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Grippeimpfung: Wie wichtig ist sie in Corona-Zeiten?

Grippe und Corona - wenn du beides gleichzeitig bekämst, wäre das schlecht. Ebenso wäre es fatal, wenn während der aktuellen Corona-Pandemie viele Influenza-Patienten ins Krankenhaus müssten. Ist eine Impfung für alle sinnvoll und überhaupt möglich?
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Eine Grippeimpfung gibt es, einen Corona-Impfstoff nicht

  • Jedes Jahr im Herbst gibt es einen neuen Grippeimpfstoff. In erster Linie soll er Risikopatienten vor einer Influenza schützen. Ihnen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) sich einmal jährlich zu impfen. Aktuell empfehlen aber viele Experten eine Impfung für alle.

  • Die Impfung erfolgt in der Regel im Oktober/November. Nach 2 Wochen besteht ein Impfschutz für 6 bis 12 Monate.

  • Ein Impfstoff gegen Covid-19 existiert dagegen nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erwartet ihn frühestens 2021 in relevanten Mengen.

  • Jedes Jahr erkranken in Deutschland während einer saisonalen Grippewelle zwischen 2 und 14 Millionen Menschen an Influenza, so schätzt das RKI.

  • Komplikationen wie eine Lungen- und Herzmuskelentzündung sind bei einer Grippe möglich. Die Zahl der Todesfälle schwankt nach Angaben des RKIs pro Saison zwischen mehreren hundert bis über 20.000. 2017/2018 starben daran 25.000 Menschen.

Corona-Pandemie und Grippewelle: Wieso die Mischung so gefährlich ist

  • 💉

    Dieses Jahr kommt aufgrund der Corona-Pandemie der Grippeimpfung besonders große Bedeutung zu. Experten drängen auf eine hohe Impfquote, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird.

  • 🏥

    Grippe- und Corona-Patienten brauchen nämlich ähnliche ärztliche Versorgung - sowohl in der Arztpraxis, vor allem aber im Krankenhaus und auf der Intensivstation.

  • 👨‍⚕️

    Zudem wäre es fatal, wenn viele Pfleger und Ärzten wegen einer Influenza ausfallen würden.

Corona und Grippe gleichzeitig - harte Arbeit für das Immunsystem

Eine Doppelinfektion mit Corona und Grippe kann schwer verlaufen und mit Komplikationen verbunden sein. Beide Krankheiten betreffen die Atemwege und können schon für sich allein unter anderem lebensgefährliche Lungenentzündungen verursachen.

Wir erklären dir nach dem Klick, wie du jetzt dein Immunsystem stärken kannst.

Schütz die Grippeimpfung vor Corona?

Da die Influenza von anderen Viren ausgelöst wird als Covid-19 und der Grippeimpfstoff nur gegen Influenza-Viren wirkt, schützt die Grippeimpfung nicht vor einer Corona-Infektion.

Allerdings schwächt eine Grippe-Erkrankung den Körper, und in dieser Zeit haben Corona-Viren leichtes Spiel. Das Immunsystem kommt an seine Grenzen. Ist man gegen Grippe geimpft, kann sich der Körper schneller aktiv gegen die Influenza-Viren wehren und hat mehr Ressourcen zur Abwehr der Corona-Viren.

Immer wieder liest man, dass eine Grippeimpfung das Immunsystem trainiert und eine nachfolgende Infektion mit Corona-Viren milder verlaufen könnte. Das RKI schreibt dagegen: "Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem neuartigen Corona-Virus durch eine in zeitlicher Nähe verabreichte Impfung beeinflusst wird. Durch Impfungen wird der Impfling vor Infektionen geschützt, die ihn auch in der Pandemiezeit zusätzlich gefährden oder schädigen können."

Sollte sich nun jeder gegen Grippe impfen?

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Grippeimpfung für alle (inklusive Kinder) und nicht nur für Risikogruppen.

  • Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich schon im August dafür ausgesprochen. "Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte das auch tun."

  • SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach fordert sogar kostenlose Grippeimpfungen für alle. Aktuell tragen nur einige Krankenkassen die Kosten für Risikopatienten. Ansonsten werden für die Impfung zwischen 20 und 35 Euro fällig.

Risikopatienten: Diesen Leuten empfiehlt die STIKO eine Grippeimpfung

  • 👴

    Personen über 60 Jahren sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.

  • 🤰

    Schwangeren.

  • 👨‍🦲

    Patienten mit Grunderkrankungen wie Asthma, Diabetes, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen sowie eingeschränkter Immunantwort, darunter auch chronisch kranke Kinder.

  • 🧒

    Die WHO empfiehlt eine jährliche Grippeimpfung aller Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren.

  • 👩‍🦰

    Beschäftigte in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen.

  • 👱

    Menschen, die im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können.

  • Gut zu wissen: "Dass die STIKO die Influenza-Impfung nur für bestimmte Personengruppen empfiehlt, bedeutet jedoch nicht, dass die STIKO von einer Influenza-Impfung anderer Personen abrät", so das RKI.

Grippe trotz Impfung?

Eine Grippeimpfung schützt nicht zu 100 Prozent. Vor allem Senioren bauen oft einen schlechteren Immunschutz auf. "Dennoch können auch ältere Menschen ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, im Mittel durch die Impfung in etwa halbieren", so das RKI. Oft verläuft die Grippe bei den Geimpften zudem milder.

Das große Problem: Grippeimpfungen sind Mangelware

  • Es gibt 26 Millionen Grippeimpfstoff-Dosen - das sind mehr als es jemals zuvor gab. Sie reichen aber nicht für die gesamte Bevölkerung. Aktuell sind die Grippeimpfungen in vielen Praxen schon vergriffen.

  • Eine größere Aufstockung ist kurzfristig nicht möglich. Schon im Frühjahr hätte man dies beauftragen müssen. Grippeviren verändern sich rasend schnell. Der Impfstoff muss daher jedes Jahr an die neuen Virusvarianten angepasst werden.

  • Die STIKO hat sich gegen eine Impfempfehlung für die Gesamtbevölkerung ausgesprochen, da der Impfstoff dafür nicht ausreicht und sie eine Unterversorgung der Risikogruppen fürchtet. Die Experten halten an den alten Empfehlungen fest: also sich nur als Risikopatient impfen zu lassen.

  • Doch selbst in diesem Fall würden die Dosen nicht ausreichen, man bräuchte 40 Millionen Grippeimpfdosen. Allerdings hat sich in den letzten Jahren maximal ein Drittel der Risikogruppe impfen lassen.

  • "Zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems in der kommenden Influenza-Saison 2020/21 ist mit den verfügbaren Impfstoffmengen der größte Effekt erzielbar, wenn die Influenza-Impfquoten entsprechend der STIKO-Empfehlungen vor allem in den Risikogruppen erheblich gesteigert werden", fasst das RKI zusammen.

Pneumokokken-Impfung ist zu Corona-Zeiten ebenfalls sinnvoll

Neben der Grippeimpfung ist auch eine Pneumokokken-Impfung aktuell für einige Menschen besonders sinnvoll. Sie schützt zwar nicht vor Corona, doch vor einer durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung und Blutvergiftung. Erkrankte müssen oft auf der Intensivstation behandelt werden. Gerade hier darf es aber nicht zum Engpass kommen.

"Es ist zudem plausibel, dass die Pneumokokken-Impfung eine bakterielle Superinfektion durch Pneumokokken bei Patienten mit COVID-19 verhindern kann. Bei Influenza-Erkrankungen sind bakterielle Superinfektionen durch Pneumokokken eine bekannte Komplikation", schreibt das RKI.

Doch auch vom Pneumokokken-Impfstoff gibt es nicht genug Impfdosen. Deshalb sollten sie Risikopatienten zukommen. Und hier aktuell nach Empfehlung des RKIs zuerst Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren, Personen mit Immundefizienz, Senioren ab 70 Jahren und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen.

Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung normalerweise ...

  • 👶

    ... für alle Säuglinge ab dem Alter von 2 Monaten

  • 👵

    ... für alle Menschen ab 60 Jahren

  • 🙍

    ... für Patienten, die an chronischen Krankheiten der Lunge oder des Herzens, Diabetes oder an bestimmten neurologischen Krankheiten leiden.

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