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Dexamethason - endlich ein Durchbruch im Kampf gegen Corona?

Der Entzündungshemmer Dexamethason scheint die Sterblichkeit bei Covid-19 zu verringern. Das zumindest lassen die Ergebnisse einer Studie aus Großbritannien vermuten. Zu frühe Euphorie oder ein großer Erfolg? Das wissen wir bisher über das Medikament.
Dexamethason gegen Corona - laut WHO ein Durchbruch. Kann es Leben retten?

Das Wichtigste zum Thema Dexamethason

  • Derzeit führen Mediziner weltweit "RECOVERY-Studien" zum Coronavirus durch. Das steht für "Randomised Evaluation of COVid-19 thERapY". Ziel ist es, wirksame Medikamente gegen das Virus zu finden.

  • Eine britische Studie mit Dexamethason scheint erfolgsversprechend. Das Medikament ist ein Entzündungshemmer und zählt zu den sogenannten "Glucocorticoiden" - ist also ein Kortison.

  • "Alter Bekannter": Der Wirkstoff wird schon seit über 50 Jahren in der Medizin eingesetzt. Er steckt in vielen entzündungshemmenden Medikamenten.

  • Bei der Pilot-Studie wurden rund 2.100 Covid-19-Patienten mit Dexamethason behandelt. Das Ergebnis: Die Sterblichkeit konnte um ein Drittel herabgesenkt werden.

  • Die WHO feiert die Studie als großen Erfolg. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Was für und gegen die Studie spricht, liest du hier.

Dexamethason - das sind die Vorteile

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    Die Studie weist darauf hin, dass das Medikament vor allem schwere Verläufe mit künstlicher Beatmung mindern und so Menschenleben retten kann.

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    "Dexamethason ist kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden, um weltweit Leben zu retten", so Peter Horby, einer der Leiter der "Recovery"-Studie.

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    Der Wirkstoff ist bereits zugelassen und hat vergleichsweise wenig Nebenwirkungen. Viele Menschen haben das Medikament bereits als Bestandteil von Entzündungshemmern genommen.

Zu frühe Euphorie? Das sagen die Kritiker

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    Manche Experten warnen vor einer zu frühen Freude. Der Grund: Es handelt sich bisher nur um eine Pilotstudie. Die Teilnehmerzahl sei zu gering für eine abschließende Bewertung.

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    Die Daten wurden bisher in keinem Fachjournal veröffentlicht - andere Experten konnten die Studie noch nicht sichten und einschätzen.

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    Auch, wenn die Liste der Nebenwirkungen bei dem Medikament überschaubar ist, fehlen bisher langfristige Studien zur Wirkung bei Corona.

Fazit: Es gibt Hoffnung - aber die Studie muss noch ausreichend geprüft werden

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    Erst, wenn die Studie vertieft und von weiteren Experten gesichtet wird, können wir sicher sein, dass ein wirksames Medikament im Kampf gegen Corona gefunden wurde. Und trotzdem: Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Veröffentlicht: 17.06.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau