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Corona: Welche Mutationen sich jetzt bei uns stark ausbreiten

Bisher blieb Deutschland von den neuartigen Corona-Virus-Mutationen relativ verschont. Doch das ändert sich gerade. Vor allem der Anteil der britischen Variante B.1.1.7 steigt schnell. Droht eine 3. Welle, wirken die Impfstoffe noch - und wie entstehen Mutationen überhaupt?
Corona: Welche Mutationen sich jetzt bei uns stark ausbreiten12

Das Wichtigste zum Thema Corona-Virus-Mutationen

  • Endlich sinkt die Zahl der neuen Corona-Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 57 (17. Februar). Doch es gibt ein neues Problem: Die mutierten Corona-Varianten B.1.1.7, B.1.351 und P.1. Alle drei grassieren in Deutschland.

  • Diese Mutationen verschärfen die Infektions-Lage enorm, da sie ansteckender und wohl auch gefährlicher sind. Auch scheinen einige Impfstoffe hier teils schlechter zu wirken.

  • Besonders bedrohlich ist aktuell die britische Variante B.1.1.7, die sich in Europa schon stark ausgebreitet hat. In anderen Ländern sorgte sie bereits für eine 3. Welle. In Portugal etwa lag die 7-Tage-Inzidenz zwischenzeitlich schon bei 884.

  • Laut Robert Koch-Institut war B.1.1.7 hierzulande Mitte Februar schon für mehr als 22 Prozent der Corona-Fälle verantwortlich. "Wir müssen damit rechnen, dass die Variante bald auch bei uns die dominierende werden könnte", so Gesundheitsminister Jens Spahn.

  • Experten warnen deswegen vor zu frühen Lockerungen der Maßnahmen - auch vor einer Öffnung von Schulen und Kitas vor Anfang März. Ihre Befürchtung: eine 3. Welle mit noch höheren Fall- und auch Todes-Zahlen.

  • Viele halten sogar eine Verschärfung der Maßnahmen für nötig. Virologin Melanie Brinkmann plädiert sogar für Lockerungen erst bei einer Inzidenz von 10, statt der angestrebten 35. Ursprünglich lag der Wert noch bei 50, die Regierung hat ihn wegen der Mutationen bereist auf 35 gesenkt.

B.1.1.7 - die britische Variante

  • Im Dezember berichteten britische Behörden erstmals von der neuen Corona-Virus-Variante B.1.1.7. Sie breitet sich seit September in Großbritannien aus.
  • Nach aktuellem Wissensstand ist diese Variante um 35 bis 70 Prozent ansteckender. Ferner gibt es Hinweise darauf, dass sie zu schwereren Krankheitsverläufen führt.
  • Laut Robert Koch-Institut (RKI) war B.1.1.7 Anfang Februar hierzulande für knapp 6 Prozent der Corona-Fälle verantwortlich, Mitte Februar bereits für mehr als 22 Prozent. Experten vermuten, dass sich der Anteil in der nächsten Zeit jede Woche verdoppelt.
  • In den letzten Wochen hat sich B.1.1.7 auch in anderen europäischen Ländern stark verbreitet. Besonders in Irland und Portugal sorgte die Mutation für extrem hohe Infektionszahlen.
  • Erste Labor-Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna gegen B.1.1.7 kaum beeinträchtigt wird. Auch der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca schützt laut einer Studie vor B.1.1.7 ähnlich gut wie vor der ursprünglichen Form des Corona-Virus.

Kommt der Lockdown bis Ostern?

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B.1.351 - die südafrikanische Variante

  • Von Südafrika aus verbreitet sich seit Dezember die mutierte Variante B.1.351. In Tirol sorgte sie vor kurzem für einen großen Corona-Ausbruch.
  • Diese Variante soll ebenfalls ansteckender sein. Ob sie eine schwerere Erkrankung verursacht, muss noch genauer untersucht werden.
  • In Deutschland ist B.1.351 derzeit für 1,5 Prozent der Corona-Fälle verantwortlich (Stand Mitte Februar).
  • Erste Studien lassen vermuten, dass manche Impfstoffe schlechter vor B.1.351 schützen.
  • So bietet das Vakzin von AstraZeneca offenbar keinen guten Schutz gegen B.1.351. Die entsprechende Studie wurde jedoch noch nicht veröffentlicht. In Südafrika wird zunächst nicht mehr damit geimpft.
  • Die Wirksamkeit der Impfstoffe von BioNTech und Moderna scheint laut ersten Untersuchungen aber kaum beeinträchtigt zu sein.

P.1 - die brasilianische Variante

Beunruhigt sind Forscher auch hinsichtlich der aus Brasilien stammenden Variante P.1. Sie ist nicht nur ansteckender, sondern könnte womöglich bei genesenen Patienten erneut Corona verursachen - ebenso bei Geimpften.

Es wird wohl neue angepasste Impfstoffe geben

  • 🔬

    AstraZeneca will seinen Impfstoff überarbeiten. Er soll künftig gezielt gegen die neuen hochansteckenden Mutationen eingesetzt werden.

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    Auch die Impfstoffe von BioNTech und Moderna könnte man im Notfall anpassen. Forscher müssten dafür die mRNA austauschen.

Bad news oder doch eher eine Good news?

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    Dass man sich trotz Impfung infizieren kann, zeigte Anfang Februar ein Fall in einem Altenheim in Osnabrück: Bei 14 Senioren wurde das Virus B.1.1.7. nachgewiesen, obwohl alle einige Tage zuvor zum zweiten Mal den Impfstoff von BioNTech erhalten hatten.

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    Die Betroffenen zeigten aber keine Symptome oder nur leichte Beschwerden. Das könnte eine positive Wirkung der Impfung sein. Die Impfstoffe sollen nämlich in erster Linie vor einer schweren Erkrankung schützen. Wie gut sie auch vor einer Infektion schützen, ist bisher noch ungewiss. Studien deuten daraufhin, dass sich Geimpfte infizieren können, aber nicht oder nicht schwer erkranken.

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    Hinzu kommt, dass es 7 Tage dauert, bis man nach der 2. BioNTech-Impfung den vollen Impfschutz von 95 Prozent besitzt. Es ist möglich, dass die Bewohner den zum Zeitpunkt der Ansteckung noch nicht hatten.

Virus-Mutationen in Deutschland: Was ist der aktuelle Stand?

Wie verbreitet Mutationen hierzulande sind, war bis Anfang des Jahres unbekannt. Das Erbgut der Corona-Viren wurde bisher nur selten analysiert - in Großbritannien dagegen bei bis zu 20 Prozent der Proben.

Eine Verordnung der Bundes-Regierung soll nun dafür sorgen, dass die Labore bei 5 bis 10 Prozent aller positiven Corona-Tests auch das Viren-Erbgut analysieren. Die Daten sollen sie dann zentral ans Robert Koch-Institut (RKI) übermitteln. Alle 2 Wochen analysiert das RKI dann, wie stark sich die Mutationen weiter ausgebreitet haben und wie die Corona-Lage demnach zu bewerten ist.

Problem: Die Labore in Deutschland sind nicht zentral organisiert, und nur ein Teil von ihnen kann solche Analysen machen. Dort müssen die Proben erst hingeschickt werden, was mehr Geld, Zeit und Personal nötig macht.

Was machen Viren in deinem Körper?

Was machen Viren in deinem Körper?

Corona, Grippe, Windpocken und Co.: Viren verursachen zahlreiche Krankheiten, obwohl sie gar keine Lebewesen sind. Wie ihnen das gelingt, siehst du im Video.

Wie entstehen Virus-Mutationen?

  • 🧐

    Viren mutieren, das ist ganz normal. Bei ihrer Vermehrung in menschlichen Körper-Zellen passieren immer wieder kleine Fehler.

  • 😟

    Die meisten dieser "Kopier-Fehler" haben keine große Auswirkung. Manche aber machen das Virus gefährlicher und ansteckender.

  • 😮

    Bei den Varianten aus Großbritannien und Südafrika liegen mehrere Mutationen vor. Darunter auch welche, die Strukturen auf der Viren-Oberfläche verändern, die sogenannten Spike-Proteine.

  • 😱

    Mit denen docken die Corona-Viren an die Körper-Zellen an und dringen in sie ein. Bei den neuen Varianten gelingt dies durch die Mutationen noch besser, deswegen stecken wir uns schneller an.

Gelangen Viren in deinen Körper, heften sie sich an eine Körper-Zelle. Dann dringen sie in sie ein oder injizieren ihr Erbgut. Das Viren-Erbgut zwingt die Zelle dazu, tausende neue Viren herzustellen. Sind die fertig, stirbt die Zelle ab - und die Viren kommen frei. Sofort machen sie sich auf die Suche nach neuen Zellen, befallen sie - und alles beginnt von vorn.

Wie gut kennst du dich mit Corona aus?

Veröffentlicht: 18.02.2021 / Autor: Larissa Melville