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Essen im Restaurant

Ist unser Ess-Verhalten manipulierbar? Wir haben's getestet

Studien zufolge lässt sich unser Ess-Verhalten manipulieren, etwa durch die Sitzordnung. Ob da was dran ist, erfährst du im Clip. Zudem verraten wir dir, wie du im Restaurant kulinarisch beeinflusst wirst - und inwiefern Corona unseren Speiseplan "infiziert" hat.
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Das Wichtigste zum Thema Tisch-Experiment

  • Ist unser Ess-Verhalten tatsächlich manipulierbar? Der Galileo-Test zeigt, welche Faktoren eine Rolle spielen.

  • Sitzordnung: Wenn wir zu zweit speisen, essen wir langsamer und weniger als in einer Gruppe an einem großen Tisch.

  • Der Grund: Essen ist ein egoistischer Akt. In Gesellschaft sieht man die anderen als Konkurrenten, die einem etwas wegessen könnten.

  • Farbe des Geschirrs: Der gleiche Kakao schmeckt in einer roten Tasse "gefühlt" anders als in einer weißen. Den Probanden erschien das Heißgetränk mal mehr, mal weniger süß.

  • Der Grund: Die jeweilige Farbe ruft bestimmte Assoziationen hervor. Orange beispielsweise empfinden wir als fruchtig und glauben dadurch, einen intensiveren Geschmack zu erleben.

Gastro-Physik? Was es damit auf sich hat

  • 💡

    Die interdisziplinäre Wissenschaft beschäftigt sich mit der multi-sensorischen Wahrnehmung von Essen und Trinken. Dabei wird untersucht, wie sich Umgebung, Beleuchtung, Klänge, Farben oder Formen auf unsere Nahrungsaufnahme auswirken. Die Erkenntnisse machen sich vor allem die Lebensmittel-Industrie und Restaurants zunutze.

Is(s)t ja interessant! So wirst du im Restaurant kulinarisch beeinflusst

  • 🎶

    Leise Musik lässt Gäste überwiegend gesündere Speisen bestellen, bei Klassik im Hintergrund fällt die Wahl eher auf teure Gerichte. Dröhnender Sound dagegen verleitet zu Fast Food und dazu, mehr Alkohol zu konsumieren.

  • 🍽️

    Erdbeer-Eis etwa erscheint auf runden, weißen Tellern deutlich aromatischer. Bittere Speisen werden oft auf schwarzen, eckigen Teller serviert.

  • 🏮

    Gedimmtes Licht erzeugt Gemütlichkeit, ebenso wie Kerzen. Die Wohlfühl-Atmosphäre sorgt dafür, dass wir länger bleiben.

  • 🥄

    Passt die Schwere des Bestecks nicht zur Speise, entsteht ein unangenehmes Gefühl (kognitive Dissonanz). Während sich Mousse au Chocolat auf einem leichten Löffel noch cremiger anfühlt, würde Plastik-Besteck selbst den Braten eines Sternekochs nicht schmackhafter machen.

  • 📛

    Bereits der Name eines Gerichts bestimmt unsere Erwartung. Eine "Tote Oma" (Grützwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln) auf der Speisekarte macht sich nicht wirklich gut. Und "Prinzessbohnen" essen wir lieber als "Brechbohnen".

Helfen kleinere Teller beim Abnehmen?

Kleinerer Teller, kleinerer Hunger? Um mehr über unser Sättigungsgefühl zu erfahren, haben Forscher der University of Cambridge knapp 70 Einzelstudien ausgewertet. Aus dem Essverhalten von mehreren Tausend Menschen konnten sie 5 wesentliche Erkenntnisse ableiten:

  • Auf einem kleinen Teller wirkt eine Portion größer, als sie ist - und auch größer als auf einem großen Teller.
  • Bei einem gefüllten Teller haben wir die Erwartung, dass uns das Essen auch satt machen wird - unabhängig von seiner Größe.
  • Wer von einem kleinen Teller speist, ist schneller satt, nimmt weniger Nahrung und damit auch weniger Kalorien zu sich.
  • Hat man einen großen Teller vor sich, stellt sich das Sättigungsgefühl später ein und die Kalorien-Zufuhr fällt dadurch höher aus.
  • Je üppiger die Portion ist, umso mehr wird gegessen.
Kleiner Teller


Abnehm-Trick: Weil eine Portion auf einem kleinen Teller größer erscheint als sie ist, futtert man "automatisch" weniger.
© Getty Images

Nebenwirkung: Wie Corona unser Essverhalten verändert hat

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    Das Corona-Virus hinterlässt überall seine Spuren, auch auf unserem Speiseplan: Seit Beginn der Pandemie achten die Deutschen verstärkt auf eine gesündere Ernährung. Eine Umfrage der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) ergab: Über ein Viertel der Befragten aß während des 1. Lockdowns mehr Gemüse und jeder Fünfte mehr Obst. 15 Prozent gaben zudem an, ihren Fleisch-Konsum verringert zu haben.

Veröffentlicht: 23.02.2021 / Autor: Heike Predikant