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In Tschernobyl soll die weltweit größte Solarfarm entstehen

vor 3 Jahren

30 Jahre nach dem Super-GAU soll in Tschernobyl nun grüner Strom erzeugt werden. Auf dem 600 Hektar großen Sperrgebiet könnte bald die weltweit größte Solarfarm stehen.

Am 26. April 1986 kam es in Tschernobyl bei einer Übung im Kernkraftwerk zu zwei Explosionen, die eine radioaktive Wolke entstehen ließen. Diese breitete sich über ganz Europa aus. Der Unfall gilt als der bisher schwerste in der Geschichte der Kernenergie und zerstörte sowohl Wohngebiete als auch große Teile der Natur.

Heute leben noch 700 Einwohner in der Geisterstadt. Aber was macht man nun mit einer kontaminierten Fläche von 1.000 Quadratkilometern, auf der nicht einmal Nutzpflanzen wachsen können? Genau: Man nutzt diese für erneuerbare Energien.

Aus zwei Gründen ist es nun denkbar, Solar- und Biogasanlagen in diesem Areal zu bauen: Zum einen sind es unzählige Gesetzesänderungen, die den Bau von Windkraft- und Solaranlagen sowie die wissenschaftliche Forschung in der Region endlich ermöglichen. Zum anderen wurde am Montag der Bau vom ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko genehmigt. Außerdem hat sich die Ukraine bis 2020 zum Ziel gesetzt, elf Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Ressourcen zu gewinnen.

Was spricht dafür?

Der ukrainische Umweltminister Ostap Semerak scheint davon überzeugt, dass das Tschernobyl-Gebiet ein großes Potential für erneuerbare Energien hätte. Das liegt an verschiedenen Dingen.

  • Tschernobyl verfügt über immer noch funktionierende Hochspannungsleitungen, die früher den Strom zwischen dem Nuklearkraftwerk und den Städten transportiert haben
  • das zu bebauende Land ist günstig zu erwerben
  • in der Umgebung von Tschernobyl leben immer noch sehr viele Arbeiter, die Erfahrungen in Hochspannungs-Anlagen mitbringen
  • das Wetter (für Solaranlagen wichtig) ist vergleichbar mit dem im Süden von Deutschland – es sollten im Laufe eines Jahres also genügend Sonnenstunden zusammenkommen

Wer bezahlt das?

Insgesamt vier verschiedene kanadische Energiekonzerne und zwei US-amerikanische Investmentfirmen beteiligen sich an den Verhandlungen für die geplante Solarfarm. Außerdem hat die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) Zuschüsse versprochen. Diese soll es aber nur geben, wenn die Umwelt keinen Schaden nimmt.

Was ist noch unklar?

Offiziell soll es weltweit durch Tschernobyl gerade einmal 4.000 Todesopfer geben. Inoffiziell gehen Mediziner allerdings von 1,4 Millionen aus. Die Strahlung birgt eine unsichtbare Gefahr. Deshalb wurde und wird das Gebiet noch immer gemieden. Wie sollen die Arbeiter auf der Solarfarm dann geschützt werden? Regierung und Energiekonzerne sollten zunächst herausfinden, ob Schutzanzüge reichen und ob nur in Schichten von wenigen Stunden gearbeitet werden kann.

Genaue Details, wann der Bau starten soll, gibt es noch nicht. Erstmal müssten Finanzierung und genaue Umsetzung geplant werden. Es wird also noch ein paar Jahre dauern.

Der Ingenieur Clifford Robinson war damals in Tschernobyl dabei. Nur dank seiner Warnung konnte eine noch größere Katastrophe verhindert werden. Im Video erzählt uns der Schwede von seiner heldenhaften Tat:

 

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