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Kampf gegen Corona: Kommt der harte Lockdown wieder überall?

Nur ein harter Lockdown wird die Zahl der Corona-Neuinfektionen verringern, haben Wissenschaftler errechnet. Bundeskanzlerin Merkel spricht sich deshalb für Verschärfungen aus - unter anderem für einen früheren Ferienbeginn.
Kommt nun doch der harte Lockdown? Maskenpflicht im öffentlichen Raum besteht, wie hier in München, inzwischen in fast ganz Deutschland

Das Wichtigste zum Thema Harter Lockdown

  • Trotz des Lockdown Light und Kontakt-Beschränkungen seit Anfang November bleiben die Infektionszahlen auf einem hohen Niveau oder steigen sogar.

  • Das ergab eine Berechnung des Covid-19-Infektionsgeschehens von Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes.

  • Aufgrund dieser Prognose wird ein harter Lockdown immer wahrscheinlicher.

  • Die Simulation ergab, dass bis zu den Feiertagen mit täglich rund 18.000 Neuinfektionen zu rechnen ist. Am 11. Dezember meldete das Robert-Koch-Institut neue Höchstwerte: 29.875 Neuinfektionen und 598 Tote.

  • Mancherorts stoßen Gesundheitsämter und Krankenhäuser bereits an ihre Grenzen.

In manchen Bundesländern kommt der harte Lockdown sicher

Bundesweit liegt der kritische Inzidenzwert nach Angaben des Robert Koch-Instituts am 11. Dezember bei 156 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen. Zu Beginn des Lockdown Light Anfang November waren es noch um die 120.

Nach Sachsen planen immer mehr Bundesländer für einen harten Lockdown wie im Frühjahr: Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Noch vor Weihnachten werden sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten wohl noch einmal hinsichtlich einheitlicher, verschärfter Corona-Regeln besprechen.

Die Bundesländer reagieren damit auf eine Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften LeopoldinaSie schlägt eine Schließung des Einzelhandels außer für täglichen Bedarf, keine Urlaubsreisen und größeren Zusammenkünfte sowie die Reduzierung von sozialen Kontakten auf ein Minimum vor. All das soll mindestens bis zum 10. Januar und möglichst bundesweit gelten.

Die Wissenschaftsakademie Leopoldina hat eine Empfehlung zur Lockerung von Einschränkungen in der Corona-Krise vorgelegt


Die Wissenschaftsakademie Leopoldina hat eine Empfehlung zur Lockerung von Einschränkungen in der Corona-Krise vorgelegt.
© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt

Auch die Bundeskanzlerin setzt sich für einen harten Lockdown ein

  • 🙅‍♀️

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich den Vorschlägen der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina für einen harten Lockdown ebenfalls angeschlossen.

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    "Wir müssen alles tun, dass wir nicht wieder in ein exponentielles Wachstum kommen“, so die Kanzlerin im Bundestag.

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    Bei ihrer Rede plädierte sie für längere Ferien und die Schließung von Geschäften nach Weihnachten.

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    Auch sei es richtig, die Geschäfte nach Weihnachten bis mindestens 10. Januar zu schließen und den Unterricht an Schulen zu minimieren.

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    Als mögliches Datum für einen vorzeitigen Ferienbeginn schlug sie den 16. Dezember vor.

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    Die Kanzlerin kündigte an, schnell mit den Ländern über neue Verschärfungen sprechen zu wollen.

Merkel wirkte ungewöhnlich emotional

"Wenn die Wissenschaft uns geradezu anfleht, vor Weihnachten, bevor man Oma und Opa sieht, eine Woche der Kontakt-Reduzierungen zu ermöglichen", sagte Merkel, solle man noch einmal darüber nachdenken, ob nicht etwa die Schulferien 3 Tage früher starten könnten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag
© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

"Was wird man denn im Rückblick auf ein Jahrhundert-Ereignis mal sagen, wenn wir nicht in der Lage waren, für diese 3 Tage noch irgend eine Lösung zu finden?", fragte Merkel im Bundestag.

Der Appell fiel für ihre Verhältnisse ungewöhnlich emotional aus.

Der 1. Lockdown im Frühjahr: Was hat er gebracht?

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr dieses Jahres untersuchten Wissenschaftler um Jonas Dehning vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen den Zusammenhang der Fallzahlen in Deutschland mit den Maßnahme-Paketen der Regierung.

Das zeigte die Rechnung

Der Rückgang der Infektionen stimmt mit den zeitlichen Ereignissen überein: Jeweils rund 2 Wochen nach Start der Maßnahmen (so lange kann die Inkubationszeit dauern) sank die Wachstumsrate deutlich:

  • 9. März: Absage von Großveranstaltungen mit 1.000 Teilnehmern: Die Rate sank von etwa 30 auf 12 Prozent.
  • 16. März: Schließung von Schulen, Kindergärten und den meisten Geschäften: Die Rate fiel auf rund 2 Prozent.
  • 23. März: Kontaktsperren und Schließung aller nicht essentiellen Geschäfte: Die Rate lag etwa bei -3 Prozent

Erst bei einer Wachstumsrate von Null gewinnen die Genesungen

Die Wachstumsrate ergibt sich aus der Zahl der Neuinfektionen minus der Zahl der Genesenen. Ist die Wachstumsrate größer als 0, steigen die Fallzahlen exponentiell. Ist sie kleiner als 0, dominieren die Genesungen - und die Zahl der Neuinfektionen geht zurück. Du willst noch mehr über die wichtigsten Corona-Kennzahlen wissen? Dann bist du hier genau richtig.

💡 Erst durch die Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing sank der Wert auf unter 0. Deshalb waren die Maßnahmen laut den Forschern des Max-Planck-Instituts notwendig - ohne sie wäre die Kurve nicht so schnell abgeflacht.

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Veröffentlicht: 11.12.2020 / Autor: Benjamin Reibert