Corona: Warum Social Distancing so wichtig bleibt

Die Corona-Fallzahlen sind weiterhin hoch. Die Mutter aller Corona-Regeln bleibt ein einfaches Mittel, das für alle verfügbar ist: sozialer Abstand. Warum diese Methode so effektiv ist.
0

Warum Social Distancing immer noch so wichtig ist

  • Der derzeit wichtigste Tipp, den wir alle im Kampf gegen Corona befolgen können, lautet: Bleib zu Hause, soweit es geht.

  • Wenn du unter Menschen bist, halte ausreichend Abstand. Das fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ärzte und Krankenpfleger, aber auch Privatleute von ihren Mitmenschen.

  • Die Idee dahinter: Je weniger Kontakt Menschen zueinander haben, desto weniger Personen werden neu angesteckt. Wir sagen dir, was das heißt.

Social Distancing: Wie wir Nähe durch Distanz zeigen

Wir können uns auf vielen Wegen nahe kommen, ohne uns berühren zu müssen. Im Clip erfährst du, wie das geht.

Es kommt auf jeden an

Der seit Anfang November geltende Teil-Lockdown hat laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "nicht gereicht". Seit einigen Tagen gebe es wieder ein exponentielles Wachstum der Corona-Neuinfektionen. "Wir sind zum Handeln gezwungen und handeln jetzt auch." Ab Mittwoch, dem 16. Dezember tritt ein harter Lockdown in Kraft - dann gelten neue Corona-Regeln.

In ihrer Rede zur Generaldebatte im Deutschen Bundestag hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem emotionalen Appell an uns alle gerichtet. Sie rief dazu auf, die Kontakte weiter zu reduzieren, um Risikogruppen zu schützen und einen exponentiellen Anstieg der Infektions-Zahlen, insbesondere nach den Weihnachts-Feiertagen, zu verhindern, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.

"Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und es anschließend das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben. Das sollten wir nicht tun."

Wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen

Merkel forderte bei der Pandemie-Bekämpfung wissenschaftlichen Empfehlungen zu folgen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte für die Weihnachts-Feiertage und den Jahreswechsel einen harten Lockdown in Deutschland vorgeschlagen. Konkret empfehlen die Wissenschaftler, bereits ab 14. Dezember die Kontakte im beruflichen wie im privaten Bereich auf das absolute Mindestmaß zu verringern.

Nicht Verbote seien der Schlüssel zum Erfolg, sondern vielmehr "das verantwortliche Verhalten eines jeden Einzelnen und die Bereitschaft mitzumachen", sagt Merkel. Im Kampf gegen das Corona-Virus kann jeder einzelne von uns mithelfen.

Wieso zu Hause bleiben? So sieht der Ansteckungsverlauf aus

Um zu verstehen, warum wir Social Distancing in Kauf nehmen müssen, hilft ein Blick auf den Ansteckungs-Verlauf von Covid-19 Anfang des Jahres in Wuhan, dem Epizentrum des Corona-Virus.


Ansteckungsverlauf Corona am Beispiel Wuhan.
© Gui Athayde/Galileo

 

Die rote Kurve zeigt die "offiziellen" Infektionsfälle, von denen die chinesische Gesundheitsbehörde wusste.

Die blaue Kurve zeigt die tatsächlichen Fälle, von denen die Behörden keine Ahnung hatten. Die erfuhren nämlich zunächst nur von den Fällen, bei denen die Infizierten zum Arzt gingen und getestet wurden.

Durchschnittlich dauert es etwa 2 Wochen bis das Virus ausbricht, bei vielen Infizierten ist der Krankheitsverlauf zudem sehr leicht. Aber: In beiden Fällen sind die Personen ansteckend.

Ergebnis: Viele Chinesen waren krank ohne es zu wissen - und jeder von ihnen steckte durchschnittlich 3 weitere Personen an, die dann wiederum 3 weitere infizierten.

So kann ein einziger Infizierter in einer Woche über 2.000 Menschen anstecken. Das nennt sich exponentielles Wachstum.

Social Distancing macht den Unterschied

Schränkst du deine sozialen Kontakte ein, werden weniger Personen angesteckt.

Reduzierst du die Kontakte um die Hälfte, würdest du - wenn du das Virus in dir trägst - schon rund 96 Prozent weniger Leute anstecken.

Wenn du die Kontakte um 75 Prozent reduzierst, sind es sogar rund 99 Prozent weniger!

Das bewirkt Social Distancing!


Das bewirkt Social Distancing.
© SignerLaboratory

So funktioniert Social Distancing

  • 👫

    Kontakte reduzieren: Wer kann und darf, sollte im Home Office arbeiten. Verabredungen solltest du absagen, große Partys sowieso. Nimm lieber das Fahrrad statt Bus und Bahn.

  • 📏

    Abstand halten: Ganz lässt sich der Kontakt mit anderen Menschen nicht vermeiden. Um Infektionen nachzuverfolgen, hilft es aber, den Kontakt auf wenige Personen zu beschränken. Und dann gilt: 1 bis 2 Meter Abstand halten und keine Hände schütteln.

  • 🛍

    Nicht zu Stoßzeiten rausgehen: Gehe am besten dann einkaufen, wenn Supermärkte eher leer sind.

  • 👨‍👧‍👦

    Kinder separat betreuen: Kitas und Schulen sind teilweise geschlossen, Mama und Papa im Homeoffice. Da könnte man auf die Idee kommen, die Kinder in Gruppen zu betreuen. Davon rät die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) ab - vor allem, wenn die Betreuer ständig wechseln.

  • 👵

    Gefährdete unterstützen: Besonders Menschen aus den Risikogruppen sollten Kontakte meiden. Wenn du kannst, biete ihnen deine Hilfe an, zum Beispiel für Einkäufe. Am besten stellst du ihnen die Tüten vor die Tür.

  • Frische Luft: Tanke weiterhin Sonnenlicht und Sauerstoff - nur eben mit Vorsicht. Abstand ist wichtig. Wer Sport machen will, macht das also am besten allein.

Begibst du dich vor Weihnachten in Selbst-Quarantäne?

Jeder Tag zählt

Weil sich das Corona-Virus exponentiell verbreitet, macht sogar ein einzelner Tag etwas aus.


Schon ein einziger Tag soziale Distanzierung verflacht die Ansteckungskurve deutlich.
© Gui Athayde/Galileo

 

Das Modell orientiert sich am Verlauf in Wuhan, mit im schlimmsten Fall täglich etwa 6.000 neuen Fällen.

Es zeigt verschiedene Gruppen: Eine distanziert sich gar nicht sozial (weiß), eine distanziert sich am Tag n eines Ausbruchs, die andere am Tag n + 1.

Wartet man nur einen Tag mehr, führt das zu 40 Prozent mehr Fälle.

Im Fall von Wuhan hätte ein Tag die Anzahl der Fälle so um 20.000 verringern können. Wow!

Veröffentlicht: 15.12.2020 / Autor: Viviane Osswald