Dieser Baum treibt seit über 120 Jahren senkrecht im Wasser - und keiner weiß, warum
via Wikipedia/Markgorzynski/CC BY-SA 3.0

Dieser Baum treibt seit über 120 Jahren senkrecht im Wasser – und keiner weiß, warum

vor 2 Jahren

In einem der tiefsten Seen der Erde steht seit über 120 Jahren ein Baum senkrecht im Wasser. Er trotzt den Gesetzen der Physik. Du kannst ihn nicht umwerfen. Er bleibt vertikal im tiefblauen Wasser. Das ist seine Geschichte.

Crater Lake. Oregon. USA. Es ist der tiefste See der USA. Der zehnttiefste der Erde. Der tiefste Punkt liegt bei 594 Metern. Und mittendrin steht ein Baumstumpf. Ein großer Stumpf, denn er ist neun Meter lang. Er ragt vertikal aus dem Wasser. Und keiner weiß, warum.

Der Crater Lake ist – wie der Name schon vermuten lässt – ein mit Regen- und Schneeschmelzwasser gefüllter Krater eines Vulkans. Es gibt keine Zu- oder Abflüsse. Deshalb hat er die beste Wasserqualität Nordamerikas. Tiefblau und klar ist sein Wasser. Es wurden Sichttiefen von bis zu 43,9 Metern gemessen. Um diese Qualität nicht zu gefährden, müssen Motorboote mit einem abgeschlossenen Treibstoffsystem ausgestattet sein.

Der Crater Lake ist Mittelpunkt des Crater-Lake-Nationalparks. Und der beherbergt so einige Überraschungen, wie The Old Man. Das ist der oben beschriebene Baum. Wahrscheinlich treibt er nicht erst seit 120 Jahren im See. Denn sein Alter wird auf 450 Jahre geschätzt. Mit seinen neun Metern Länge steht er im Wasser. 1,20 Meter davon ragen über der Wasseroberfläche hinaus. Doch warum fällt er nicht um?

Baum

„Entdeckt“ wurde der Stumpf 1896 von dem Geologen Joseph Diller. Er war auch derjenige, der 1902 die erste Studie zu dem Baum, der wohl mal eine Hemlocktanne war, herausbrachte. Denn schon damals ragte er in die Höhe. Und er war in Bewegung. In den ersten fünf Jahren nach seiner Entdeckung legte er eine Strecke von über 400 Metern zurück – quer durch den 53 Quadratkilometer großen See.

Das nächste Experiment folgte 1938. Dank starker Winde und hoher Wellen absolvierte er in drei Monaten eine Strecke von 99,9 Kilometern. Dabei bewegt er sich aber nicht zwangsläufig mit dem Wind. Manchmal schwimmt er direkt in die entgegensetzte Richtung. Eben wie ein störrischer, alter Mann. Seitdem existiert die Legende, dass The Old Man das Wetter kontrolliere.

Und obwohl er so alt ist, ist er trotzdem stabil. Denn mit seinen 61 Zentimetern Durchmesser hält er sogar einen Menschen aus, der sich auf ihn stellt. Und trotzdem kippt er nicht um. Zu verdanken ist das wohl auch den kalten Wassertemperaturen. Und der geringen Verschmutzung des Sees. So wird die „Zersetzung“ des Stumpfs hinausgezögert.

Da im Crater Lake nie viele Lebewesen aktiv waren, wurden zwischen 1888 und 1941 sechs Fischarten ausgesetzt. Von diesen haben nur zwei Populationen überlebt: Rotlachs und Regenbogenforelle. Kein Schmutz, keine Pestizide oder Algen. Dadurch bleibt die tiefblaue Farbe erhalten.

Erst in 120 Metern Tiefe hat man ein bestimmtes Quellmoos gefunden. Das wächst sonst nirgendwo in der Nähe der Wasseroberfläche. Außer: am Old Man. Anscheinend ist der alte Mann im vergangenen Jahrhundert irgendwann mal auf Tauchstation gegangen.

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Wie er in seine aufrechte Position kam, darüber wird noch spekuliert. Eine Theorie besagt, er se mit einem Erdrutsch in den See gekommen. In seinen Wurzeln hätten sich Steine verfangen, die ihn nach unten ziehen würden. Wie natürliche Anker. Dadurch würde er senkrecht im Wasser stehen. Während die Theorie sinnvoll klingt, erzählt die Praxis etwas anderes. Denn es gibt weder Beweise, dass er Steine mit sich gebracht hat, noch, dass er je Wurzeln hatte, als er in den See kam.

Die Hälfte des Baums, die unter Wasser ist, muss jedoch mittlerweile dichter und schwerer geworden sein. Sie zieht den Stamm nach unten. Während das obere Ende ausbleicht und -trocknet und damit leichter wird. Durch den Auftrieb wiederum entsteht so ein eigenartiges Gleichgewicht.

Denn physikalisch gesehen treibt ein Objekt mit kleinerer Dichte als Wasser auf der Oberfläche. Bei einem „normalen“ Baum wäre der Körperschwerpunkt überall gleich. Damit müsste er horizontal auf dem Wasser liegen.

Baum

"The Old Man"
Er treibt im Crater Lake vor sich hin.
© via Wikipedia/Greg Willis/CC BY-SA 2.0

Warum The Old Man also so – entgegen physikalischer Gesetze – senkrecht durch das Wasser gleitet, ist unklar. Aber vielleicht ist ja genau das das Geheimnis des alten Mannes.

Auch in Brasilien gibt es Bäume unter Wasser. Allerdings wachsen die dort und müssen erst gefällt werden. Dieser Job ist nicht nur hart, sondern auch ziemlich gefährlich. Wir zeigen euch, wie gefährlich:

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