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Alles Bio? Wo die Herkunft besonders wichtig ist - und wo nicht

Stell dir vor, du gehst in den Supermarkt - und alle Produkte sind Bio. Was heißt das für uns und den Planeten? Im Clip wagen wir ein Gedanken-Experiment. Außerdem: Welche Produkte besonders belastet sind und wo das Bio-Siegel nicht ganz so wichtig ist.

Tests zeigen: je lokaler, desto weniger belastet

Das BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) testet regelmäßig die Produkte in deutschen Supermärkten: Wie stark sind sie durch Pestizide belastet?

Die Ergebnisse zeigen: Produkte aus Nicht-EU-Ländern weisen die größte Belastung auf. Testsieger Deutschland: Regionales Obst und Gemüse schneidet am besten ab - die Grenzwerte für zugelassene Pestizide wurde in nur 1,3 Prozent der Fälle überschritten.

Das liegt auch daran, dass diese Lebensmittel im Vergleich zu anderen kürzere Transportwege zurücklegen - und deshalb nicht künstlich länger haltbar gemacht werden müssen.

Aber auch bei deutschen Produkten solltest du auf die Herkunft achten - denn manche sind trotzdem belastet. Welche das sind, liest du unten.

Könntest du dir vorstellen, nur noch Bio-Lebensmittel zu essen?

Achtung, Pestizid-Gefahr! Hier solltest du lieber Bio kaufen

  • 🍊

    Mandarinen: Über 70 Prozent der getesteten Zitrusfrüchte enthielten Rückstände. Auch bei Orangen solltest du zu Bio greifen - hier sind über 60 Prozent belastet. Bei Zitronen sind es 45,3 Prozent.

  • 😮

    Grapefruit, Pomelo, Sweetie: 69,8 Prozent dieser Früchte waren belastet.

  • 🥗

    Rucola: Auch hier solltest du lieber Bio kaufen - 66,7 Prozent enthielten Pestizide.

  • ☝️

    Johannisbeeren: Auch die sind stark belastet - 62,9 Prozent der getesteten Beeren enthielten Rückstände.

  • 🍇

    Trauben: Saftig, süß - doch leider oft belastet. 58,8 Prozent der getesteten Reben waren mehrfachbelastet - mit 17 verschiedenen Pestiziden.

  • 🌶

    Paprika: Bei diesem Gemüse waren 44,4 Prozent belastet. Außerdem sind sie Spitzenreiter in der Menge verschiedener Pestizide: Das BVL fand 19 auf nur einer Paprika. Die Höchstwerte werden bei Paprikas besonders oft überschritten.

Die gute Nachricht: diese Produkte sind weitgehend unbelastet

Viele heimische Produkte sind kaum bis gar nicht belastet - zum Beispiel:

  • Karotten
  • Kartoffeln
  • Süßkartoffeln
  • Äpfel
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Rote Beete

Bei diesen Produkten empfiehlt sich eine regionale Herkunft - sie haben aber auch ohne Bio-Siegel eine geringe Belastung durch Schadstoffe.

Die Pestizid-Belastung geht laut BVL kontinuierlich zurück - und ein umstrittenes Insektizid wurde verboten

Auch, wenn sich die obigen Zahlen dramatisch anhören - laut BVL werden die Kontrollen immer strenger und die Belastung durch Pestizide immer geringer. Die Rückstände seien außerdem so gering, dass sie kein akutes Gesundheitsrisiko darstellen.

Kritiker warnen jedoch immer wieder, dass viele Pestizide noch nicht ausreichend in Langzeit-Studien erforscht sind - und man viele Risiken noch gar nicht abschätzen könne.

Immerhin: 2020 wurde das stark kritisierte Insektizid "Chlorpyrifos" in Deutschland verboten. Das seit den 1960er Jahren genutzte Pestizid stand im Verdacht, vor allem bei Kindern die Gehirnentwicklung zu schädigen.

Fazit: Keine Panik - doch wer potenzielle Gesundheitsrisiken senken und der Umwelt etwas Gutes tun möchte, sollte zu Bio-Produkten greifen.

Das große Krabbeln der modernen Landwirtschaft - wieso Pestizide, wenn man Nützlinge hat?

Immer mehr Pestizide werden verboten oder geraten in Verruf - die Landwirte brauchen Alternativen in Form von biologischem Pflanzenschutz - und der hat 6 Beine.

Veröffentlicht: 13.07.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau

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