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"Miss you!" Darum fehlen dir deine Freunde gerade jetzt so sehr

Wenn aus Freundschaften Fernbeziehungen werden: Warum wir unsere Freunde in Corona-Zeiten noch mehr vermissen - und wie wir trotz Abstand in engem Kontakt zu ihnen bleiben.
In der Corona-Krise müssen wir andere Wege finden mit unseren Freunden in Kontakt zu bleiben, zum Beispiel über Video-Chat.

Das Wichtigste zum Thema Freundschaften in Corona-Zeiten

  • Im Durchschnitt hat jeder Mensch 3 enge Freunde. Ab dem 23. Lebensjahr sinkt die Zahl. Es kommen nicht mehr so viele neue dazu - dafür steigt aber die Qualität der Freundschaften.

  • Der Mensch ist ein soziales Wesen und von Natur aus auf ein Leben in Gemeinschaft gepolt. Aus gutem Grund: Freundschaften wirken wie ein Puffer gegen Belastung. Außerdem machen sie glücklich, körperlich gesund, stärken dein Selbstwertgefühl und sogar das Immunsystem.

  • Vor allem in Krisenzeiten ist die Anerkennung und Rückmeldung von Freunden wichtig für unsere Psyche. Es reduziert Stress und macht uns stark - genau das, was wir gerade brauchen.

So entsteht Freundschaft: ein Hormon als Wingman

Oxytocin ist eine Art Sozialhormon. Wenn wir Freundschaften knüpfen - aber auch beim Sex oder bei einer Geburt - wird es von unserem Körper ausgeschüttet.

Wir haben dadurch weniger Ängste, bauen schneller Vertrauen auf und fühlen uns generell wohler. Nicht umsonst wird Oxytocin auch als "Kuschelhormon" oder "Bindungshormon" bezeichnet. Außerdem senkt Oxytocin die Ausschüttung von Stresshormonen. Du bist also entspannter.

Kontakt mit deinen Freunden wird so zum Wellness-Urlaub in Corona-Zeiten.

Warum wir unsere Freunde jetzt noch mehr brauchen: das "Forbidden-Fruits"-Phänomen

Jeder Mensch hat den Drang, das Unbekannte oder Verbotene kennen zu lernen. Alles, was wir nicht dürfen, erregt automatisch unsere Aufmerksamkeit und erscheint attraktiv. 

In der aktuellen Situation sind unsere Freunde die "verbotenen Früchte". Durch Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote vermissen wir sie mehr als unter normalen Umständen.

Verbotene-Früchte-Phänomen


Schon Eva konnte in der biblischen Schöpfungsgeschichte dem verbotenen Apfel nicht widerstehen.
© picture alliance / Godong

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Wieso sind uns Freundschaften gerade jetzt so wichtig?

💬 Im Alltag orientieren wir uns oft an Freunden. Wir suchen sie – vorrangig jedenfalls – nach Ähnlichkeiten aus. Für die aktuelle Situation haben wir alle keine erprobten Regeln. Da ist es wichtig, von anderen zu erfahren, wie die sich verhalten.

Also Freunde als Kapital, das in Krisenzeiten eingesetzt wird?

💬 In gewisser Weise. In Freundschaften ist gegenseitige Hilfeleistung wichtig. Wir gehen davon aus, dass Freunde uns in Krisen unterstützen - und das von sich aus anbieten. Gilt auch für europäische Länder: Italien hätte sich schon erhofft, dass Deutschland hilft.

Warum nehmen wir jetzt zu alten Freunden wieder Kontakt auf?

💬 Meist gehen Freundschaften kaputt, weil sich die Lebenssituationen verändern. Man hat nicht mehr so viel gemein. Plötzlich haben wir alle was gemeinsam: Wir müssen alle zu Hause bleiben, sind alle auf einmal extrem eingeschränkt. Das kann ein guter Anknüpfungspunkt sein, um alte Freundschaften zu reaktivieren.

Freundschaften über Social Media pflegen - kann das funktionieren ?

💬 Freundschaften, die auf gemeinsamen Interessen beruhen, zum Beispiel zusammen Sport machen, kann man in sozialen Medien nur schwer abfangen. Anders ist das bei engen Freundschaften, bei denen es um gegenseitige Unterstützung und Austausch geht. Das klappt über Social Media gut.

Gehen Freundschaften durch die Krise eher zu Bruch?

💬 Die Situation selbst macht keine Freundschaften kaputt. Es sei denn, enge Freunde erfüllen die in sie gesetzten Erwartungen nicht. Man bekommt nicht das Vertrauen oder die Hilfeleistung, die man sich wünscht. Ist das der Fall, können Freundschaften Knall auf Fall beendet werden.

Wie kann ich Freundschaften jetzt pflegen?

💬 Wichtig ist es, in Kontakt zu bleiben. Man muss aber nicht stundenlang miteinander telefonieren. Zeig dem anderen, dass du Interesse an ihm und seiner momentanen Situation hast. Biete Hilfeleistung an. Deine Freunde tun sich so auch leichter, die Unterstützung anzunehmen.

Best Friend from far away - 6 Wege, die Freundschaft trotz Corona zu pflegen

  • 🍲

    Cooking ohne Kontakt: Verabrede dich zum gemeinsamen Kochen. Einer wählt das Rezept, schickt es vorab in die Runde und mimt im Video-Chat den Koch-Guru.

  • 🎲

    Spaß & Spiele für ganz viele: Gesellschaftsspiele funktionieren oft auch auf Distanz - also ohne Stammtisch, an dem sich alle versammeln. Zum Beispiel Kniffel, Stadt-Land-Fluss oder Pantomime.

  • 🛒

    Shoppe nicht nur für dich selbst: #supportyourlocal Viele Läden bieten jetzt Lieferdienste oder Gutscheine für die Zeit nach Corona an. Nett zum Geburtstag oder als Einladung zum After-Corona-Bier.

  • 🙌

    Flashmob aus der Ferne: Erschaff mit deinen Freunden etwas Großes. Knöpft euch ein Projekt vor, egal ob das die ultimative Playlist oder die Quarantäne-Rezepte-Sammlung ist - Hauptsache, ihr macht es gemeinsam.

  • 💌

    Briefe-Schreiben gegen das Alleine-Bleiben: Wenig Aufwand, maximaler Effekt. Schreibfaule greifen zur Postkarte - da braucht es nur wenige Sätze, um anderen eine Freude zu machen.

  • 📱

    Apps statt Abstand: Viele Applikationen wie Video-Chat-Plattformen gibt's jetzt sogar gratis. Mit Freunden in Kontakt zu bleiben, wird dadurch noch leichter.

Veröffentlicht: 16.04.2020 / Autor: Franziska Schosser