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Gruppe Menschen isst gemeinsam.

Versteckter Rassismus: Warum wir Soul-Food nicht mehr sagen sollten

Mit Soul-Food verbinden wir Gerichte, die unsere Zunge und unsere Seele verwöhnen. Doch tatsächlich fördert dieser Begriff Alltags-Rassismus. Das bessere Wort: Comfort-Food. Im Clip: Die Selbsthilfegruppe der "Anonymen Rassisten".
Versteckter Rassismus: Warum wir Soul-Food nicht mehr sagen sollten
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Das Wichtigste zum Thema Soul-Food

  • Unter Soul-Food wird häufig Seelenkost verstanden, also Gerichte, die der Seele gut tun.

  • Dabei handelt es sich oft um deftige Fleischgerichte, herzhafte Pasta-Mahlzeiten und süße Desserts, mit denen wir Schlemmerei und Wohlgefühl verbinden.

  • Es gibt zahllose Bücher, Zeitschriften, Artikel und Rezepte, die diesen Begriff als Titel oder Kategorisierung verwenden.

  • Tatsächlich hat der Name Soul-Food ursprünglich jedoch nichts mit kulinarischem Hochgenuss zu tun, sondern entstand durch den Rassismus in den Südstaaten der USA.

  • Was genau hinter Soul-Food steckt und warum Comfort-Food der politisch korrektere Begriff ist, erfährst du hier.

So entstand Soul-Food

Die Sklaverei in den Südstaaten der Vereinigten Staaten war geprägt durch Armut und Ausbeutung vieler Afroamerikaner. Auch lange nach dem Ende der Apartheid mussten sie sich aufgrund ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage häufig von billigen oder ungesunden Lebensmitteln ernähren. Etliche Restaurants verweigerten ihnen weiterhin den Zutritt.

Oft verwendeten sie Fleischteile oder Schlachtreste, die in der amerikanischen Küche unbeliebt waren und nicht verwendet wurden. Dazu zählten: Innereien oder Hühnerflügel und Schweinerippen. Oder sie jagten Wildtiere wie Eichhörnchen, Kaninchen und Rotwild.

Um trotz der schweren körperlichen Arbeit bei Kräften zu bleiben, waren die Gerichte überwiegend fettig und hochkalorisch. Wichtig waren auch Beilagen wie Mais, Reis, Kartoffeln und Süßkartoffeln, weil sie günstig waren und viele Menschen sattmachten.

Auch ethnische Zubereitungen, wie das Schmoren oder Frittieren, beeinflussten das traditionellen Soul-Food stark. Ebenso intensive Gewürze, teils um die ursprünglich minderwertigen Zutaten schmackhaft zuzubereiten.

Der Begriff Soul-Food leitet sich wahrscheinlich von Soul-Musik ab und kategorisierte ab einem Zeitpunkt diese Art der Rezepte.

Erst in den 60er-Jahren im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung verstärkte sich auch ein kulinarisches Selbstbewusstsein bei den Afroamerikanern. Sie präsentierten ihre allgemein beliebt gewordenen Gerichte mit Stolz statt mit Scham und eröffneten die ersten Soul-Food-Restaurants.

Das sind typische traditionelle Soul-Food-Gerichte

  • 🐓

    Chicken Wings & Hähnchenkeulen

  • 🐖
  • 🐂

    Ochsenschwanzsuppe

  • 🌽

    Maisbrot

  • 🍲

    Eintöpfe mit Süßkartoffeln, Mais, Bohnen oder Reis

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Diese Rezepte werden heute oft mit Soul-Food verbunden

Wer heute den Begriff Soul-Food eingibt, findet im deutschsprachigen Raum eher gesunde Gerichte. Sie wollen oft einen Mehrwert liefern, etwa diese:

  • Mehr Wohlgefühl und weniger Verdauungsprobleme durch leicht verdauliche Kohlenhydrate, wie Kartoffeln, Nudeln und Reis.
  • Mehr körperliche und geistige Gesundheit durch Vitamin-D-haltige Lebensmittel, also in erster Linie fettigen Seefisch wie Makrele, Lachs und Hering.
  • Mehr Glücksgefühle und weniger Stimmungstiefs durch tryptophanreiche Lebensmittel, wie Käse, Nüsse und Pilze. Sie werden im Körper zum Gute-Laune-Botenstoff Serotonin umgebaut.
  • Mehr gute Laune durch geschmacksintensive Speisen, die oft mit einem Schmelzgefühl im Mund verbunden sind.

Darum ist Comfort-Food der richtigere Begriff

Wollen wir unsere Seele mal mit einer richtigen Schlemmerei verwöhnen, zum Beispiel mit einer XXL-Portion Mac and Cheese oder einem sündhaften Dalgona Coffee, sollten wir von Comfort-Food sprechen. Drei Gründe dafür:

  1. Soul-Food ist traditionell kein kulinarisches Wellness-Programm für die Seele, sondern entstand aus Not und Mangel.
  2. Diese Verquickung von zwei sehr unterschiedlichen Ansätzen sehen mittlerweile viele Menschen als kritisch oder interpretieren diese sogar als versteckten Rassismus. Vergleichbar mit der Diskussion über Begrifflichkeiten wie Zigeunerschnitzel oder dem längst fälligen Rebranding vom Uncle Ben's Reis.
  3. Comfort-Food hat dagegen keinen historischen Hintergrund und ist gleichzusetzen mit dem Lieblingsgericht. Oder einem Gericht, das im Notfall als Seelentröster funktioniert
Veröffentlicht: 07.11.2021 / Autorin: Stephanie Arndt