch Lockdown-Patienten.

  • 📏

    Die Maßnahmen sollten dort gelockert werden, wo der Mindestabstand einzuhalten ist: Wir haben inzwischen ein Bewusstsein für die notwendigen Verhaltensregeln entwickelt, meint Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Zum Beispiel soll es wieder okay sein, sich bei einem Spaziergang auch mal für eine halbe Stunde in die Sonne zu setzen - mit ausreichend Abstand.

  • 😷

    Statt der kompletten sozialen Distanzierung durch den Lockdown brauchen wir eher eine angepasste Distanzierung, meint Virologe Alexander Kekulé. Dabei soll auf die jeweiligen Risikosituationen eingegangen werden. Ein Beispiel: Verkäufer an der Kasse müssen bedingungslos eine Maske tragen.

  • 🗣

    Alexander Kekulé ist zudem davon überzeugt, dass sich die Bevölkerung langsam aber kontrolliert dem Virus aussetzen muss. Heißt: Junge Menschen sollten sich vorrangig infizieren. Klingt brutal, soll ihm zufolge aber die einzige Möglichkeit sein, um die Risikogruppen zu schützen und die Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern.

Eine mögliche Vorgehensweise

Eine mögliche Vorgehensweise: Die Maßnahmen könnten flexibel gelockert oder angezogen werden - entweder bis die meisten (44 bis 65 Millionen Deutsche) infiziert und damit immun sind oder ein Impfstoff vorliegt. Die Hoffnung ist, dass damit die Krankenhaus-Kapazitäten für jeden Covid-19-Patienten ausreichen.

Das sagen die Gegner einer Lockerung des Corona-Lockdowns

  • 👨‍⚕️

    Medizinisches Personal ist knapp: Noch immer besteht in Krankenhäusern täglich aufs Neue die große Gefahr einer Ansteckung. Ärzte und Pfleger arbeiten aktuell am Limit. Eine Lockerung würde riskieren, dass mehr Patienten in die Klinik kommen und sich somit auch das Personal vermehrt infiziert.

  • 😷

    Schutzausrüstung ist knapp: Eine Lockerung würde noch mehr Verbrauch bedeuten.

  • 📈

    Der Höhepunkt der Fallzahlen ist noch nicht erreicht, meint Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Deswegen müssen die Maßnahmen so bestehen bleiben, wie sie aktuell sind.

  • 📏

    Abstand ist extrem wichtig: Die aktuellen Maßnahmen bewirken, dass die Menschen den Mindestabstand von 1,5 Metern auch wirklich einhalten. Diese Maßnahmen müssen wir noch etwas durchhalten, meint der Mediziner Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

  • 📝

    Die Reproduktionsrate, also die Zahl an Menschen, die eine Person durchschnittlich angesteckt, sinkt. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt diesen Wert aktuell auf etwa 1,3. Ohne Maßnahmen wie dem aktuellen Lockdown würde der Wert aktuell bei 3 liegen.

  • Erst wenn die Verdopplungszeit der Infektionen bei mindestens 14 Tagen liegt, kann aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine Lockerung der Beschränkungen diskutiert werden. Laut Berechnung der Johns-Hopkins-Universität beläuft sich die Verdopplungszeit in Deutschland derzeit auf 11,8 Tage.

Diese Länder wagen erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen

Eine Reihe von Ländern hat sich bereits vorsichtig an eine Lockerung der Corona-Maßnahmen gewagt:

  • 🇩🇰

    Dänemark: Ab dem 15. April öffnen in Dänemark die Kinderkrippen, Kindergärten sowie Schulen für Kinder bis zur 5. Klasse. Damit will die dänische Regierung Eltern entlasten. Die Grenzen sowie Restaurants und Cafés bleiben aber bis Mitte Mai dicht.

  • 🇦🇹

    Wie Dänemark hatte auch Österreich besonders früh mit strikten Maßnahmen auf das Corona-Virus reagiert. In Österreich dürfen kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte am 14. April unter strengen Auflagen wieder öffnen. Die Maskenpflicht im Supermarkt wird dann auf alle geöffneten Läden und die öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt.

  • 🇨🇿

    In Tschechien dürfen sich vor allem Tennis- und Golffans freuen: Seit 06. April dürfen sie wieder spielen. Zudem dürfen erste Geschäfte wieder öffnen, darunter Hobby- und Baumärkte, der Eisenwarenhandel sowie Fahrradwerkstätten.

  • 🇱🇹

    In Litauen dürfen bestimmte kleine Unternehmen öffnen, wenn sie Vorkehrungen wie etwa Zugangsbeschränkungen, Ein- und Auslasskontrollen und erhöhte Hygienestandards erfüllen. Händler müssen Schutzkleidung tragen und dürfen keiner Risikogruppe angehören.

  • 🇳🇴

    Die Norweger dürfen ab dem 20. April wieder auf ihren geliebten Hütten übernachten. Physiotherapeuten und Psychologen können dann ihre Arbeit wieder aufnehmen, sofern sie die entsprechenden Anforderungen zum Vorbeugen eines Ansteckungsrisikos erfüllen. Friseure und Hautpfleger dürfen das 7 Tage später auch.

  • 🇨🇳

    Im Ursprungsort der Pandemie, dem zentralchinesischen Wuhan, sind mehr als zweieinhalb Monate nach der Abriegelung nun auch die letzten Beschränkungen für die 11 Millionen Bewohner aufgehoben worden. Der Verkehr wird wieder normalisiert und die Menschen dürfen wieder mit dem Zug fahren. Voraussetzung: Sie müssen gesund sein und in einer jetzt überall in China eingesetzten Corona-Gesundheits-App auf ihrem Handy einen grünen Code nachweisen können. Kindergärten, Schulen und Hochschulen bleiben aber vorerst weiter geschlossen.

Quelle: dpa

Veröffentlicht: 08.04.2020 / Autor: Viviane Osswald

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