Erschreckend: Ein warmer Tunnel unter dem Eis gräbt sich gerade durch die Antarktis
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Erschreckend: Ein warmer Tunnel unter dem Eis gräbt sich gerade durch die Antarktis

vor 1 Monat

Forscher machen sich schon wieder Sorgen um die Antarktis: Sie haben herausgefunden, dass sich warmes Meerwasser gerade einen Tunnel durch immens wichtiges Schelfeis im Westen der Antarktis gräbt. Bricht das Schelfeis zusammen, könnte das verheerende Auswirkungen haben.

Erst im Juni hielt die Wissenschaftswelt den Atem an, als ein Billionen Tonnen schwerer Eisberg von der Antarktis abgebrochen war. Verursacht durch einen langen Riss, der nach und nach einen Teil des ewigen Eises abgetrennt hatte. Die gute Nachricht: Er wird den Meeresspiegel nicht anheben, da Schelfeis immer auf dem Wasser schwimmt und damit keine zusätzliche Masse hinzugekommen ist.

Jetzt droht eine neue Gefahr. In einer am Dienstag veröffentlichten Studie stellte das Team um Wissenschaftler Noel Gourmelen von der University of Edinburgh einen erschreckenden Tunnel vor, den sie entdeckt hatten. Die Westantarktis ist ein wunder Punkt des gesamten Kontinents. Das betroffene Schelfeis Dotson ist zwar „nur“ etwa 3.500 Quadratkilometer groß, stützt aber zwei riesige, separate Gletscher. Auf der einen Seite hat es eine Dicke von 300 bis 490 Metern. Das ist die gute Seite.

Die andere – die weiter westlich – ist viel dünner – etwa nur halb so dick. Und sie dünnt weiter aus. In einem rasanten Tempo. Der Grund ist vor allem eine Art Kanal, der sich unter der Eisdecke durch warmes Ozeanwasser gebildet hat. Er frisst sich regelrecht durch das Eis. Momentan ist er bereits 60 Kilometer lang und fünf Kilometer breit. Er dünnt das Schelfeis viel, viel schneller aus, als es das von allein tun würde.

Normalerweise bleibt das warme Wasser auf offener See, dringt jetzt aber von unten her an das Eis heran. Das liegt an warmen Strömungen, die eigentlich weg vom Schelfeis fließen, aber durch die Erdrotation umgeleitet werden und geradewegs auf das Eis zusteuern. Dort mischt sich das warme Wasser mit Schmelzwasser und unterspült das Schelfeis.

Das führt nach und nach zum jetzt durch Satellitenbilder entdeckten Tunnel. Dieser ensteht laut Gourmelen bereits seit 25 Jahren. Die Berechnungen lassen schließen, dass er das Schelfeis drei Mal schneller zum Schmelzen bringt, als es das normalerweise getan hätte. 14 Meter Eisdecke gehen jährlich verloren. Somit könnte das Dotson-Schelfeis in 40 Jahren komplett durchgeschmolzen sein – und nicht wie bisher gedacht, in erst 170 Jahren. Das hätte dramatische Folgen für die umliegenden Gletscher Smith und Kohler, die jetzt durch Dotson noch festgehalten werden. Fangen diese an zu schmelzen, würde der Meeresspiegel nämlich steigen.

Antarktis

Das betroffene Dotson (DIS)-Schelfeis
Dahinter die anliegenden Gletscher Smith und Kohler.
© Noel Gourmelen

Es könnte noch viel mehr dieser Kanäle unter der Eisdecke geben. Aber momentan wird die Dicke des Schelfeis in der Antarktis nur von einem einzigen Satelliten „überwacht“, weshalb man das nicht genau sagen könne. Die große Gefahr besteht in einer Kettenreaktion: Dotson hält Smith und Kohler zurück. Noch. Smith ist aber direkt mit dem Thwaites-Gletscher verbunden, dem größten in der Westantarktis. Sollte der schmelzen, hätte das einen Anstieg des Meeresspiegels um drei Meter zur Folge. Und das wäre eine Katastrophe.

Was durch die globale Erwärmung passiert, sehen wir jetzt schon ständig – am Wetter. An vielen Orten der Welt fällt es von einem Extrem ins Nächste. Wir stellen euch ein paar davon vor:

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