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Frau schaut durch ein Mikroskop

Medikamente gegen Corona: Woran geforscht wird und welche Arzneimittel es gibt

Weltweit wird an Medikamenten gegen Corona geforscht. Nun gibt es 2 Arzneimittel, die vor schweren und tödlichen Verläufen schützen. Wie die Präparate gegen Covid-19 wirken und woran noch gearbeitet wird. Im Clip: So funktioniert die Erforschung von Medikamenten.
Medikamente gegen Corona: Woran geforscht wird und welche Arzneimittel es gibt
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Das Wichtigste zum Thema Medikamente gegen Corona

  • Neben Impfstoffen wird auch mit Hochdruck an Medikamenten gegen Corona und Long-Covid geforscht. Derzeit sind 634 Arzneimittel in unterschiedlichen Erprobungs- und Zulassungsphasen.

  • Dabei handelt es sich um neu entwickelte Medikamente, aber auch um bereits zugelassene Arzneien, die eigentlich gegen andere Erkrankungen wie Krebs oder Depressionen helfen sollen.

  • Medikamente gegen Corona haben unterschiedliche Wirkweisen, aber ein Ziel: Sie alle wollen das Risiko eines schweren oder tödlichen Verlaufs minimieren.

  • Bisher gab es nur Infusionstherapien, die in Krankenhäusern verabreicht werden konnte.

  • Nun gibt es 2 neue erfolgversprechende Präparate, die als Tabletten eingenommen werden können.

  • Wie Medikamente gegen Corona wirken, ob sie eine Impfung ersetzen und warum Forscher:innen Antikörper von Lamas, Haien, Hamstern und Kühen untersuchen, erfährst du hier.

Neue Anti-Corona-Tabletten macht Hoffnung

Bislang wurden in den Krankenhäusern in erster Linie Infusionstherapien mit Antikörpern eingesetzt, um schwerkranke Covid-19-Patient:innen zu behandeln.

Nun können 2 neue Anti-Corona-Pille therapeutisch eingesetzt werden - auch sie basieren auf Antikörper.

Die Vorteile der Anti-Corona-Tabletten:

1. Sie sollen auf Rezept in der Apotheke erhältlich sein und können dann zu Hause eingenommen werden.

2. Zudem sollen sie gegen die neue Variante Omikron wirksam sein.

Beide Tabletten werden mehrmals täglich über 5 Tage eingenommen. Sie helfen allerdings nur, wenn sie sehr früh eingenommen werden. Das Zeitfenster beträgt maximal 5 Tage nach Symptombeginn.

Paxlovid vom Pharmaunternehmen Pfizer zeigte in klinischen Studien eine Wirksamkeit von knapp 90 Prozent. Der Wirkstoff Nirmatrelvir stoppt die Vermehrung des Virus, indem es ein Protein im SARS-CoV-2-Virus hemmt.

Molnupiravir vom Arzneimittelhersteller Merck-Shar & Dohme hemmt ebenfalls die Reproduktion des Corona-Virus.

Diese Ziele verfolgen Medikamente gegen Corona

Parallel zur Entwicklung von Impfstoffen ist die Erforschung von Medikamenten wichtig. Denn ein Teil der Bevölkerung kann sich nicht gegen Corona impfen lassen. Dazu zählen Menschen:

  • mit Allergien (z.B. gegen Bestandteile in der Impfung)
  • Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel
  • Schwerkranke, zum Beispiel direkt nach einer Organtransplantation

Für diese Personen ist es wichtig, dass es im Falle einer Infektion oder einer Erkrankung Medikamente gegen das Virus gibt.

Zudem kommt es auch trotz Impfung bei einigen Menschen zu schweren Verläufen. Auch hier sollen Medikamente gegen Corona helfen. Zudem wird an Arzneien für die medikamentöse Behandlung von Long Covid geforscht.

Ein weiterer Wunsch: Im vermuteten Fall einer Infektion sollen Arzneimittel Viren noch vor ihrem Eindringen in den Körper abwehren, blockieren oder so verändern, dass sie keine Infektion mehr auslösen.

Es soll also Medikamente geben …

  • … die Infektion verhindern und
  • … die zur Behandlung einer Covid-19-Erkrankung und von Long-Covid eingesetzt werden können.

Kühe: Tierisch hilfreich im Kampf gegen Corona

Kühe: Tierisch hilfreich im Kampf gegen Corona

Forschende wollen jetzt Super-Antikörper von Kühen abzapfen. Wie das funktionieren soll, erklären wir im Video.

Diese Medikamente gegen Corona werden derzeit eingesetzt beziehungsweise erforscht

Im Fokus steht einmal die große Gruppe der antiviralen Medikamente.

„In Deutschland wurden bisher zwei Antikörper-Präparate als Infusion eingesetzt. Die sind aber gegen Omikron nicht mehr wirksam. Nun sind andere Antikörper-Präparate und zwei orale Medikamente hinzugekommen, die im Falle einer Erkrankung die Situation stark verbessern können. Schwere Verläufe können so um bis zu 90 Prozent verhindert werden. Alle Präparate sind in der Regel gut verträglich", erklärt Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen.

Antivirale Medikamente verfolgen unterschiedliche Ansätze, um dem Virus den Garaus zu machen. Zum Beispiel diese:

⛔ Sie fangen das Virus direkt in den oberen Atemwegen ab, geforscht wird an speziellen Nasensprays und Mundspülungen.

Dittmers Einschätzung: „Die Schutzwirkung dieser Mittel hält nur wenige Stunden. Daher müssten sie dauernd eingenommen werden, was nicht praktikabel ist."

Weitere Mechaniken:

🙅‍♂️ Das Virus wird medikamentös daran gehindert, an gesunden Zellen andocken zu können.

🧑‍🔬 Es werden Schwachstellen des Virus genutzt, damit es sich nicht mehr richtig vermehren kann, zum Beispiel indem ein Enzym im Virus blockiert oder in der befallenen Zelle ein für die Virusvermehrung entscheidender Stoffwechsel gestört wird.

Dittmers Einschätzung: „Die in der Praxis eingesetzten Medikamente basieren auf dem Ansatz, die Reproduktion des Virus zu unterbinden und sind sehr effektiv."

Die zweite Gruppe der Corona-Medikamente zielt auf die Behandlung von Covid-19-Symtomen und Long-Covid ab

Da Covid-19 keine isolierten oder einheitlichen Beschwerden verursacht, gibt es auch nicht nur ein Medikament. Behandelt wird symptomatisch. Zum Einsatz kommen:

🫀 Herz-Kreislauf-Medikamente, die Gefäße, Herz und andere Organe vor Komplikationen schützen sollen.

🫁 Medikamente für die Lunge. Sie wird oft stark vom Virus angegriffen und geschädigt.

🏥 Arzneien, die ab einem bestimmten Zeitpunkt die Abwehrreaktion des Körpers dämpfen, damit es nicht zu einer überschießenden Immunantwort des Immunsystems kommt, die schwerste Entzündungsreaktionen im Körper hervorrufen kann.

Ebenfalls erforscht werden Medikamente gegen Long-Covid.

Nanobodies – die Antikörper der Zukunft?

In vielen Medikamenten gegen Corona stecken antivirale Antikörper, die sich dem SARS-CoV-2-Virus entgegenstellen. Man gewinnt sie zum Beispiel aus dem Blut-Plasma genesener Menschen. Teilweise werden die Antikörper gentechnisch verändert, damit sie effektiver und länger im Organismus die Viren bekämpfen.

Tierische Helfer

Auch Tiere bilden Antikörper. In der Corona-Forschung spielen vor allem Lamas und Alpakas eine große Rolle, aber auch Hamster, Haie und Kühe.

Dittmer: „Tierische Antikörper haben aus meiner Sicht für therapeutische Zwecke ein großes Potential. Sie können aufgrund ihrer geringen Größe sehr effizient ins Gewebe und teilweise sogar in Zellen eindringen. Dafür sind menschliche Antikörper zu groß."

Lamas: Werden sie im Kampf gegen das Corona-Virus helfen?


Die Antikörper von Lamas sind winzig. So können sie effektiver in Gewebe und sogar Zellen eindringen. Menschliche Antikörper können letzteres aufgrund ihrer Größe nicht.
© picture alliance/chromorange

Medikamente ersetzen keine Impfung

Wofür noch impfen, wenn es schon jetzt gute Medikamente gibt? Darauf zu setzen, ist eine schlechte Idee.

Dittmer: „Ein Medikament ist kein Ersatz für eine Impfung. Nach wie vor ist die Möglichkeit, Covid-19-Erkrankte zu therapieren, eingeschränkt. Antivirale Arzneien müssen in einem sehr frühen Stadium genommen werden, wenn gerade erst nachgewiesen wurde. Auch die weitere Medikation hängt entscheidend vom Zeitpunkt ab. Diese Therapiemöglichkeit wird Hoch-Risikogruppen vorbehalten bleiben. Jeder sollte durch eine Impfung die Wahrscheinlichkeit eines milden Verlaufes deutlich erhöhen und kein Risiko eingehen."

Veröffentlicht: 31.01.2022 / Autorin: Stephanie Arndt