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Spanische Grippe, Pest und Cholera - was können wir von früheren Pandemien lernen?

Corona war nicht der Anfang. Schon in den vergangenen Jahrhunderten verbreiteten sich immer wieder verheerende Pandemien über die Welt. Wodurch sie ausgelöst wurden - und wie man sie besiegte.

Das Wichtigste zum Thema Verheerende Pandemien

  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft das Corona-Virus Covid-19 als Pandemie ein.

  • Damit reiht es sich in eine lange Liste ein. Seit Jahrhunderten werden Menschen von Krankheiten heimgesucht, die sich über mehrere Länder oder ganze Kontinente ausbreiten und hohe Opferzahlen fordern.

  • Von der Pest über die Spanische Grippe bis hin zu SARS - was diese Seuchen auslöste und wie man sie besiegte, erfährst du weiter unten.

Die Justinianische Pest (541 bis  544)

Im Jahr 541 n. Chr. breitete sich unter der Regentschaft des oströmischen Kaisers Justinian eine unheimliche Krankheit in Ägypten aus.

Laut dem Zeitzeugen Prokop litten die Betroffenen an Fieber, beulenartigen Geschwüren in der Leistenregion, unter den Achseln und am Hals. Die Seuche, hervorgerufen durch den Erreger Yersinia pestis, trat erstmals in einer Stadt am Ostrand des Nil-Deltas auf und breitete sich von dort über ganz Ägypten und Syrien aus.

Im darauffolgenden Jahr erfasste sie Tunesien, den Balkan, Italien, Gallien, Spanien, die Rheinregion und schließlich auch die britischen Inseln.

Schätzungen zufolge fielen 30 bis 50 Millionen Menschen der Seuche zum Opfer - das entspricht rund der Hälfte der damaligen Weltbevölkerung.

Manche Historiker vertreten sogar die Theorie, dass die Justinianische Pest das Ende des Römischen Reichs besiegelte.

Der Schwarze Tod (1347 bis  1351)

  • 🌍

    Im frühen Spätmittelalter wurde Europa abermals von Yersinia pestis heimgesucht.

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    Die Seuche, die später als Schwarzer Tod bezeichnet wurde, hatte ihren Ursprung in China und wurde über die Seidenstraße und andere Handelsrouten durch Rattenflöhe nach Europa eingeschleppt.

  • 😥

    Schätzungsweise 25 Millionen Menschen starben in Europa an der Pest - allein in Deutschland war es in etwa jeder Zehnte.

  • 😨

    Die sozialen Auswirkungen des Schwarzen Todes reichten sehr weit: So gerieten Juden in den Verdacht, die Pandemie durch Brunnenvergiftung ausgelöst zu haben. Dies führte in vielen Teilen Europas zu Judenpogromen.

  • 🌳

    Positive Auswirkungen der Seuche: Abgeholzte Wälder konnten sich durch den Bevölkerungsschwund wieder erholen, in den Städten stiegen die Löhne, und die Leibeigenschaft wurde abgeschafft.

Cholera (1817 bis 1823)

Eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird - und zwar meist über verunreinigtes Trinkwasser oder Speisen.

Erste überlieferte Fälle gab es bereits 600 v. Chr. im indischen Ganges-Tal. Da das Bakterium natürlicherweise im Ganges vorkommt, litten auf dem indischen Subkontinent immer wieder Menschen an der Durchfallerkrankung.

Doch 1817 entwickelte sich aus einer lokalen Epidemie nahe Kalkutta eine Pandemie, die weite Teile Asiens erfasste und schließlich auch Vorderasien, Afrika und Europa erreichte.

In den folgenden 100 Jahren kam es zu 5 weiteren Cholera-Pandemien, die Millionen Menschen töteten. Noch heute gibt es jedes Jahr zwischen 1,3 und 4 Millionen Cholera-Infizierte mit bis zu 143. 000 Todesfällen weltweit.

Zur Vorbeugung ist es wichtig, hohe hygienische Standards einzuhalten. Vor allem muss sauberes Trinkwasser bereitgestellt werden. Sogar Wasserfilter aus gefaltetem Stoff senken das Risiko einer Erkrankung um fast die Hälfte, wie Forscher der National Science Foundation in Bangladesh herausfanden.

Was wurde eigentlich aus Cholera?

Was wurde eigentlich aus Cholera?

Was wurde eigentlich aus Cholera?

In Zeiten von Corona geraten andere Krankheiten schnell in Vergessenheit. Dabei gab es bereits 1820 eine Cholera-Pandemie - alles über Impfung, Symptome und Verbreitung.

Spanische Grippe (1918 bis 1920)

  • 😱

    Ende Mai 1918 meldete eine spanische Nachrichtenagentur, "eine merkwürdige Krankheit mit epidemischem Charakter" sei in Madrid aufgetreten.

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    Zu Beginn verlief die Spanische Grippe noch eher moderat. Erst im Herbst 1918 stieg die Zahl der Infizierten dann deutlich an.

  • 😔

    Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Influenza-Pandemie weltweit und infizierte geschätzte 500 Millionen Menschen - fast ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung (1,8 Milliarden Menschen).

  • ⚰️

    Zwischen 20 und 50 Millionen Menschen starben. Sogar bis zu 100 Millionen Opfer wurden vermutet.

  • 🙇

    Das Besondere an dieser Grippe: Ihr erlagen vor allem 20- bis 40-Jährige, während Influenza-Viren sonst besonders Kleinkinder und alte Menschen gefährden.

  • 👍

    Eine der Gründe, wieso die Spanische Grippe nicht noch mehr Todesopfer forderte: Frühzeitig wurden in einigen Ländern Quarantäne-Maßnahmen eingeleitet. Auch das Tragen vom Mund-Nasen-Bedeckungen ordneten die Gesundheitsbehörden an.

Patienten, die an der Spanischen Grippe erkrankt sind, in Kansas (USA)

Was wurde eigentlich aus der Spanischen Grippe?

Was wurde eigentlich aus der Spanischen Grippe?

Was wurde eigentlich aus der Spanischen Grippe?

Mutter der modernen Pandemie: Die Spanische Grippe sorgte für mehr Tote als der Erste Weltkrieg - bereits über 100 Jahre vor Corona. Wie gefährlich ist die Seuche heute?

HIV (1981 bis heute)

Das Humane Immundefizienz-Virus, kurz HIV genannt, soll bereits in der 1930er Jahren in Afrika von Affen auf den Menschen übertragen worden sein. Aber erst Anfang der 1980er Jahre breitete sich das Virus und die dadurch hervorgerufene Immunschwäche Aids aus.

Besonders in den USA galt Aids anfangs als "Homosexuellen-Seuche". Doch es zeigte sich bald, dass die Krankheit jeden treffen kann. Seit 1981 haben sich rund 75 Millionen Menschen weltweit mit HIV angesteckt - ungefähr 32 Millionen starben in der Folge an Aids.

Heute sind weltweit mehr als 38 Millionen Menschen HIV-positiv, zwei Drittel davon in Afrika.

Aber es gibt Hoffnung: In diesem Jahr berichteten Forscher, dass sie zum 2. Mal überhaupt einen HIV-Patienten mit Hilfe einer neuen Therapie dauerhaft heilen konnten.

Die Rote Schleife ist weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken


Die Rote Schleife ist weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken
© picture alliance

SARS (2002 bis 2003)

  • 🤒

    Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS) ist eine durch Corona-Viren hervorgerufene Infektionskrankheit. Erstmals trat SARS 2002 im Süden Chinas auf.

  • 🌏

    Innerhalb weniger Wochen breitete sich das Syndrom über alle Kontinente aus und entwickelte sich zur ersten Pandemie des 21. Jahrhunderts.

  • ⚱️

    Mit insgesamt unter 800 Todesfällen verlief die Pandemie jedoch vergleichsweise glimpflich.

  • ☝️

    Außerhalb Asiens erlagen der Pandemie 45 Menschen. Sie ist ein warnendes Beispiel für die rasche Ausbreitung einer Krankheit in unserer vernetzten und globalisierten Welt.

  • 🗣

    Die damaligen Maßnahmen gegen die Pandemie: zahlreiche Reisewarnungen oder -verbote, Zwangs-Quarantänen und groß angelegte Desinfektionen - teilweise von ganzen Stadtteilen.

  • 🏫

    In vielen betroffenen südostasiatischen Staaten schlossen die Gesundheitsbehörden verschiedene Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Universitäten.

  • 🕺

    In China wurden zudem sämtliche Theater, Diskotheken und andere Unterhaltungsbetriebe geschlossen.

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    Darin sah man zumindest einige Möglichkeiten, die Bildung von Menschengruppen zu unterbinden.

  • 👩‍⚕️

    Noch war kein Impfstoff entwickelt. Auch wusste zunächst keiner, wie die neuartige Krankheit behandeln werden könnte. Die meisten Ärzte verabreichten daher Medikamente, die die Vermehrung von Viren hemmten.

Was wurde eigentlich aus SARS?

Was wurde eigentlich aus SARS?

Was wurde eigentlich aus SARS?

Während der SARS-Pandemie starben weltweit rund 800 Menschen. Was wurde aus dem Virus?

Ebola (2014 bis 2016)

An den Ufern des Flusses Ebola in der Demokratischen Republik Kongo kam es 1976 erstmals zu einer neuen Epidemie. Die führte in fast 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Die Betroffenen litten unter hohem Fieber und Blutungen am ganzen Körper. Meist starben sie binnen weniger Tage. In den Folgejahren kam es immer wieder zu lokalen Epidemien in den Ländern südlich der Sahara.

2014 breitete sich das Ebolafieber in Guinea rasant aus und erfasste weite Teile Westafrikas. Von den 28.639 Infizierten starben 11.325. Die hochansteckende Krankheit geht wahrscheinlich auf den Verzehr von infizierten Wildtieren zurück.

Bei Ausbruch der Epidemie stand kein Ebola-Impfstoff zur Verfügung. Eine der wichtigsten Gegenmaßnahmen: Infizierte mussten in Quarantäne, um keine Familienangehörigen und andere Personen anzustecken.

Helfer in der Ebola-Epidemie in ihren massiven Schutzanzügen


Helfer während der Ebola-Epidemie in ihren Schutzanzügen
© picture alliance/NurPhoto

 

Dafür wurden Isolierstationen benötigt, das Personal musste mit Schutzausrüstung ausgestattet werden. Auch die Familie des Patienten war in häuslicher Quarantäne. So wollte man die Infektion weiterer Personen verhindern. Die Inkubationszeit beträgt bei Ebola bis zu 21 Tage.

Die Patienten selbst wurden durch Flüssigkeitszufuhr, mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Präparaten behandelt.

Was wurde eigentlich aus Ebola?

Was wurde eigentlich aus Ebola?

Was wurde eigentlich aus Ebola?

2020 fürchten wir, uns mit Covid-19, dem Corona-Virus, zu infizieren. 2014 und 2015 sorgte ein anderer Virus für Panik: Der hochansteckende Ebola-Erreger brachte viel Leid und Tod mit sich und ist bis heute nicht ausgerottet ... doch was wurde aus Ebola?

Veröffentlicht: 20.07.2020 / Autor: Benjamin Reibert

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