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Kurzarbeit in der Corona-Krise: Das bringt es deinem Arbeitgeber und dir

Die Folgen der Corona-Pandemie bedrohen die wirtschaftliche Existenz vieler Unternehmen. Ein Mittel dagegen: Kurzarbeit. Was das ist - und wie viel Lohn dann bleibt.

Das Wichtigste zum Thema Kurzarbeit

  • Das öffentliche Leben in Deutschland wird durch die Corona-Pandemie noch immer stark eingeschränkt - damit ist auch die wirtschaftliche Existenz vieler Unternehmen bedroht.

  • Die Bundesregierung versucht, Unternehmenspleiten und damit Entlassungen zu verhindern. Ihre bevorzugten Mittel: Kredithilfen und Ausweitung des Kurzarbeitergeldes.

  • Bei Kurzarbeit kürzt der Arbeitgeber Arbeitszeit und -lohn, die Bundesagentur für Arbeit zahlt einen Teil des ausfallenden Lohns.

  • Die Regierung erwartet für 2020 über zwei Millionen Kurzarbeiter. Zum Vergleich: Bei der Finanzkrise 2009 lag die Zahl der Kurzarbeiter bei 1,4 Millionen.

  • Ohne Kurzarbeit würden viele dieser Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, so bekommen sie weiter Lohn - wenn auch weniger.

Diese Branchen sind besonders betroffen

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    Direkte Auswirkungen durch die Corona-Pandemie erfährt nach wie vor die Gastronomie- und Hotelbranche. Allein im deutschen Gastgewerbe arbeiten 2,4 Millionen Menschen, zahlreiche Betriebe erwirtschaften im Moment deutlich weniger Umsätze oder stehen bereits vor der Insolvenz. Die letzte Rettung: Kurzarbeit für einen Großteil der Beschäftigten.

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    Stark betroffen ist auch die Luftfahrtbranche. So setzt beispielsweise die Lufthansa massiv auf Kurzarbeit, um möglichst alle 140.000 Angestellten auch nach der Pandemie weiter beschäftigen zu können. Fraport, der Betreiber des größten deutschen Flughafens in Frankfurt, möchte die Kurzarbeit sogar bis 2022 verlängern, da es für die Hälfte der 22.000 Beschäftigten auch in den nächsten eineinhalb Jahren nicht genug Arbeit geben wird.

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    Auch in der Automobilbranche haben viele Unternehmen ihre Angestellten in Kurzarbeit geschickt - und lassen sie dort wegen der mangelnden Nachfrage nach Autos. Zahlreiche Zulieferer setzen ebenfalls weiterhin auf Kurzarbeit.

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    Viele weitere Branchen leiden massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie. So ist unter anderem im Messebau, im Tourismus und im Transportgewerbe die Nachfrage nach Kurzarbeit groß. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet wegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit mit Kosten in Höhe von 36,2 Milliarden Euro.

So viel Geld bekommst du bei Kurzarbeit

Diese Rechte hast du als Arbeitnehmer

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    Vor der Anmeldung von Kurzarbeit müssen Überstunden abgebaut werden. Außerdem kann der Arbeitgeber Urlaub anordnen. Wer seinen Urlaub zu einem anderen Zeitpunkt plant und ihn vom Arbeitgeber bereits genehmigt bekommen hat, muss sich keine Sorgen machen: Er kann nicht einfach gestrichen werden.

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    Der Arbeitgeber kann nicht willkürlich entscheiden, welche Beschäftigten in die Kurzarbeit geschickt werden. Es hängt davon ab, in welchen Bereichen die Arbeit wegfällt. Gibt es zudem einen Betriebsrat, muss dieser der Einführung von Kurzarbeit zustimmen.

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    Während der Corona-Pandemie können Beschäftigte bis zu 100 Prozent des vorherigen Lohns verdienen – über einen Nebenjob. Damit erhofft sich die Bundesregierung Unterstützung für Branchen, die im Moment über Personalmangel klagen: beispielsweise in Supermärkten, für Saisonarbeit in der Landwirtschaft und Unternehmen, die gerade für Krankenhäuser dringend benötigte Waren produzieren.

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    In manchen Branchen schicken Arbeitgeber ihre Beschäftigten zwar in Kurzarbeit, stocken allerdings den Nettolohn auf 100 Prozent auf. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt dann 60 Prozent, der Arbeitgeber 40 Prozent. Der Vorteil für den Arbeitgeber: Er spart immer noch 60 Prozent des aufgestockten Lohns.

Diese Vorteile hat dein Arbeitgeber durch Kurzarbeit

  • Ein Hotel, das als Folge der Corona-Pandemie kaum Gäste und damit keine Einnahmen mehr hat, senkt durch Kurzarbeit der Angestellten die Lohnkosten. Zwar stehen damit den fehlenden Einnahmen weiterhin Ausgaben gegenüber, beispielsweise für Miete oder Versicherungen, aber einer der größten Posten sind meist die Personalkosten - und der wird dank Kurzarbeit stark reduziert.

  • Gleichzeitig kann das Hotel nach dem Ende der Krise, wenn also wieder Gäste kommen, auf das bisherige Personal zurückgreifen - muss also neue Fachkräfte weder suchen noch einlernen.

  • Die Bundesregierung gibt den Unternehmen auch Zeit zur Erholung, Kurzarbeit kann auf bis zu 12 Monate verlängert werden, durch eine neue Rechtsverordnung der Bundesregierung sogar auf bis zu 24 Monate.

  • Die Unternehmen können auch nur für einen Teil ihrer Beschäftigten Kurzarbeit beantragen - mindestens 10 Prozent der Angestellten müssen vom Arbeitsausfall betroffen sein.

  • Während der Corona-Krise übernimmt die Bundesagentur für Arbeit auch die Sozialbeiträge für Kurzarbeit, die bisher von den Unternehmen zu tragen war.

Veröffentlicht: 29.07.2020 / Autor: Johannes Huyer

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