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Novavax

Novavax: Für wen ist der erste Tot-Impfstoff gegen Corona geeignet?

Das US-Pharma-Unternehmen Novavax hat für seinen Impfstoff "Nuvaxovid" eine Zulassung in der Europäischen Union beantragt. Vor allem Impf-Zweifelnde versprechen sich viel davon. Fachleute mahnen, nicht auf den ersten Tot-Impfstoff gegen Corona in der EU zu warten. Im Clip: Argumente gegen unbelegte Impf-Bedenken.
Novavax: Für wen ist der erste Tot-Impfstoff gegen Corona geeignet?
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Das Wichtigste zum Tot-Impfstoff von Novavax

  • Tot-Impfstoffe sind ein etabliertes Verfahren. Unter anderem die Vakzine gegen Grippe und Tetanus funktionieren auf diese Weise.

  • Tot-Impfstoffe enthalten, wie der Name schon sagt, nur abgetötete Krankheitserreger oder einzelne Bestandteile davon. Sie werden vom Immunsystem als fremd erkannt und entsprechende Antikörper gebildet.

  • Die bislang zugelassenen Corona-Impfstoffe basieren hingegen auf den vergleichsweise neuen mRNA- und Vektor-Technologien.

  • Der Hersteller Novavax könnte demnächst den ersten Tot-Impfstoff gegen Corona auf den europäischen Markt bringen.

  • Dieser eignet sich nicht nur als Booster. Der Tot-Impfstoff könnte auch Impf-Zweifelnde doch noch zu der wichtigen Corona-Schutzimpfung bewegen.

Novavax beantragt EU-Zulassung für ersten Tot-Impfstoff

Mit "Nuvaxovid" könnte bald der erste Tot-Impfstoff gegen Corona in Europa verfügbar sein. Der US-Hersteller Novavax hat dafür nun eine Zulassung in der Europäischen Union (EU) beantragt.

Bereits seit Februar 2021 prüft die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Tot-Impfstoff von Novavax - wie bei den anderen bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen - in einem beschleunigten Verfahren. Das bedeutet, Novavax reicht die Ergebnisse der einzelnen Studienphasen schrittweise ein, sodass die EMA begleitend prüfen kann.

Dadurch könnte der Tot-Impfstoff von Novavax schon in wenigen Wochen in der EU zugelassen werden, sofern auch die EU-Kommission zustimmt. Das gilt jedoch als sicher: Bereits im Sommer vereinbarte die EU-Kommission mit Novavax den Kauf von 200 Millionen Impfdosen.

Ob und für wen es nach der geplanten Zulassung auch eine konkrete Impf-Empfehlung geben wird, ist anschließend Aufgabe der Ständigen Impfkommission (STIKO).

In Indonesien und auf den Philippinen bekam Nuvaxovid bereits eine Notfall-Zulassung. Auch in den USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien und Kanada sind Zulassungen geplant.

Was unterscheidet Tot-Impfstoffe von mRNA- und Vektor-Impfstoffen?

  • 💉

    Nuvaxovid wäre der 5. zugelassene Corona-Impfstoff. Bisher auf dem Markt sind die Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca sowie Johnson & Johnson.

  • 💉

    Bisherige Studien versprechen eine hohe Wirksamkeit gegen schwere Covid-Erkrankungen von rund 90 Prozent und eine allgemein gute Verträglichkeit.

  • 💉

    Wie bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca braucht es für eine vollständige Immunisierung mit Nuvaxovid 2 Impfdosen.

  • 💉

    Im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sowie den Vektor-Impfstoffen AstraZeneca und Johnson & Johnson handelt es sich bei Nuvaxovid um einen Tot-Impfstoff.

  • 💉

    Das bedeutet, der Impfstoff von Novavax enthält tote Bestandteile des Spike-Proteins von Sars-CoV-2. Auf diese reagiert das Abwehrsystem und entwickelt dadurch einen Immunschutz gegen Covid-19. Für einen besseren Impfschutz enthält Nuvaxovid zudem einen Wirkverstärker.

  • 💉

    Tot-Impfstoffe sind ein altbewährtes Prinzip. Unter anderem Grippe-Impfstoffe funktionieren so. Ein Vorteil: Sie lassen sich bei Temperaturen von 2 bis 8 Grad Celsius lagern und transportieren.

mRNA-Impfstoff gegen Corona

Auf der Oberfläche der Corona-Viren befinden sich kleine Proteine mit einer ganz spezifischen Form, die sogenannten Spike-Proteine. Dies nutzt man bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. Zuerst identifizieren Forscher die mRNA im Corona-Virus, die diese Spike-Proteine herstellt und vervielfältigen sie dann im Labor. Im nächsten Schritt umhüllen sie die Kopien der mRNA mit Fett und impfen sie in den Oberarm-Muskel. Das Fett schützt die empfindliche RNA und erleichtert die Aufnahme ...
Auf der Oberfläche der Corona-Viren befinden sich kleine Proteine mit einer ganz...
… in die Körperzellen. Diese nehmen die mRNA nämlich mit dem Bauplan für die Spike-Proteine aus dem Blut auf …
… in die Körperzellen. Diese nehmen die mRNA nämlich mit dem Bauplan für die...
… und produzieren nach kurzer Zeit selbst Spike-Proteine. Diese sehnen genauso aus wie die auf den Corona-Viren.
… und produzieren nach kurzer Zeit selbst Spike-Proteine. Die haben die selbe...
Das Immunsystem erkennt die Spike-Proteine als "fremd" und produziert dagegen Antikörper. Zudem merken sich die Immun-Gedächtniszellen wie die Antikörper aussehen müssen.
Das Immunsystem erkennt die Spike-Proteine als "fremd" und produziert dagegen...
Wenn sich nun später der Geimpfte mit dem echten Corona-Virus infiziert, erkennt das Immunsystem sofort die Spike-Proteine und beginnt mit der Antikörper-Produktion.
Wenn sich nun später die oder der Geimpfte mit dem echten Corona-Virus infiziert...
Auf der Oberfläche der Corona-Viren befinden sich kleine Proteine mit einer ganz spezifischen Form, die sogenannten Spike-Proteine. Dies nutzt man bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. Zuerst identifizieren Forscher die mRNA im Corona-Virus, die diese Spike-Proteine herstellt und vervielfältigen sie dann im Labor. Im nächsten Schritt umhüllen sie die Kopien der mRNA mit Fett und impfen sie in den Oberarm-Muskel. Das Fett schützt die empfindliche RNA und erleichtert die Aufnahme ...
… in die Körperzellen. Diese nehmen die mRNA nämlich mit dem Bauplan für die Spike-Proteine aus dem Blut auf …
… und produzieren nach kurzer Zeit selbst Spike-Proteine. Diese sehnen genauso aus wie die auf den Corona-Viren.
Das Immunsystem erkennt die Spike-Proteine als "fremd" und produziert dagegen Antikörper. Zudem merken sich die Immun-Gedächtniszellen wie die Antikörper aussehen müssen.
Wenn sich nun später der Geimpfte mit dem echten Corona-Virus infiziert, erkennt das Immunsystem sofort die Spike-Proteine und beginnt mit der Antikörper-Produktion.

Wie die zugelassenen Corona-Impfstoffe wirken

Wie die zugelassenen Corona-Impfstoffe wirken

Was genau passiert nach einer Corona-Impfung im Körper? Und was ist der Unterschied zwischen den mRNA- und Vektor-Impfstoffen?

Aktive Immunisierung mit Lebend- und Tot-Impfstoffen

Imfpung
Du wirst geimpft. Im Impfstoff sind tote, abgeschwächte Erreger oder...
Dein Körper bildet dagegen Antikörper.
Diese Antikörper bleiben in deinem Körper. Zudem merken sich Gedächtniszellen, wie...
… und aktivieren bei erneutem Erregerkontakt schnell das Immunsystem und neue...
… dein Immunsystem die Eindringlinge unschädlich machen kann.
Geimpft bleibst du also mit hoher Wahrscheinlichkeit gesund oder zumindest vor einem...
Imfpung

Ist Nuvaxovid der richtige Impfstoff für Impf-Zweifelnde?

Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland sind vollständig gegen Covid-19 geimpft. Im Vergleich der Bundesländer zeigen sich jedoch große Unterschiede in der Corona-Impfquote: Bremen führt das Impf-Ranking mit fast 80 Prozent Geimpften an, Schlusslicht ist Sachsen mit weniger als 60 Prozent.

Zur Gruppe der bisher Ungeimpften zählen Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, aber eben auch  Impfgegner:innen und Zweifelnde dazu.

Einige dieser Impf-Skeptiker stellen - trotz der belegten Wirksamkeit und Verträglichkeit - die bislang zugelassenen Impfstoffe infrage. Sie sind etwa durch teils negative Berichte verunsichert oder misstrauen den relativ neuen mRNA- und Vektor-Technologien.

Womöglich überzeugt daher Nuvaxovid mit dem altbewährten Prinzip von Tot-Impfstoffen die bisher Unsicheren und Skeptischen doch von einer Corona-Impfung.

Galileo-Impfexperiment: Können wir 100 Ungeimpfte von der Impfung überzeugen?

Galileo-Impfexperiment: Können wir 100 Ungeimpfte von der Impfung überzeugen?

Wir haben 100 Ungeimpfte eingeladen, um sie mit wissenschaftlicher Expertise, emotionalen Schicksalen oder sogar Geld von der Corona-Impfung zu überzeugen.

Weitere Tot-Impfstoffe gegen Corona

  • 🇫🇷

    Neben Novavax arbeitet unter anderem das französisch-österreichische Unternehmen Valneva an einem Tot-Impfstoff gegen Corona. Im Oktober vermeldete Valneva vielversprechende Studien-Ergebnisse. Die EU-Kommission sicherte sich bereits 60 Millionen Impfdosen.

  • 🇨🇳

    In anderen Teilen der Welt sind zudem die Tot-Impfstoffe der chinesischen Unternehmen Sinovac ("CoronaVac") und Sinopharm ("BBIBP-CorV" und "WIBP-CorV") bereits auf dem Markt. Den Impfstoff CoronaVac prüft aktuell auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA.

  • 🇮🇳

    In knapp 20 Ländern weltweit ist darüber hinaus der indische Tot-Impfstoff Covaxin im Einsatz. Dieser stand zu Jahresbeginn in der Kritik, weil er trotz fehlender Studiendaten bereits eine Notfallzulassung erhielt.

Fachleute empfehlen deutlich: Nicht auf Tot-Impfstoff warten

Bis ein Tot-Impfstoff in Europa verimpft werden kann, dauert es angesichts der ausstehenden Zulassungsprüfungen noch einige Zeit.

Das Infektionsrisiko ist hingegen durch die hochansteckende Delta-Variante des Corona-Virus - vor allem für Ungeimpfte - bereits jetzt sehr hoch und nimmt durch die steigenden Corona-Zahlen weiter zu.

Wer sich später impfen lassen möchte, riskiert somit eine Covid-19-Infektion und insofern einen schweren Krankheitsverlauf, der tödlich enden kann.

Fachleute raten daher weiterhin zu einer baldmöglichsten Corona-Impfung und mahnen, nicht auf einen Tot-Impfstoff zu warten.

Veröffentlicht: 19.11.2021 / Autor: Galileo