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Die Geschichte der Medizin - als Röntgen noch ein Partyspiel war

Die Medizin hat gewaltige Fortschritte gemacht. Aber wie wurde eigentlich früher behandelt? Und wie sahen die Anfänge der Medizin aus? Hier steht's.

Das Wichtigste zum Thema Geschichte der Medizin

  • Der Eid des Hippokrates, den Mediziner noch heute schwören, stammt aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Darin heißt es unter anderem, dass der Arzt ausschließlich "zum Wohle des Patienten" handeln soll.

  • Die Diagnose- und Behandlungs-Methoden der Medizin änderten sich zwischen Antike und Mittelalter kaum, der Aberglaube spielte in der Volksmedizin eine große Rolle.

  • Im Mittelalter stellte der gelehrte Medicus die Diagnose, der Bader war als Handwerker zuständig für die Behandlung, zog auch Zähne oder amputierte Gliedmaßen. Auch heilkundige Kräuterfrauen gab es, bei Geburten halfen schon damals Hebammen.

  • Schon im alten Babylon sezierte man Leichen. Vorreiter der Anatomie der Neuzeit wurden die italienischen Universitäten von Padua und Bologna, wo ab etwa 1300 n. Chr. Leichen aufgeschnitten wurden.

  • Die moderne Medizin entstand im 19. Jahrhundert, als naturwissenschaftliche Methoden Einzug hielten. Unter dem Mikroskop konnte man erstmals krankhafte Veränderungen im Körper und Krankheitserreger sichtbar machen.

History now: Die Geschichte der Medizin

History now: Medizin

History now: Die Geschichte der Medizin

In den letzten Jahrhunderten hat die Medizin gewaltige Fortschritte gemacht. Aber wie entstand eigentlich das Berufsfeld des Arztes? Wie sahen die Diagnosearten und Behandlungen damals aus? Galileo-Reporter Jan Schwiderek begibt sich auf eine spannende Zeitreise.

Narkose, Röntgen & Co.: Meilensteine der modernen Medizin

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    Röntgen: Der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen experimentierte 1895 mit Kathodenstrahlen, als er das erste Röntgenbild der Welt machte - von seiner Hand.

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    Vollnarkose: 2 Zahnärzte in den USA gelten als Begründer der modernen Narkose. Horace Wells machte seine Patienten 1844 mit Lachgas schmerzfrei, William Thomas Green Morton benutzte 1846 Ätherdämpfe. Damit wurden längere, kompliziertere Operationen möglich.

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    Hygiene: Der ungarische Chirurg Ignaz Semmelweis war im 19. Jahrhundert einer der ersten Verfechter des Händewaschens im Krankenhaus. Semmelweis führte zum Beispiel die vielen Fälle von Kindbettfieber im Krankenhaus auf mangelnde Hygiene zurück.

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    Keime: Mediziner Robert Koch kultivierte 1876 den Milzbrand-Erreger und 1882 den Tuberkulose-Erreger und zeigte dadurch, dass es tatsächlich Bakterien sind, die Infektionen auslösen. In Frankreich bekämpfte der Chemiker Louis Pasteur krankheitserregende Keime.

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    Herztransplantation: Am 3. Dezember 1967 setzte der Chirurg Christiaan Barnard in Kapstadt erstmals einem Patienten ein menschliches Spenderherz ein. Auch wenn der Patient knapp 3 Wochen später starb: ein Wendepunkt in der Herzchirurgie.

Autsch! Sei froh, dass du nicht mehr so behandelt wirst...

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    Aderlass: Von der Antike bis ins 19. Jahrhundert das Mittel der Wahl bei allen möglichen Krankheiten. Weil man glaubte, dass diese durch aus der Balance geratene "Säfte" im Körper verursacht wurden, wollte man die giftigen Stoffe ausleiten, indem man dem Patienten Blut abzapfte.

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    Schröpfen: Auch eine der ältesten Behandlungsmethoden. Sollte ähnlich wie der Aderlass die Säfte reinigen. Dafür ritzte der Bader eine Hautstelle an und setzte ein Schröpfglas (früher auch Kuhhörner) auf, um mittels Unterdruck Blut auszusaugen.

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    Bier gegen Zahnschmerzen: Der "Zahnwurm" galt lange als Ursache für Karies. Dagegen mischte man zum Beispiel eine Tinktur aus Emmer-Mischbier, Malz und Sesamöl und trug sie auf den Zahn auf. Auch Tabak oder Räucherungen sollten helfen.

  • Amputation ohne Narkose: Nichts für schwache Nerven! Vor der Erfindung der Vollnarkose kamen betäubende Extrakte aus der Kräuterküche zum Einsatz. Das endete für viele Patienten tödlich. Oder du musstest reichlich Alkohol trinken und bekamst ein Stück Holz zwischen die Zähne, auf das du vor Schmerzen beißt. Ärzte waren froh, wenn die Patienten in Ohnmacht fielen, weil sie dann nicht mehr zappelten.

  • Äther als Narkosemittel: Äthergas war zwar eine große Verbesserung gegenüber Operationen ohne Narkose, hatte aber starke Nebenwirkungen: Die Patienten mussten sich heftig übergeben. Seit den 1980er-Jahren wird es nicht mehr eingesetzt. Heute mischen Anästhesisten Schlaf- und Schmerzmittel und können die Patienten jederzeit schnell wieder aufwecken.

Gefährlicher Partygag: Wo früher überall geröntgt wurde

© picture-alliance / Imagno

 

Röntgen-Geräte standen früher nicht nur in Arzt-Praxen. So war es in den 20er-Jahren ein beliebter Party-Gag, sich durchleuchten zu lassen. Das Bild um 1930 zeigt Filmstar Judith Allen mit dem Röntgenbild ihres Rückens.

Auch in Schuhgeschäften standen spezielle Röntgengeräte, sogenannte Pedoskope, um den Sitz der Schuhe zu überprüfen. Vor allem Kinderfüße wurden damals der Strahlung ausgesetzt, obwohl Studien bereits 1949 zeigten, dass die Strahlung Krebs auslösen kann.

Erst in den 70er-Jahren verschwanden die Pedoskope aus den deutschen Schuhgeschäften. Deren Strahlenbelastung war um ein 20-faches höher als die, die heute bei einer Thorax-Aufnahme eingesetzt wird.

Die ersten Ärztinnen: Als "Frau Doktor" nicht mehr nur die Frau vom Doktor war

Um Arzt oder Ärztin zu werden, musst du studieren, klar. Aber das war Frauen früher verboten. Eine Ausnahmegenehmigung erhielt Dorothea Erxleben, die 1754 die erste deutsche "Frau Doktor" wurde.

Schweizer Universitäten gehörten zu den ersten, die Frauen ab den 1860er-Jahren zum Studium zuließen. In Zürich schloss die Russin Nadeshda Suslova als erste Frau 1867 ihr Medizinstudium ab und promovierte noch im selben Jahr.

Auch deutsche Medizinerinnen studierten zunächst im Ausland. 2 Absolventinnen von Schweizer Universitäten, Emilie Lehmus und Franziska Tiburtius, wurden die ersten Ärztinnen, die sich 1876/77 in Berlin niederließen.

1896 bekamen Frauen erstmals als Gasthörerinnen Zugang zu den preußischen Universitäten. Hope Bridges Adams Lehmann war 1880 die erste Frau, die ihr Medizinstudium in Deutschland mit einem Staatsexamen abschloss - was ihr jedoch nicht anerkannt wurde.

Erst 1901 legte Ida Democh in Halle als erste Frau das medizinische Staatsexamen in Deutschland ab. 1918 habilitierte sich Adele Hartmann in München für das Fachgebiet Anatomie, das heißt sie durfte damit erstmals auch unterrichten.

Veröffentlicht: 01.06.2020 / Autor: Ischta Lehmann

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