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Rind liegt im Stall.

BSE: Was wurde aus der gefährlichen Krankheit Rinderwahnsinn?

Auch Anfang der 90er-Jahre sorgte eine Seuche für Angst und Schrecken. Ihr Name: BSE. Was hinter der Krankheit steckte und warum Profitgier bei der Entstehung des Rinderwahnsinns eine große Rolle spielte. Im Clip: Wie hoch ist die BSE-Gefahr heute?
BSE: Was wurde aus der gefährlichen Krankheit Rinderwahnsinn?
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Das Wichtigste zum Thema BSE

  • BSE wurde in Deutschland unter der Bezeichnung Rinderwahnsinn bekannt.

  • Die Abkürzung BSE steht für Bovine Spongiforme Enzephalopathie.

  • Die Tierseuche verursachte bei Rindern eine schwammartige Veränderung des Gehirngewebes.

  • BSE ist auch auf den Menschen übertragbar und führt bei ihm ebenfalls zu einer unheilbaren Gehirnerkrankung, namens "neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung", kurz: nvCJD.

  • BSE und nvCJD verlaufen bei Tier und Mensch immer tödlich.

  • Welche Auslöser zur Entstehung der Tierseuche beitrugen und ob es BSE nach wie vor gibt, erfährst du hier.

Was ist BSE und woher kam die Tierseuche?

  • 🧠

    Die Bovine Spongiforme Enzephalopathie, kurz BSE, führte bei Rindern zu einer Zerstörung der Gehirnsubstanz und des Nervensystems. Die Tiere wurden ängstlich oder aggressiv und konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten. Im Endstadium sah das Hirn wie ein löchriger Schwamm aus.

  • 👉

    Im Gegensatz zu anderen Seuchen wurde BSE nicht durch Viren oder Bakterien verursacht, sondern durch fehlgeformte Eiweiße (Prionen), die zur Zersetzung des Hirns führten.

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    Der erste größere Ausbruch gab es 1985 in Großbritannien.

  • 🐂

    Damals wurde bei über 180.000 Rindern BSE diagnostiziert. Alle Tiere wurden getötet und unter strengen Sicherheitsmaßnahmen entsorgt. Expert:innen vermuten aber, dass tatsächlich bis zu drei Millionen Tiere betroffen gewesen sein könnten.

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    Auch in Deutschland erkrankten rund 400 Tiere an BSE. Im November 2000 wurde das erste Rind mit BSE geboren.

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    Heute treten BSE-Fälle nur noch sehr selten auf.

Was hat BSE verursacht und welche Rolle spielte Profitgier bei der Entstehung?

Der erste große und dokumentierte BSE-Ausbruch fand 1985 in Großbritannien statt. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass zwei Dinge BSE verursacht und die Verbreitung begünstigt haben:

  1. Die Verfütterung von Tiermehl
    Nach wie vor werden Schlachtabfälle, tote Nutztiere und verendete Wildtiere in Tierkörper-Beseitigungsanlagen zu Tiermehl verarbeitet. Bis zum BSE-Skandal wurde dieses auch unter Tierfutter von Wiederkäuern gemengt und als wertvolle Eiweißquelle deklariert. Das ist heute verboten.

    Dennoch landet Tiermehl nach wie vor in Tierfutter, zum Beispiel für Nutz- und Haustiere wie Hühner, Schweine und Hunde. Bestimmte Teile der toten Tiere (Schädel, Hirn, Augen, die Mandeln, Teile des Darms und das Rückenmark) dürfen nicht mehr zu Tiermehl verarbeitet werden. Tierschützer:innen sehen Tiermehl grundsätzlich kritisch. Erst recht für Tiere, die sich eigentlich von Natur aus fleischlos ernähren.

  2. Das herabsetzen der Verbrennungstemperatur des Tiermehls
    In den 70er-Jahren wurde Tierkörper-Beseitigungsanlagen erlaubt, die Temperatur für die Verbrennung von Tierkadavern zu senken. Durch die eingesparten Heizkosten sollte unter anderem der Profit der Anlagen gesteigert werden. Doch die Temperaturen reichten offenbar nicht aus, um die gefährlichen Prionen abzutöten, die über das Tiermehl an die Rinder übertragen wurden. Durch den Konsum von kontaminiertem Rindfleisch gingen diese dann auf Menschen über und versuchten die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Was ist die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit?

Springen Krankheiten wie Corona von Tieren auf Menschen über sprechen wir von Zoonosen.

Auch bei BSE handelt es sich um eine Zoonose, die in der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD) vereinzelt auf Menschen überging. Bisher erkrankten weltweit 200 Menschen an der seltenen neurodegenerativen Erkrankung, 172 davon in Großbritannien. Expert:innen befürchten jedoch, dass dort eine:r von 1.000 Bewohner:innen betroffen ist, ohne es zu wissen. Denn zwischen Infektion und Ausbruch von nvCJD können Jahrzehnte liegen.

Das steckt hinter der Krankheit und so sehen die Symptome aus:

Anfang der 1920er-Jahre entdeckten die Nervenärzte Hans Gerhard Creutzfeldt und Alfons Marie Jakob bei einer junge Frau eine seltsame Erkrankung. Die Patientin litt unter starken Sprachstörungen, Muskelzuckungen und Verwirrtheit. Ihre Beschwerden verschlimmerten sich rapide und kurz darauf starb sie.

BSE löst ähnliche Symptome aus, daher spricht man bei einer Erkrankung von der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD). Die übertragenen fehlgeformten Proteine (Prionen) führen bei Betroffenen zu einem Zerfall des Gehirns. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und das Risiko steigt mit dem Alter.

nvCJD ist nicht heilbar oder behandelbar und endet immer tödlich.

Andere bekannte Zoonosen sind:

Wie es mit BSE weiterging

Der BSE-Skandal führte in vielen Ländern zu einer Rindfleisch-Krise. Verbraucher:innen hatte Angst, dies noch zu verzehren. Viele verzichteten sogar auf Milch.

Um die Ausbreitung von BSE zu stoppen, wurde das Verfüttern von Tiermehl an Wiederkäuern und Nutztieren lange europaweit verboten.

Zudem dürfen bis heute als spezifiziertes Risikomaterial eingestufte Tierteile (Schädel, Hirn, Augen, Rückenmark sowie Teile es Darms) nicht mehr zu Tiermehl verarbeitet werden.

Seit 2016 gilt BSE in Deutschland als vernachlässigbares Risiko. Auch ein BSE-Test wird nicht mehr durchgeführt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu BSE

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    Was ist BSE?

    Bei der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE), so der medizinische Fachausdruck, handelt es sich um eine seltene, degenerative Erkrankung bei Rindern. Durch kontaminiertes Tiermehl wurden fehlgeformte Proteine, so genannte Prionen, auf die Tiere übertragen und zerstörten ihre Gehirne und das Nervensystem.

  • ⁉️

    Welche Symptome hat BSE?

    Die Rinder wurden lichtempfindlich und wesensverändert. Also aggressiv oder ängstlich. Mit fortschreitender Krankheit konnten sie sich nicht mehr auf den Beinen halten, torkelten und brachen zusammen. BSE ist nicht heilbar und endet immer tödlich.

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    Gibt es BSE noch heute?

    BSE tritt heute nur noch extrem selten auf. Seit 1991 ist schon der Verdacht beim zuständigen Veterinär-Amt anzeigepflichtig.

  • ⁉️

    Warum war BSE auch für Menschen gefährlich?

    Offenbar löste der Verzehr von betroffenem Rindfleisch bei einigen Menschen eine spezielle Form der neurologischen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aus. Daher wurde diese Form als neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit genannt, kurz: nvCJD. Die Symptome sind bei Mensch und Tier ähnlich. Die Krankheit endet immer tödlich.

  • ⁉️

    Was hat BSE verursacht?

    Verursacht wurde BSE durch das Verfüttern von nicht ausreichend erhitztem Tiermehl an Rinder. Die enthaltenen Prionen gingen vom Tiermehl auf die lebenden Tiere über.

  • ⁉️

    Wie wurde BSE eingedämmt?

    Nach dem BSE-Skandal durfte kein Tiermehl mehr an Wiederkäuer verfüttert werden. Zudem durften bestimmte Tierteile, wie das Gehirn nicht mehr zu Tiermehl verarbeitet werden. Seitdem erkranken kaum noch Tiere an BSE. Allerdings gehen Expert:innen davon aus, dass wahrscheinlich einer von 2.000 Brit:innen an der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung leidet - ohne es zu wissen. Denn zwischen Übertragung und Ausbruch können Jahrzehnte liegen.

Veröffentlicht: 03.06.2022 / Autorin: Stephanie Arndt