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Frage des Tages: Was ist bitte der Nocebo-Effekt?

Nocebo? Klingt irgendwie nach einer Süßigkeit. Dabei beschreibt der Nocebo-Effekt das Gegenteil des Placebo-Effekts. Aber Achtung: Er kann negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben!

Das Wichtigste zum Thema Nocebo-Effekt

  • Der Nocebo-Effekt ist das Gegenteil des Placebo-Effekts. Beim Placebo-Effekt hat man eine positive Erwartungshaltung, die sich auch positiv auswirken kann, beim Nocebo-Effekt ist es andersherum.

  • Nocebo ist lateinisch und bedeutet übersetzt so viel wie "Ich werde schaden".

  • Ein Nocebo-Effekt entsteht zum Beispiel, wenn der Patient oder der Arzt eine negative Erwartungshaltung gegenüber einem Medikament oder einer Behandlung hat und diese in Folge dessen auch eintritt.

  • Die Informationen im Beipackzettel sind wichtig. Wer sich jedoch zu ausführlich damit beschäftigt, kann damit zu einem Nocebo-Effekt beitragen und beispielsweise Nebenwirkungen durch die Angst auslösen.

  • Zum Placebo-Effekt gibt es tausende Studien, zum Nocebo-Effekt nur hunderte. Auch weil es ethisch schwierig ist, die Studienteilnehmer bewusst negativen Auswirkungen auszusetzen.

Wie funktioniert der Placebo-Effekt?

👨‍⚕️ Beim Placebo-Effekt geht es um die Erwartungshaltung, die jemand gegenüber einer Behandlung oder einem Medikament hat.

💊 Bekommt der Patient beispielsweise ein Scheinmedikament, wie zum Beispiel eine Zuckerpille ohne Wirkung, und erlebt trotzdem eine Besserung seiner Beschwerden, nennt man das Placebo-Effekt.

🙏 Die Hoffnung und der Glaube daran, aktivieren offenbar Nervenzellen und Hormone im Körper und tragen zu den Selbstheilungskräften des Körpers bei - das beweisen Studien.

💪 Forscher des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie der Universität Essen konnten zeigen, dass teilweise bis zu 80 Prozent der Wirkung starker Medikamente bei Autoimmunkrankheiten auch durch Placebo erreicht werden können.

Welche Scheinbehandlungen gibt es?

  • Operationen: Schein-Operationen können eine ähnliche Wirkung haben wie echte Operationen. Das zeigte beispielsweise der Orthopäde Bruce Mosley vom Baylor College of Medicine in Houston. Bei den Patienten, die einer Knie-OP unterzogen wurden und den Patienten, denen die OP nur vorgetäuscht wurde, zeigte sich in einem Zeitraum von 2 Jahren kein Unterschied.

  • Schein-Akupunktur: Ob eine Akupunktur nach den klassischen Vorgaben der traditionellen chinesischen Medizin oder an unwirksamen Punkten durchgeführt wird, bringt offenbar oft keinen Unterschied. Auch das Setzen der Nadeln an den falschen Punkten kann helfen.

  • Spritzen: Injektionen ohne Wirkung werden bessere Wirksamkeit als jeder anderen Scheinbehandlung nachgesagt. Besonders dann, wenn der Arzt sie verabreicht.

Was kann man gegen den Nocebo-Effekt tun? Nocebo-Experte Prof. Manfred Schedlowski klärt auf:

  • 💬

    Der Nocebo-Effekt wird zum großen Teil durch eine Erwartung ausgelöst. Also zum Beispiel durch eine Tablette, Spritze etc. Nebenwirkungen zu haben. Zudem spielen Lerneffekte eine Rolle. Wenn ich bei Kopfschmerzen eine Tablette genommen habe, und mir davon 2 bis 3 Mal übel wurde, dann kann es passieren, dass beim 4. Mal "gelernte" Übelkeit auftritt.

  • 💬

    Tatsächlich neigen eher ängstliche Menschen zum Nocebo-Effekt. Negative Gedanken lösen Unsicherheit und Angst aus und das verstärkt den Effekt. Durch die Nocebo-Antwort kann auch die Wirkung von Medikamenten abgeschwächt werden.

  • 💬

    Einen großen Einfluss auf den Nocebo-Effekt hat die Kommunikation mit dem Behandler, also zum Beispiel Arzt, Apotheker oder Physiotherapeut. Wenn man dafür sensibel ist, sollte man den Arzt darauf ansprechen, dass man gar nicht so viel Aufklärung möchte. Es ist auch ein Unterschied, ob ein Arzt sagt, dass 10 Prozent der Patienten diese und jene Nebenwirkungen haben oder ob er sagt, dass der Großteil der Patienten das Medikament gut verträgt.

  • 💬

    Wer zu Befürchtungen neigt, sollte das intensive Lesen des Beipackzettels sein lassen. Es muss aus rechtlichen, ethischen und versicherungsrechtlichen Gründen aufgeklärt werden, aber für den Laien ist die Einordnung von Kategorien wie "häufig" zum Beispiel schwierig.

  • 💬

    Keine Krankheiten, Diagnosen, Nebenwirkungen und Co. googlen! Dr. Google ist kein guter Ratgeber bei Menschen, die zum Nocebo-Effekt neigen. Man findet alle möglichen Interpretationen, ohne die Quelle nachvollziehen zu können. Das ist auch ein zunehmendes Problem für Ärztinnen und Ärzte.

Das solltest du dir merken

  • 🧐

    Sei dir über den Nocebo-Effekt bewusst. So lässt du dich auch nicht so leicht davon beeinflussen. Sich zu informieren ist gut und wichtig, lass dich von den aufgeführten Nebenwirkungen im Beipackzettel aber nicht verrückt machen.

Veröffentlicht: 22.05.2020 / Autor: Bianca Leppert

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