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Dreckschleuder Bargeld? Wie schmutzig Geldscheine und Münzen wirklich sind

Es haften ganz schön viele Bakterien und Viren an Geldscheinen und Münzen. Doch ist Bargeld deswegen auch gefährlich - und Kartenzahlung immer die bessere Lösung?

Das Wichtigste zum Thema Schmutziges Bargeld

  • Bis zu 3.000 Bakterien, Viren und sogar Koks können auf einem Geldschein zu finden sein. Das ergab eine Untersuchung von New Yorker Forschern, die für das "Dirty Money Project" weltweit Scheine untersuchten.

  • Der australische Dollar ist demnach der sauberste, der chinesische Yuan der dreckigste Schein der Welt, so ein internationaler Vergleich aus dem Jahr 2010.

  • Nehmen wir Scheine und Münzen nicht gerade in den Mund, sollten wir durch die Bargeld-Benutzung auch nicht krank werden. Das gilt auch aktuell während der Corona-Pandemie.

  • Wenn ein Geldschein schon sehr abgenutzt ist und daher die Sicherheitsmerkmale nicht mehr sichtbar sind, wird er von der Europäischen Zentralbank oder einer regionalen Zentralbank eingezogen.

  • Bei 5- und 10-Euro-Scheinen dauert es durchschnittlich 6 Monate, bis sie aus dem Verkehr gezogen werden. 200- und 500-Euro-Scheine halten dagegen rund 5 Jahre.

Igitt! Was so alles an Geldscheinen haftet

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    Bakterien und Viren: Fäkalbakterien, Salmonellen, aber auch Erreger für eine Euter-Entzündung bei Kühen fanden Wissenschaftler des Essener Uni-Klinikums auf 5-Euro-Scheinen. Allerdings in einer für Menschen ungefährlichen Anzahl.

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    Grippe-Keime: Influenza-Viren können laut Studien sogar 17 Tage auf Bargeld überleben.

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    DNA-Spuren: Beim "Dirty Money Project" entdeckten die Forscher 1,2 Milliarden DNA-Segmente auf Scheinen: von Menschen, Hunden, Katzen, Pferden - und sogar einem Breitmaulnashorn.

  • Drogen: In einer Studie fanden Nürnberger Wissenschaftler auf 90 Prozent der untersuchten Geldscheine Spuren von Kokain. Was nicht heißt, dass mit allen gekokst wurde - viele sind vermutlich einfach kontaminiert, weil sie in der selben Geldbörse waren wie ein "Drogen-Schein".

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    Harmlos: Wenn Spuren auf Geldscheinen nachgewiesen werden, dann immer unter sehr günstigen Laborbedingungen.

  • 🤧

    "Um ernsthaft krank zu werden, müssten lebensfähige Bakterien, Sporen, Pilze oder Viren vom Geldschein in einer zur Infektion ausreichenden Mindestmenge in den Körper gelangen", sagt Frank Mosel vom Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Essen. Warum das unwahrscheinlich ist, erfährst du unten im Interview.

Corona-Quarantäne für Bargeld


Geld wird desinfiziert.
© picture alliance/ZUMA Press

 

In China und Südkorea müssen jetzt auch Geldscheine in Quarantäne. Weil daran Corona-Keime haften könnten, werden sie mit Ultraviolettstrahlung desinfiziert und für 14 Tage vom Markt genommen.

Ähnliche Maßnahmen sind in Deutschland bislang nicht geplant. Denn: Laut Experten und auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bislang keinen Beweis, dass Corona durch Bargeld übertragen werden kann.

3 Fragen an Dr. Frank Mosel, Institut für Medizinische Mikrobiologie Universitätsklinikum Essen

  • Kann ich von Bargeld wirklich krank werden?

  • 💬

    Ein Infektionsrisiko durch ordnungsgemäßen Umgang mit Geld kann man nicht ermessen. Es ist bis heute in keinem einzigen Fall der Nachweis gelungen, dass sich ein Mensch über diesen Mechanismus infiziert hätte. Panikmache ist unangebracht. Der überwältigend häufigere Infektionsweg für Atemwegserkrankungen ist der über ausgehustete oder ausgeatmete kleinste Tröpfchen in der Luft.

  • Bargeld ist also nicht "bedrohlicher" als andere Oberflächen?

  • 💬

    Genau. Man kann praktisch nicht einkaufen, ohne irgendetwas im Laden zu berühren, und Keime können prinzipiell auf jeder Oberfläche sein – Einkaufswagen-Griff, Körbchen-Griff, von Anderen zuvor angefasste Ware ...

  • Worauf sollte ich beim Einkaufen achten?

  • 💬

    Dass man Geld nicht ablecken soll, ist ja klar. Und dass Geld und Lebensmittel getrennt werden sollten, auch. Denn wenn man Bakterien vom Geld zum Beispiel auf Hackfleisch überträgt, finden sie dort gute Vermehrungsbedingungen vor. Die Befolgung der Grundlagen der Hygiene helfen auch hier. Und wer sich nach Kontakt mit Geld die Hände wäscht, verhält sich ebenfalls korrekt.

Ist bargeldloses Zahlen sicherer?

Ja - wenn du komplett kontaktlos bezahlst, sei es mit der EC-Karte oder dem Smartphone.

Sobald du aber das Terminal berührst, um deine Geheimzahl einzutippen, ist die Kartenzahlung wieder genauso sicher oder unsicher wie das Bezahlen mit Scheinen und Münzen - weil zig andere diese Fläche auch berührt haben.


Siehst du dieses Zeichen, kannst du kontaktlos bezahlen.
© picture alliance / dpa Themendienst

Veröffentlicht: 31.03.2020 / Autor: Ischta Lehmann

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