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Corona: Trockene Raumluft erhöht das Ansteckungs-Risiko

Neben schlechter Belüftung begünstigt offenbar auch eine niedrige Luftfeuchtigkeit die Übertragung von Corona-Viren. Warum das so ist - und wie du für eine optimale  Luftfeuchtigkeit sorgst.
Hygrometer

Das Wichtigste zum Thema Corona-Viren in der Luft

  • Zu Beginn von Corona ging man davon aus, dass die Viren vor allem bei direktem Kontakt zweier Personen über eine Tröpfchen-Infektion weitergegeben werden. Hierbei gelangen die Virus-Partikel in Speicheltröpfchen direkt auf die Schleimhäute an Augen, Nase oder Mund eines anderen Menschen.

  • Heute steht auch die Übertragung über die Luft immer wieder im Fokus. Dabei gelangen winzige Mikrotröpfchen direkt in die Atemwege. Deswegen sollte man Innenräume regelmäßig gut lüften - vor allem, wenn sich dort mehrere Menschen aufhalten.

  • Ein deutsch-indisches Forscher-Team fand jetzt heraus: Wie gut sich die Viren in Innenräumen ausbreiten, scheint stark von der Luftfeuchtigkeit abzuhängen: Bei trockener Luft breiten sie sich leichter aus.

  • Die Forscher empfehlen zur Vorbeugung von Corona-Infektionen neben den generellen Maßnahmen wie Masken und Sicherheitsabstand auch eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 40 Prozent in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Großraumbüros und im Nahverkehr.

  • Gerade, wenn es kälter wird und wir uns mehr in geschlossenen beheizten Räumen aufhalten, wird das wichtig: Denn dann werden mehr Leute zusammensitzen, und eine Heizung macht die Luft trockener.

Tröpfchen oder Mikrotröpfchen - das ist hier die Frage

Hustet, niest, spricht oder atmet ein Corona-Erkrankter, gelangen unterschiedlich große mit Viren beladenen Tröpfchen in die Luft und können Gesunde infizieren. Beim reinen Atmen und Sprechen entstehen fast ausschließlich sogenannte Mikrotröpfchen oder Aerosole.

Die großen, schweren Tröpfchen fallen schnell zu Boden. Vor ihnen soll dich der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen schützen.

Anders ist das bei den Aerosolen: Sie folgen dem Luftstrom und schweben nach neuesten Untersuchungen viele Minuten, eventuell sogar Stunden in der Luft. So zeigte unter anderem eine Studie der TU Berlin, dass kleine Partikel auch nach 20 Minuten noch nahezu vollständig in der Luft herumschwirren.

Diese Mikrotröpfchen sollen unter anderem bei den Ausbrüchen in den Fleisch-Fabriken und bei Chorproben eine große Rolle gespielt haben. Hier steckte ein Infizierter innerhalb kürzester Zeit sehr viele Menschen im geschlossenen Raum an.

10 Studien zeigen: Trockene Luft fördert Viren-Verbreitung

Wie entscheidend die Luftfeuchtigkeit für die Ausbreitung der Viren ist, stellten Ajit Ahlawat vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig und seine Kollegen bei der Analyse von 10 Studien fest.

Die stammen aus den Jahren 2007 und 2020 und untersuchen den Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf Überleben, Ausbreitung und Infektion mit den Grippe-Viren, SARS-CoV-1, MERS und SARS-CoV-2.

"Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Partikel weniger Wasser auf, bleiben leichter, fliegen weiter durch den Raum und werden eher von Gesunden eingeatmet. Außerdem werden bei trockener Luft auch die Nasenschleimhäute in unseren Nasen trockener und durchlässiger für Viren", fasst Ahlawat zusammen.

Zudem stellten die Forscher fest, dass niedrige Luftfeuchtigkeit die Tröpfchen zwar schneller austrocknen lässt, die Überlebensfähigkeit der Viren aber hoch bleibt.

Das Forscher-Team geht davon aus, dass eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent die Ausbreitung der Viren und die Aufnahme über die Nasenschleimhaut reduzieren kann. Festgelegte Standards für die Luftfeuchte in Innenräumen sehen sie als wichtiges Element zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie.

Die perfekte Luftfeuchtigkeit - so geht's

  • 🌡

    Kaufe ein Hygrometer. Es zeigt dir die aktuelle Luftfeuchtigkeit an. Je nachdem, was es sonst noch kann (Außenwetter etc.), liegen die Preise zwischen 10 und 30 Euro.

  • 👁

    Sehr trockene Luft macht sich übrigens auch durch trockene Lippen, brennende Augen und gereizte Schleimhäute bemerkbar.

  • 🔁

    Wenn die Außenluft mehr Feuchtigkeit hat als die Innenluft, verbessert regelmäßiges Lüften das Raum-Klima. Im Winter ist allerdings auch die Außenluft oft trocken.

  • 🥛

    Stelle eine Schale mit Wasser direkt auf die Heizung. Es verdunstet und befeuchtet die Luft. Kannst du gut auch im Büro machen.

  • 💧

    Oder lege ein nasses Handtuch über die Heizung. Kleiner Nachteil: Das beeinträchtigt die Heizleistung.

  • 💁

    Die schnelle Lösung: Greife zur Bügel-Sprühflasche und zerstäube Wasser im Zimmer.

  • 🌀

    Oder: Besorge einen elektrischen Luft-Befeuchter. Hier füllst du Wasser ein, was dann nach und nach verdampft.

  • 🌿

    Pflanzen geben Feuchtigkeit in die Luft ab. Fürs Büro ist dieser Tipp ideal, und man fühlt sich dort gleich wohler.

  • 🚿

    Lass die Badtür offen, wenn du geduscht hast. So verteilt sich die feuchte Luft in der Wohnung

  • 👚

    Trockne Wäsche im Wohnzimmer und nicht im Keller.

  • Wichtig: Hohe Feuchtigkeit bedeutet immer auch Schimmel-Gefahr.

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Veröffentlicht: 20.10.2020 / Autor: Larissa Melville