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Der Nutri-Score: Macht dieses Label deine Ernährung gesünder?

Ab November sollen Lebensmittel-Verpackungen auf der Vorderseite mit dem Nutri-Score versehen sein. Die Nährwert-Kennzeichnung soll zeigen, welche Produkte im Vergleich gesund und ungesund sind. Wir erklären, wie das funktioniert.
Nutri-Score: Deutschlandweit wird das Label ab November 2020 eingeführt. Hier auf einer Packung Rahmspinat.

Das Wichtigste zum Thema Nutri-Score

  • Der Nutri-Score ist eine Orientierungshilfe beim Einkauf. Er erspart dir ein langes Studium der Nährwert-Tabelle.

  • Wie ausgewogen ein Produkt ist, zeigt der Nutri-Score in 5 Kategorien an. Von der besten Nährwert-Qualität mit A (dunkelgrün hinterlegt) bis hin zum roten E.

  • Es gibt bereits Produkte, auf deren Vorderseite der Verpackung der Nutri-Score prangt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat ab November eine rechtssichere Verwendung abgesegnet. Sie bleibt allerdings freiwillig.

  • Den Nutri-Score findest du nur auf verpackten Lebensmitteln, nicht auf lose verkauften Kartoffeln, Äpfeln oder Tomaten.

Nutri-Score: Wie funktioniert die Berechnung?

Maßgeblich sind 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Lebensmittels. Positive Punkte gibt es für Ballaststoffe, Protein und den Gehalt an Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten.

Ungünstige Punkte für Energie, Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz. Die ungünstigen zieht man von den günstigen Punkten ab. Der Wert ergibt anhand einer Tabelle eine bestimmte Kategorie.

Hier findest du den Nutri-Score

Was will dir der Nutri-Score sagen?

  • 🍕

    Der Nutri-Score eignet sich, um Produkte innerhalb einer Gruppe zu vergleichen. Zum Beispiel: Schoko-Müsli gegen Hafer-Crunchys, Salami-Tiefkühlpizza gegen Schinken-Tiefkühlbaguette oder Snack-Brezeln gegen Chips.

  • 🟢

    Ein Müsliriegel mit einem dunkelgrünen A ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht besser als ein Müsliriegel mit einem orangefarbenen D.

  • 🥃

    Der Produktvergleich außerhalb der Kategorien funktioniert nicht. Olivenöl zum Beispiel wird aufgrund des hohen Fettgehalts der Kategorie D zugeordnet, obwohl die ungesättigten Fette darin gesund sind. Ein Limonaden-Light-Getränk landet in Kategorie B, weil es wenig Zucker hat.

  • 🥕

    Der Nutri-Score sagt nichts über die Ausgewogenheit deiner Ernährung aus. Es genügt nicht, nur Produkte der Kategorie A zu essen. Wichtig ist, zu unverarbeiteten Lebensmitteln wie Obst und Gemüse etc. zu greifen.

Der Nutri-Score im Produktvergleich

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Wer hat den Nutri-Score erfunden?

Er geht auf ein Team von Wissenschaftlern der Pariser Université 13 zurück. Serge Hercberg, Professor für Ernährungswissenschaften sowie die Ernährungs-Epidemiologin Dr. Chantal Julia sind Begründer des Systems.

Grundlage ist die Nährwert-Ampel der Britischen Food Standard Agency (FSA). Hier waren Wissenschaftlern der Universität Oxford beteiligt.

In Frankreich gibt es den Nutri-Score seit 2017. In Belgien, Spanien, Portugal, in der Schweiz und Luxemburg wird er ebenfalls genutzt. Die Hersteller von Lebensmitteln drucken ihn selbst drauf. Wenn sie sich dafür entscheiden, müssen sie alle Produkte aus ihrem Sortiment in den nächsten 2 Jahren kennzeichnen.

Warum brauchen wir den Nutri Score?

  • In Deutschland zählen 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig.

  • Der Nutri-Score ist im Supermarkt eine schnelle Entscheidungshilfe und kann so zu einer gesünderen Ernährung beitragen.

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Vorteile des Nutri-Score

  • Er bietet Verbrauchern einen schnellen Überblick.

  • Für Lebensmittel-Hersteller ist er ein Anreiz, gesündere Produkte zu entwickeln.

  • Studien zum Einkaufs-Verhalten beweisen, dass der Nutri-Score einen Einfluss auf die Auswahl der Produkte und damit die Gesundheit hat.

Nachteile des Nutri-Score

  • Zusatzstoffe wie Süßungs- und Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker oder Aromen sind nicht im Nutri-Score erfasst. Studiere am besten die **Zutatenliste.

  • Hersteller könnten den Nutri-Score manipulieren, indem sie negativ bewertete Inhaltsstoffe durch andere Zusatzstoffe ersetzen.

  • Bisher basiert das System auf Freiwilligkeit. Foodwatch fordert eine Kennzeichnungs-Pflicht. Erst im 4. Quartal 2022 will die EU-Kommision die Pflicht für ein europäisches Nährwert-Logo vorschlagen.

  • Die Nachhaltigkeit ist nicht erfasst. Hier helfen dir Siegel weiter.

Kein Nutri-Score auf dem Produkt?

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, diese Richtwerte bei den Nährwerten zu beachten.

Apps zum Nutri Score

Mit diesen Apps kannst du den Barcode scannen - und sie zeigen dir den Nutri-Score an.

NutriCard: Eine App der Universitäten Halle, Jena und Leipzig. Übersichtlich und einfach.

Open Food Facts: Diese App zeigt nicht nur den Nutri Score an, sondern auch die Nova-Klassifikation. Sie gibt an, wie stark ein Lebensmittel verarbeitet wurde. Im Apple-Store und bei Google Play verfügbar.

Veröffentlicht: 01.11.2020 / Autor: Bianca Leppert