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In-vitro-Fleisch: Landet bald Fleisch aus dem Labor auf deinem Teller?

Forscher arbeiten an dem Steak aus dem Reagenzglas. Wann gibt's den ersten In-vitro-Burger, was wird er kosten und ist Kunst-Fleisch die Antwort auf Massentierhaltung?

Das solltest du wissen

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    Die Welternährungsbehörde FAO schätzt, dass im Jahr 2050 etwa 460 Millionen Tonnen Fleisch jährlich produziert werden müssten, um die Nachfrage der Menschheit zu befriedigen.

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    Gründe sind das Anwachsen der Weltbevölkerung auf rund 10 Milliarden und ein Anstieg der Kaufkraft, besonders in Asien und Afrika. Der Fleischkonsum würde sich in 50 Jahren verdoppeln.

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    Um den Bedarf zu decken, wollen Forscher Fleisch künstlich züchten. Dafür entnehmen sie einem lebenden Tier eine Muskelstammzelle. Daraus werden Muskelzellen, die in wenigen Wochen zu Muskelfasern zusammenwachsen. Der erste Zuchtfleischburger kostete rund 250.000 Euro.

So wird In-vitro-Fleisch hergestellt?

Das sagt Silvia Woll, Technikphilosophin am Karlsruher Institut für Technologie:

  • Ist In-Vitro-Fleisch umweltfreundlicher als konventionelles Fleisch?

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    Im Moment geht man davon aus, dass die Produktion von In-vitro-Fleisch weniger Land und Wasser verbrauchen und weniger Treibhausgase und Schadstoffe ausgestoßen werden als bei der konventionellem Fleischproduktion. Der Stromverbrauch würde jedoch massiv steigen. Ob das stimmt, wird sich zeigen, wenn es die Produktion im großen Maßstab gibt.

  • Kann In-Vitro-Fleisch das Tierleid verringern?

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    Für die Produktion würde man sicher deutlich weniger Tiere benötigen – und sie müssten nicht mehr geschlachtet werden. Da der Großteil der Tiere in Massentierhaltung gehalten wird, wäre es quantitativ ein klarer Vorteil.

  • Heißt, Tiere müssen in Zukunft nicht mehr fürs Schnitzel leiden?

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    Es ist unklar, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten würden, die die Stammzellen für die In-vitro-Produktion liefern müssten. Man könnte nur von einer Verbesserung für die Tiere sprechen, wenn wirklich keine tierischen Bestandteile und vor allem kein fötales Kälberserum (das durch einen sehr leidvollen Prozess entsteht) mehr für die Herstellung benötigt würden.

  • Gesünder wird Fleisch deswegen aber nicht, oder doch?

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    Forschende an In-vitro-Fleisch betonen zwar, dass man das Fleisch so züchten könnte, dass es mehr gesundheitsförderliche und weniger schädliche Bestandteile enthält. Man könnte beispielsweise Vitamine zusetzen. Allerdings ist es wissenschaftlich bislang sehr umstritten, welche Bestandteile von Fleisch die gesunden und welche die ungesunden sind.

  • Ist Fleisch dann endlich frei von Antibiotika?

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    Das Versprechen, dass man für die Produktion von In-vitro-Fleisch keinen Einsatz von Antibiotika mehr braucht, ist noch nicht bestätigt – im ersten öffentlich gebratenen In-vitro-Burger war Antibiotika enthalten.

  • Wann können wir In-vitro-Fleisch kaufen?

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    Die Forschenden betonen immer wieder, es sei in 2 bis 5 Jahren soweit. Allerdings sagen sie das schon seit vielen Jahren und die technologischen Hürden sind weiterhin hoch.

  • Wird das Fleisch bezahlbar sein?

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    Davon ist auszugehen. Bereits jetzt sind die Kosten bei circa 10 Euro für einen Hamburger und sehr wahrscheinlich wird sich der Preis noch weiter senken. Für den Moment bleiben aber noch viele Fragen offen – zum Beispiel, ob In-vitro-Fleisch sich eher im hochpreisigen Segment ansiedeln wird oder schlussendlich zu den Billigprodukten gehört.

Das solltest du dir merken

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    In-Vitro-Fleisch wird kommen. Wann, steht noch in den Sternen. Und auch ob es auch für unsere Erde Vorteile bringt. Sogar Dr. Mark Post, einer der bekanntesten Forscher an In-vitro-Fleisch, rät daher Vegetariern und Veganern davon ab, von fleischloser Ernährung zu einer Ernährung mit In-vitro-Fleisch zu wechseln.

Veröffentlicht: 04.12.2019 / Autor: Melanie Khoshmashrab