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Drittimpfung gegen Corona

Dritte Impfung gegen Corona - Antworten auf die wichtigsten Fragen

Israel startete als erstes Land mit der 3. Corona-Impfung, in den USA sollen sie Mitte September starten - und auch in Deutschland soll die Auffrischungs-Impfung bald kommen. Warum ist sie nötig, für wen gilt sie und mit welchen Impfstoffen wird aufgefrischt? Wir klären die wichtigsten Fragen. Im Clip: Die Corona-Impfstoffe im Überblick.
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Das Wichtigste zum Thema Dritte Impfung

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte an, schon bald Dritt-Impfungen, also Auffrischungs-Impfungen oder Booster-Impfungen, in Deutschland anzubieten.

  • Israel hat bereits damit begonnen und auch andere Länder wie Frankreich oder England planen den dritten Pieks.

  • Aufgefrischt wird nur mit den mRNA -Impfstoffen von Biontech und Moderna.

  • Rund um den Impf-Booster gibt es noch viele Fragezeichen. Wir beantworten die Fragen, die uns die Galileo-User:innen auf Instagram stellten.

❓ Wann beginnen die Booster-Impfungen?

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte Anfang September als Start-Termin.

❓ Warum sind Dritt-Impfungen nötig?

  • Im Entwurf des Gesundheitsministeriums zur Dritt-Impfung steht: "Bei bestimmten Personengruppen kann es vermehrt zu einer reduzierten oder schnell nachlassenden Immunantwort nach einer vollständigen Covid-19-Impfung kommen".

  • Daten aus Israel etwa zeigten, dass der Impfschutz vor allem bei Menschen über 60 Jahren und jenen mit einer geschwächten Immun-Antwort nach einer bestimmten Zeit (geschätzt wird etwa nach 4 bis 6 Monaten) nachlässt.

  • Israel gilt als Impf-Vorreiter: In dem Land wurden schon sehr früh sehr viele Menschen geimpft. Deshalb zeigen Daten aus Israel, was auch Deutschland in wenigen Wochen erwarten könnte.

❓ Ist die Wirksamkeit einer dritten Impfung erwiesen?

  • Laut einer Studie des Impfstoff-Herstellers Biontech erhöht der dritte Pieks die Antikörper-Anzahl gegen den Wild-Typ um das 5- bis 8-fache.

  • Gegen die Beta-Variante (die erstmals in Südafrika entdeckt wurde) erhöhen sich die Antikörper um das 15- bis 21-fache.

  • Gegen die Delta-Variante haben 3-mal Geimpfte der 18- bis 55-Jährigen das 5-Fache an Antikörpern, die 65- bis 85-Jährigen das 11-Fache.

So funktioniert eine Impfung

So funktioniert eine Impfung

Fluch oder Segen? Das Thema Impfen wird kontrovers diskutiert. Wir schauen uns das Ganze genauer an.

❓ Für wen sind die Dritt-Impfungen gedacht?

  • Für **junge, gesunde Menschen, die mit Biontech oder Moderna geimpft wurden, sind bisher noch keine Booster-Impfungen geplant. Laut aktuellem Forschungsstand entwickeln sie nach der vollständigen Impfungen einen relativ guten Immunschutz. Allerdings verringert die Delta-Variante des Corona-Virus den Impfschutz. Deshalb könnte auch hier noch eine Booster-Impfung folgen.

  • Bei Älteren und kranken Menschen mit einem geschwächten Immunsystem lässt die Immun-Abwehr laut aktuellen Studien schneller nach.

  • Deshalb will Jens Spahn die Drittimpfung ab September zunächst Höchstbetagten, Pflegebedürftigen und Patient:innen mit Immunschwäche anbieten.

  • Die vorherige Corona-Impfung soll bei der Booster-Impfung mindestens 6 Monate zurückliegen.

❓ Was ist, wenn man schon mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde?

  • Menschen, die mit einem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, sollen ebenfalls die Möglichkeit einer mRNA-Booster-Impfung erhalten. Hier liest du mehr über die Kreuz-Impfung.

  • Auch wer 2 AstraZeneca-Dosen erhielt, bekommt ein Angebot für die Booster-Impfung. Für Menschen, die bereits eine Kreuzimpfung erhielten, ist die Booster-Impfung aktuell noch nicht geplant.

  • Hintergrund ist, dass die Vektor-Impfstoffe weniger Schutz vor einer Infektion bieten als mRNA -Impfstoffe. Durch die Delta-Variante spitzt sich dieses Problem weiter zu.

  • Hinzu kommt, dass der Impfschutz von Johnson & Johnson laut Studien-Ergebnissen bereits nach 3 bis 5 Monaten abfällt.

  • Studien legen nahe, dass die mRNA-Impfstoffe im Fall der Delta-Variante zu rund 96 Prozent gegen schwere Verläufe und Klinik-Aufenthalte schützen.

  • Im Wettlauf gegen die hochansteckende Variante sollen Kreuzimpfungen deshalb für mehr Schutz sorgen.

  • Auch hier müssen 6 Monate zwischen der Dritt-Impfung und der vorherigen Impfung liegen.

❓ Wie oft muss man die Impfung in Zukunft auffrischen - und werden die Impfstoffe an Mutationen angepasst?

  • Hierzu wird noch geforscht, deshalb kann die Frage noch nicht klar beantwortet werden. Die Hersteller Biontech und Moderna gehen aktuell von einem sicheren Impfschutz von mindestens 6 Monaten aus. Aufgrund fehlender Daten kann man längere Zeiträume noch nicht gut einschätzen.

  • Das Corona-Virus mutiert. Zwar schützen die Impfstoffe noch relativ gut gegen schwere Verläufe durch die Delta-Variante - aber der Schutz gegen zukünftige Mutationen ist ungewiss.

  • Die Befürchtung: Je mehr sich neue Virus-Varianten vom Wild-Typ entfernen, desto schlechter wirken die Impfstoffe. Aus diesem Grund gibt es jedes Jahr eine neue Grippe-Impfung.

  • Die gute Nachricht: Laut dem Paul-Ehrlich-Institut können die Impfstoffe innerhalb von 6 Wochen angepasst werden. Die Hersteller testen das bereits, um die Impfstoffe besser gegen neue Varianten zu rüsten.

  • Eine weitere Hoffnung: "Auf Grundlage der Evolutionsrate der harmlosen Corona-Erkältungsviren gehen wir davon aus, dass auch die Geschwindigkeit bei dem SARS-CoV-2 abnimmt - wenn das Infektionsgeschehen deutlich zurück geht", erklärt Virologe Prof. Jan Felix Drexler von der Charité in Berlin.

  • Manche Expert:innen halten in Zukunft eine jährliche Auffrischungsimpfung, ähnlich wie bei der Grippe, für wahrscheinlich.

  • Pfizer-Chef Albert Bourla sagte hierzu gegenüber dem US-Sender CNBC: "Ein wahrscheinliches Szenario ist, dass es die Notwendigkeit einer dritten Dosis geben wird, irgendwo zwischen 6 und 12 Monaten, und danach eine jährliche Neu-Impfung, aber all das muss noch bestätigt werden."

  • Auch der Charité-Virologe Christian Drosten geht von zukünftigen Auffrischungs-Impfungen nach einer gewissen Zeit aus.

❓ Wo kriegt man eine Dritt-Impfung?

  • Ähnlich wie bei den Erst- und Zweit-Impfungen sieht das Gesundheitsministerium die üblichen Impf-Möglichkeiten vor: Hausärzt:innen, Impfzentren, mobilen Teams und Betriebsärzt:innen.

❓ Ist ein Antikörpertest vor der Dritt-Impfung geplant?

  • Nein, bisher noch nicht. Die Impfungen sollen ohne vorige Tests erfolgen.

Gibt es Nebenwirkungen?

  • Erhöhte Nebenwirkungen, etwa durch zu viele Antikörper im Blut, erwarten Expert:innen nicht.

Was sagen die Gesundheitsbehörden zur Dritt-Impfung?

  • Aktuell fehlen den Gesundheitsbehörden noch genügend gesicherte Daten, um die Notwendigkeit einer dritten Impfung zu bewerten.

  • "Es ist im Moment zu früh zu bestätigen, ob und wann eine Booster-Dosis bei Corona-Impfstoffen nötig sein wird", hieß es Mitte Juli von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA).

  • Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), betonte, dass sich sein Gremium intensiv den Auffrischungs-Impfungen beschäftigt. Momentan reiche die Datengrundlage aber noch nicht aus, um eine klare Empfehlung auszusprechen.

  • Er sagte aber auch, dass nichts dagegen spreche, wenn ein Staat aus Fürsorgepflicht solche Impfangebote mache - auch ohne Evidenz. Aufgabe der Stiko sei es aber, Empfehlungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnissen zu geben. Deshalb warte man eine fundiertere Datengrundlage ab.

  • Das RKI empfiehlt die Booster-Impfungen vor allem für ältere Risikogruppen.

Veröffentlicht: 20.08.2021 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau