Coronavirus

Corona-Delta-Variante breitet sich aus: Warum sie so gefährlich ist

Die Delta-Variante des Corona-Virus breitet sich zunehmend in Europa aus - auch in Deutschland. Wieso diese Variante so problematisch ist, wie gut die Impfungen davor schützen - und ob eine 4. Welle droht, erfährst du hier.
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Das Wichtigste zum Thema Corona-Delta-Variante

  • Seit Mai 2021 zählt die hochansteckende Delta-Variante B.1.617.2 zu den besorgniserregenden Varianten (Variants of Concern = VOC). Erstmals gefunden wurde sie im Dezember 2020 im indischen Bundesstaat Maharashtra.

  • Heute ist Delta vor allem in Indien und Großbritannien stark verbreitet. In über 60 Ländern wurde sie bereits nachgewiesen. In Portugals Hauptstadt Lissabon breitet sie sich aktuell sogar so stark aus, dass die Stadt vorübergehend abgeriegelt wurde. Auch in der portugiesischen Ferienregion Algarve, in Teilen Spaniens wie der Costa Brava und in Moskau wird Delta zunehmend ein Problem.

  • In Deutschland ist die Delta-Variante laut RKI-Bericht von 18. Juni derzeit für 6,2 Prozent der Corona-Fälle verantwortlich. Innerhalb einer Woche hat sich ihr Anteil damit nahezu verdoppelt. Laut RKI-Chef Lothar Wieler wird Delta spätestens im Herbst bei uns die dominierende Variante sein.

  • Gesundheitsminister Spahn will die Infektions-Zahlen trotz der Delta-Variante durch zügiges Impfen (vor allem auch Zweit-Impfungen), weiteres Testen und generelle Vorsicht niedrig halten. Am 21. Juni waren 31,6 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig geimpft. 51,2 Prozent hatten ihre Erst-Impfung erhalten. Das Impf-Dashboard der Regierung zeigt dir immer den aktuellen Stand.

  • In Deutschland lag die Inzidenz am 22. Juni bei 8. Doch Ärzt:innen und Politiker:innen warnen eindringlich vor einer raschen Ausbreitung der Delta-Variante und rufen zu Vorsicht auf - vor allem hinsichtlich weiterer Lockerungen wie etwa dem Wegfall der Masken-Pflicht. Solange viele Menschen noch nicht (vollständig) geimpft sind, müssen die Ansteckungs-Risiken auf ein Minimum reduziert werden. Eine Rückkehr zu härteren Maßnahmen wie Kontakt-Beschränkungen ist nicht ausgeschlossen.

  • Besonders die bevorstehende Urlaubs-Saison bereitet Expert:innen Sorge: Wichtig ist es auch im Urlaub auf die Hygiene-Regeln zu achten. Auf Reisen in Delta-Varianten-Gebiete sollte ganz verzichtet werden. Mehr dazu hier.

Neue Namen für die Corona-Virus-Varianten

Am meisten Sorge bereitet aktuell die Delta-Variante.

Warum die Delta-Variante so gefährlich ist.

Problem Nummer 1: Die Delta-Variante ist nach Einschätzung der britischen Gesundheitsbehörden um 60 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante B.1.1.7. Eine Person, die mit der Delta-Variante infiziert ist, steckt also mehr Menschen an.

Die Mutationen sorgen offenbar dafür, dass das Delta-Virus mithilfe seiner Spike-Proteine noch besser menschliche Körperzellen befallen kann. Labor-Versuche zeigen auch, dass sich die Delta-Corona-Viren wohl stärker im Körper vermehren. Hinzu kommt, dass Infizierte in kürzester Zeit eine sehr hohe Virus-Last im Rachen haben. So können sie andere anstecken, bevor sie überhaupt merken, dass sie Corona haben.

Problem Nummer 2: Erste Daten weisen darauf hin, dass Corona-Patient:innen mit der Delta-Variante öfter ins Krankenhaus und auf die Intensivstation müssen.

Problem Nummer 3: Die COVID-19-Impfstoffe schützen vor allem nach nur einmaliger Impfung offenbar nicht so gut vor der Delta-Mutante. Vollständig Geimpfte scheinen jedoch noch recht gut geschützt - vor allem vor schweren Verläufen. Genaues dazu unten.

Problem Nummer 4: Die Delta-Variante sorgt offenbar für etwas andere Symptome, wie die Auswertung der Daten einer britischen Corona-Symptom-App zeigte. Diese ähneln eher einer Erkältung mit Kopfschmerzen, laufender Nase, rauer Kehle und Fieber. Der bisher Corona-typische Geruchs- und Geschmacks-Verlust tritt dagegen wohl seltener auf. Eine Infektion wird somit womöglich nicht oder erst später als COVID-19 erkannt.

Bisher typische Corona-Symptome

So funktioniert die Corona-Impfung

Die Impfstoffe von BioNTech, AstraZeneca, Moderna und Johnson & Johnson schützen vor COVID-19. Doch was genau passiert im Körper? Und was unterscheidet mRNA- und Vektor-Impfstoffe?

Wie gut schützen die Corona-Impfstoffe vor der Delta-Variante?

Insbesondere der Schutz nach der ersten Impfung (mRNA- oder Vektor-Impfstoff) scheint im Hinblick auf die Delta-Variante deutlich niedriger zu sein, so das Ergebnis erster Untersuchungen der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE). Die Schutz-Wirkung vor einer symptomatischen Corona-Infektion lag bei der Delta-Variante bei rund 34 Prozent. Bei der Alpha-Variante sind es 51 Prozent.

Die gute Nachricht: "Erste vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass derzeitige Impfungen etwas besser vor einer Infektion mit B.1.1.7 als einer mit B.1.617.2 schützen, aber auch bei Infektionen mit B.1.617.2 nach vollständiger
Impfung ein hoher Schutz gegen schwere Verläufe besteht", so das RKI.

Laut der Studie des PHE schützen 2 Dosen BioNTech zu rund 88 Prozent vor der Delta-Variante - und sogar zu 96 Prozent vor einem schweren Verlauf. Bei der Alpha-Variante liegt der normale Impf-Schutz etwas unter 93 Prozent.

2 Dosen AstraZeneca schützen laut PHE noch zu rund 60 Prozent vor Corona anstatt zu 66 Prozent. Einen Krankenhaus-Aufenthalt verhindern die 2 AstraZeneca-Impfungen jedoch offenbar zu 92 Prozent.

Eine schottische Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen: 2 Dosen BioNTech schützen demnach zu 79 Prozent gegen die Delta-Variante - 2 Dosen AstraZenca zu 60 Prozent.

Inwieweit Geimpfte das Delta-Corona-Virus auf andere übertragen können, ist noch nicht bekannt.

Die zugelassenen Impfstoffe in Deutschland

Delta-Variante in Deutschland: die aktuelle Lage

Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland zunehmend aus. Ende Mai lag ihr Anteil laut Robert Koch-Institut noch unter 3 Prozent. Im Bericht vom 16. Juni waren es bereits 6,2 Prozent.

Die Alpha-Variante B.1.1.7 ist mit 86 Prozent hierzulande weiterhin für die meisten Corona-Fälle verantwortlich.

Verbreitung der Corona-Virus-Varianten


Die Grafik stammt aus dem Bericht des Robert Koch-Instituts zu Virus-Varianten von SARS-CoV-2 in Deutschland vom 16. Juni.
© Robert Koch-Institut

Großbritannien: 99 Prozent Delta-Variante, steigende Zahlen

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    Rund 47 Prozent der erwachsenen Briten sind schon vollständig geimpft. Etwa 64 Prozent haben zumindest schon ihre erste Impfung erhalten.

  • Über Wochen lag die Inzidenz in Großbritannien bei rund 20. Doch jetzt steigt sie immer weiter an (aktuell liegt sie bei rund 100) ebenso die Zahl der Krankenhaus-Patienten mit Covid-19. In Hotspots liegt die Inzidenz teils sogar über 500.

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    Grund dafür ist die Delta-Variante, die sich in Großbritannien rasch ausgebreitet hat und heute für 99 Prozent der Neu-Infektionen verantwortlich ist.

  • Aufgrund der aktuellen Lage hat die britische Regierung die geplante Aufhebung der letzten Corona-Beschränkungen (Öffnung von Discos, normaler Restaurant-Betrieb etc.) vorsorglich um einen Monat verschoben. In dieser Zeit sollen möglichst viele Menschen geimpft werden. Vor allem in Hotspot-Gebieten wurde die Impf-Kampagne hochgefahren. Fußballstadien dienen nun als Massen-Impfzentrum

  • Ob die Delta-Variante für eine große 4. Welle in Großbritannien mit landesweiten hohen Inzidenzen sorgen wird, ist ungewiss. Ein schnelles Voranschreiten der Impfungen, nur geringfügige Lockerungen und weitere Vorsicht sind jetzt auf alle Fälle extrem wichtig. Das Gleiche gilt für Deutschland.

Corona-Impfung: Die wichtigsten Fragen

Daher kommt die Angst vor dem Corona-Impfstoff und das steckt dahinter

Wer würde sich sofort gegen Corona impfen lassen? Welche Zweifel gibt es am Impfstoff - und sind sie berechtigt?

Veröffentlicht: 22.06.2021 / Autor: Larissa Melville