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Nocebo Effekt

Nocebo-Effekt: Wie das Gegenteil vom Placebo-Effekt wirkt

Nocebo? Klingt irgendwie nach einer Süßigkeit. Dabei beschreibt der Nocebo-Effekt das Gegenteil des Placebo-Effekts und kann eher bittere  Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben!

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Das Wichtigste zum Thema Nocebo-Effekt

  • Der Nocebo-Effekt ist das Gegenteil des Placebo-Effekts. Beim Placebo-Effekt hat man eine positive Erwartungshaltung, die sich auch positiv auswirken kann, beim Nocebo-Effekt ist es andersherum.

  • Nocebo ist lateinisch und bedeutet übersetzt so viel wie "Ich werde schaden".

  • Ein Nocebo-Effekt entsteht zum Beispiel, wenn zu behandelnde Personen oder Ärztinnen und Ärzte eine negative Erwartungshaltung gegenüber einem Medikament oder einer Behandlung haben und die in Folge dessen auch eintritt.

  • Die Informationen im Beipackzettel sind wichtig. Wer sich jedoch zu ausführlich damit beschäftigt, kann damit zu einem Nocebo-Effekt beitragen und beispielsweise Nebenwirkungen durch die Angst auslösen.

  • Zum Placebo-Effekt gibt es tausende Studien, zum Nocebo-Effekt nur hunderte. Auch weil es ethisch schwierig ist, die an Studien teilnehmenden Personen bewusst negativen Auswirkungen auszusetzen.

Wie funktioniert der Placebo-Effekt?

Beim Placebo-Effekt geht es um die Erwartungshaltung, die jemand gegenüber einer Behandlung oder einem Medikament hat.

Vielleicht hast du schon mal im Rahmen einer Studie davon gehört, dass Menschen nur eine Zuckerpille bekommen haben und sich trotzdem anschließend besser fühlten. Es gibt verschiedene Schein-Behandlungen - nicht nur in Tablettenform.

Wie zeigt sich der Nocebo-Effekt?

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    In Neuseeland wurde negativ über ein Präparat zur Behandlung einer Schilddrüsen-Unterfunktion berichtet. Im Anschluss daran wurden bei den Behörden häufiger Nebenwirkungen gemeldet. Die Berichterstattung öffentlicher Medien hatte den Nocebo-Effekt begünstigt.

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    Bei Menschen mit Migräne ist die Wirksamkeit des Medikaments Rizatriptan belegt. In einer [Studie] (https://stm.sciencemag.org/content/6/218/218ra5) stellte man jedoch fest, dass die Linderung der Schmerzen nicht wie gewünscht eintrat, wenn die Teilnehmenden die Information bekamen, es sei nur ein Placebo. Es hebelte die Wirkung des Medikaments also aus.

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    Auch durch die ärztliche Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen einer Behandlung oder eines Medikaments können Symptome hervorgerufen werden. Wurden die Patientinnen und Patienten über mögliche [Kopfschmerzen nach einer Lumbalpunktion] (https://link.springer.com/article/10.1007/s00115-020-00963-4) informiert, traten sie bei 47  Prozent auch ein, ohne Information nur bei 8 Prozent.

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    In einer Studie mit [Brustkrebs-Patientinnen in Chemotherapie] (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3191461/) zeigte sich, dass Übelkeit allein dadurch entstehen kann, dass ein Raum die gleiche Farbe hat wie derjenige, in dem sie die Chemotherapie bekommen haben. Das traf auf ein Drittel der Patientinnen zu.

Wie kommen Medikamente auf den Markt?

Nicht nur die Entwicklung neuer Arzneimittel kann lange dauern, auch die Zulassungsverfahren haben es in sich. Warum dauert es so lange, bis ein Medikament auf den Markt kommt?

Was kann man gegen den Nocebo-Effekt tun? Nocebo-Experte Prof. Manfred Schedlowski klärt auf:

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    Der Nocebo-Effekt wird zum großen Teil durch eine Erwartung ausgelöst - also zum Beispiel Nebenwirkungen zu haben durch eine Tablette, Spritze etc.

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    Zudem spielen Lern-Effekte eine Rolle. Wenn ich bei Kopfschmerzen eine Tablette nehme und mir davon 2 bis 3 Mal übel wird, dann kann beim 4. Mal die "gelernte" Übelkeit auftreten.

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    Tatsächlich neigen eher ängstliche Menschen zum Nocebo-Effekt. Negative Gedanken lösen Unsicherheit und Angst aus - und das verstärkt den Effekt. Durch ihn kann auch die Wirkung von Medikamenten abgeschwächt werden.

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    Einen großen Einfluss auf den Nocebo-Effekt hat die Kommunikation mit medizinischem Fachpersonal. Wenn man dafür sensibel ist, sollte man die Ärztin oder den Arzt darauf ansprechen, dass man gar nicht so viel Aufklärung möchte. Es macht auch ein Unterschied, ob erklärt wird, dass 10 Prozent der Erkrankten diese und jene Nebenwirkungen haben, oder dass der Großteil das Medikament gut verträgt.

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    Wer zu Befürchtungen neigt, sollte den Beipackzettel nicht intensiv lesen. Es muss zwar aus rechtlichen, ethischen und versicherungstechnischen Gründen aufgeklärt werden, aber für Laien ist die Einordnung von Kategorien wie "häufig" schwierig.

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    Keine Krankheiten, Diagnosen, Nebenwirkungen und Co. im Internet checken! Dr. Google ist kein guter Ratgeber bei Menschen, die zum Nocebo-Effekt neigen. Man findet alle möglichen Interpretationen, ohne die Quelle nachvollziehen zu können. Das ist auch ein zunehmendes Problem für Ärztinnen und Ärzte.

Das solltest du dir merken

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    Sei dir über den Nocebo-Effekt bewusst. So lässt du dich auch nicht so leicht davon beeinflussen. Sich zu informieren ist gut und wichtig. Lass dich von den aufgeführten Nebenwirkungen im Beipackzettel aber nicht verrückt machen.

Veröffentlicht: 04.03.2021 / Autor: Bianca Leppert