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Ein Apfel, viele Beschwerden: Daran könnte es liegen

Bauchschmerzen und Durchfall nach einem Apfel? Bis zu 20 Millionen Deutschen vertragen keinen Fruchtzucker. Was hinter der Unverträglichkeit steckt und was Betroffene noch essen dürfen.

Das Wichtigste zum Thema Fruktoseintoleranz

  • 15 bis 25 Prozent der Deutschen leiden unter einer Fruktoseintoleranz. Sie vertragen Obst, aber auch Honig und Zucker schlecht.

  • Bei ihnen gelangen aufgrund defekter Transporter nur begrenzte Mengen Fruktose (Fruchtzucker) vom Dünndarm ins Blut. Stattdessen gelangt die Fruktose fälschlicherweise in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetz.

  • Dabei entstehen Abfallstoffe wie kurzkettige Fettsäuren, die dafür sorgen, dass mehr Flüssigkeit in den Darm fließt. Die Folge: Durchfall.

  • Zudem bildet sich Kohlenstoffdioxid, Methan und Wasserstoff. Das verursacht Blähungen und Bauchweh. Bei hohem Methangehalt kommt es zu Verstopfung, da es den Darm träge macht.

  • Die Diagnose stellt der Arzt mithilfe eines Atemtests.

Was läuft bei den Betroffenen im Darm schief?

25 bis 50 Gramm Fruktose auf einmal bereiten normalerweise keine Probleme. Die Fruktose wird im Dünndarm über Transporterproteine - vornehmlich vom Glukosetransporter GLUT5 - ins Blut geschleust. Sie dient den Zellen im ganzen Körper zur Energiegewinnung.

Isst man sehr viel Fruktose, bekommen auch "Gesunde" Verdauungsprobleme, da die Transporter mit ihrer Arbeit nicht nachkommen.

Bei Menschen mit Fruktoseintoleranz ist dies schon bei kleinen Mengen Fruktose der Fall. Ihre GLUT5 funktionieren nicht richtig.

Pusten, Pusten, Pusten

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    Mithilfe eines H2-Atemtest (Wasserstoffatemtest) kann der Arzt eine Fruktoseintoleranz diagnostizieren.

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    Hierbei trinkt der Patient auf nüchternen Magen eine Lösung mit 20 bis 50 Gramm Fruktose. Danach muss er in ein Gerät pusten. Nimmt dadurch der H2-Wert in den nächsten 2 Stunden im Atem zu, hat er eine Intoleranz.

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    So funktioniert's: Wenn die Dickdarmbakterien Fruktose zersetzen, bildet sich Wasserstoff. Dieser wandert ins Blut, von dort in die Lunge und so in den Atem.

Und was darf ich jetzt nicht mehr essen?

Ich vertrage keine Fruktose - und jetzt?

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    Das Wichtigste bei einer Fruktoseintoleranz ist eine Ernährungsumstellung.

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    Karenzphase: In den ersten 2 Wochen heißt es ganz auf Fruktose verzichten - ebenso auf Zuckeraustauschstoffe sowie Ballaststoffe. In dieser Zeit kann sich der Darm erholen. Anstatt Zucker können Betroffene Traubenzucker verwenden. Süßstoffe wie Aspartam sind auch kein Problem.

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    Testphase: In den nächsten 6 Wochen sollte man die Fruktosemenge wieder etwas erhöhen, denn sonst verringert sich die Zahl der GLUT5 weiter. Fett, Eiweiß und Glukose unterstützen die Fruktoseaufnahme. Ein Stück Obstkuchen kann besser verträglich sein als ein Apfel. Auch die Beimischung von Traubenzucker zu Obst hat sich bewährt.

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    Was Menschen mit Fruktoseintoleranz vertragen, ist unterschiedlich. Jeder muss seine eigenen Grenzwerte austesten und sehen was ihm auf Dauer guttut.

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    Oft kann nach einiger Zeit die Fruktosemenge nach und nach wieder stärker gesteigert werden. Teils verschwindet die Intoleranz sogar ganz.

Medikamente gegen Fruktoseintoleranz - vielleicht hilft's

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    Ausprobieren kann man Tabletten mit dem Enzym Xylose-Isomerase. Es soll die Fruktose im Dünndarm in Glukose umwandeln. Man nimmt die Tabletten kurz vor der Mahlzeit ein.

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    Eine andere Möglichkeit: Kapseln mit speziellen Milchsäurebakterien, die sich im Dünndarm ansiedeln sollen. Diese verstoffwechseln vor allem Fruktose, sodass diese nicht mehr in den Dickdarm gelangt.

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    Studien, die die Wirksamkeit der Präparate eindeutig belegen, stehen noch aus.

Veröffentlicht: 16.03.2020 / Autor: Larissa Melville

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