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Viren-Labore mit Hochsicherheitsstufe - Darum sind sie so sicher

Lebensgefährliche Viren werden auf der ganzen Welt untersucht - in Forschungslaboren, die wie kleine Hochsicherheitstrakte aufgebaut sind. Welche Maßnahmen getroffen werden und wie der Dress-Code für ein solches Labor ist.

Das Wichtigste zum Thema Viren-Labore

  • Krankheitserreger werden in 4 Risikogruppen eingeteilt. Jede dieser Gruppen ist einer Schutzstufe zugeteilt.

  • Die höchste Stufe: "S4", das Hochsicherheitslabor. In ihm werden lebensgefährliche Erreger wie Ebola-, Lassa- oder Nipah-Viren sicher untersucht.

  • Die Schutzstufe bestimmt, welche Anforderungen das Labor erfüllen muss. Dabei geht es um die Räumlichkeiten, die Ausrüstung und Arbeitsabläufe.

Die vier Risikogruppen bei Viren

  • Risikogruppe 1: Biostoffe, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie beim Menschen eine Krankheit hervorrufen. Dazu gehören häufig Viren, die nur für Tiere gefährlich sind.

  • Risikogruppe 2: Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten. Eine Verbreitung in der Bevölkerung muss als unwahrscheinlich gelten. Dazu zählen viele Salmonellen-Arten und ein Teil der Grippe-Viren.

  • Risikogruppe 3: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen können. Die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung besteht zwar, ist aber normalerweise leicht zu verhindern. Dazu zählen zum Beispiel die Vogelgrippe und das neue Corona-Virus.

  • Risikogruppe 4: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen. Das Risiko einer Verbreitung in der Bevölkerung ist hier meist groß. Dazu zählen zum Beispiel das tödliche Ebola-Fieber und der Pocken-Erreger.

Du kommst hier nicht rein: S4-Labore in Deutschland

Safety first: Mit diesem Sicherheitskonzept kann eigentlich nichts schiefgehen

Ein S4-Labor ist völlig von der Umgebung abgetrennt. Es ist luftdicht und hat eine eigene Luft-, Strom- und Wasserversorgung. Im Labor herrscht permanent ein starker Unterdruck. So kann bei einem Leck nichts aus dem Labor strömen.

Die Abluft aus dem Labor wird über ein mehrstufiges Filtersystem gereinigt. So ist sichergestellt, dass kein Erreger nach draußen gelangen kann.

Zugang hat nur eine kleine Gruppe gut geschulten Personals. Diese Tür ist härter als im Berghain: Der Zugang wird ständig überwacht. Zu den Laborräumen kommt man nur über ein extrem sicheres Schleusensystem.

Infografik Arbeiten im Sicherheitslabor

© galileo

 

Auch beim Verlassen des Labors muss jeder Mitarbeiter durch die Schleusen. Die Dekontaminierung dauert mehrere Minuten. Die Dekontaminierungs-Dusche wird nach jeder Benutzung automatisch desinfiziert.

Alle Mitarbeiter arbeiten in speziellen Schutzanzügen. Die werden regelmäßig auf ihre Dichtheit überprüft. Im Anzug herrscht Unterdruck, damit selbst bei einem Leck nicht passieren kann. Erreger können also nicht in den Anzug gelangen.

Infografik: Der Schutzanzug

© galileo

Und wenn doch mal was passiert?

Eines vorweg: Aufgrund der oben beschriebenen Maßnahmen ist es extrem unwahrscheinlich, dass gefährliche Viren aus einem der Labore gelangen. Sollte trotzdem mal etwas passieren - ein Mitarbeiter sticht sich zum Beispiel aus Versehen mit einer Spritze - ist das zwar für die Mitarbeiter gefährlich, aber nicht für die Bevölkerung.

Im Labor sind immer nur sehr kleine Mengen der verschiedenen Erreger vorhanden. Diese würden draußen so stark verdünnt ankommen, dass sie instabil werden und zerfallen würden.

Sollte ein Mitarbeiter Fieber bekommen, muss er sich sofort beim Laborleiter und einem Durchgangsarzt melden. Diese prüfen dann, ob es zu einer Infektion im Labor gekommen ist.

So wirken Viren im Körper

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Veröffentlicht: 25.04.2020 / Autor: Alexander Chouzanas