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Zitronen schmecken plötzlich süß? Das könnte an der Wunderbeere liegen

Die Wunderbeere trägt ihren Namen zurecht. Denn sie kann zum Beispiel den sauren Geschmack einer Zitrone oder superscharfes Tabasco süßlich schmecken lassen. Was dahinter steckt.

Das Wichtigste zum Thema Wunderbeeren

  • Die Wunderbeere ist in etwa so groß wie eine Kirsche und stammt ursprünglich aus West-Afrika. Sie ist auch unter dem Namen "Miracle Fruit" oder "Miracle Berry" bekannt.

  • Ihre einmalige Wirkung: Das in der Beere enthaltene Protein Miraculin hat die Eigenschaft, saure Speisen süß schmecken zu lassen. Zum Beispiel eine Zitrone wie eine Orange oder einen trockenen Wein wie Traubensaft.

  • Die verrückte Wirkung ist ungefähr eine Stunde lang spürbar. Sie entfaltet sich aber nur in Verbindung mit Saurem, nicht bei neutralem Geschmack.

  • Eine Theorie zur Wirkung: Das geschmacklose Miraculin könnte die Struktur der Geschmacksknospen der Zunge beeinflussen.

  • Entdeckt wurde die Wunderbeere vermutlich von europäischen Abenteurern um das Jahr 1725 herum.

Warum ist die Wunderbeere nicht als Lebensmittel erlaubt?

In Deutschland hat die Wunderbeere (Synsepalum dulcificum) keine Zulassung als Lebensmittel. In Japan ist sie hingegen als Süßungsmittel erlaubt. Woran liegt das?

Die Wunderbeere ist nicht gefährlich. Aber es gibt Vermutungen, dass die Zulassung durch Lobby-Arbeit der Zucker- und Süßstoff-Hersteller verhindert wird - aus Sorge vor neuen Konkurrenz-Produkten. Denn die leicht verderbliche Frucht wird gefriergetrocknet auch in Tablettenform angeboten.

Das immergrüne Wunderbeer-Bäumchen wird übrigens bis zu 1,5 Meter hoch und kann als Zimmerpflanze gehalten werden. Selbst-Ernter brauchen aber Geduld: Die ersten Früchte gibt's frühestens nach 3 Jahren.

Welche Geschmacksrichtungen gibt es überhaupt?

  • 🍩

    Süß

  • 🍟

    Salzig

  • 🍋

    Sauer

  • 🥦

    Bitter

  • 🥩

    Umami

So sieht die Wunderbeere aus

So wächst die kleine Beere, die unsere Geschmacksnerven auf den Kopf stellt.

Wie kann die Wunderbeere in der Medizin helfen?

Es gibt bereits Tests mit Miraculin an Chemotherapie-Patienten. Das Miraculin soll hier helfen, den Geschmack zu verbessern, weil die Chemo-Therapie den oft verzerrt.

Und bei Diabetikern wurde mit dem Protein schon als Ersatz für Süßstoff experimentiert.

Was sind Flavour Tripping Partys?

Sie wurden unter anderem durch einen Bericht der New York Times im Jahr 2008 bekannt. Hier treffen sich Menschen, um die Wunderbeere zu essen. Danach auf dem Speiseplan: viele verschiedene Snacks.

Abenteuerliche Geschmackserlebnisse sind da garantiert - und das auf ganz legale Weise. Ein krasses Beispiel: Wenn Tabasco plötzlich nicht mehr im Hals brennt, sondern nach dem Verzehr der Wunderbeere süß schmeckt.

Noch Appetit auf einen Quiz-Happen? Wie gut kennst du dich mit Geschmäckern aus?

Veröffentlicht: 11.09.2020 / Autor: Bianca Leppert