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Glück lass' nach! Faste Glückshormone - und du wirst es lieben

Auch wenn es merkwürdig klingt: Zu viel Glück kann uns schaden. Ein neuer Trend sagt: Dopamin-Fasten ist die Lösung. So funktioniert es und das soll es dir bringen.      

Das Wichtigste zum Thema Dopamin

  • Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn. Er ist als Glückshormon bekannt und hat eine stimulierende Wirkung.

  • Ein anderes Glückshormon ist Noradrenalin, das der Körper in Stresssituationen ausschüttet. Auch Serotonin ist ein Glückshormon, es ist zum Beispiel wichtig für die Schlafregulation.

  • Dopamin wird zum Beispiel beim Sport ausgeschüttet, beim Sex - oder auch wenn wir ein Bild auf Instagram posten und dafür Likes bekommen.

  • Der Psychologe Cameron Sepah aus Kalifornien hat den Begriff des Dopamin-Fastens etabliert. Seine Idee: Durch Verzicht kann sich unser Gehirn erholen.

  • Wie Dopamin-Fasten genau funktioniert und was ein Experte dazu sagt, erfährst du weiter unten.

Wann unser Gehirn Dopamin ausschüttet

  • ⚽️

    Beim Sport, wenn wir dabei einen Erfolg haben. Also zum Beispiel eine bestimmte Strecke in einer Zeit laufen, die wir uns vorgenommen haben.

  • 💏

    Beim Küssen und Sex.

  • 🛍

    Beim Shoppen, wenn wir uns etwas Neues kaufen.

  • 📲

    Wenn wir in sozialen Netzwerken unterwegs sind oder spielen. Die Apps sind so programmiert, dass sie immer wieder Reize auslösen.

  • 🃏

    Beim Glücksspiel und Zocken. Wenn wir gewinnen oder ein neues Level schaffen, schüttet unser Gehirn Dopamin aus.

  • 🍟

    Beim Essen von Süßem oder Fettigem.

  • 🎢

    Wenn wir Nervenkitzel erleben - zum Beispiel beim Achterbahn fahren.

Anleitung zum Dopamin-Fasten nach dem Erfinder Cameron Sepah

Es geht nicht darum, komplett auf Dopamin zu verzichten. Sondern darum, auf bestimmte Verhaltensweisen zu verzichten, bei denen besonders "viel" Dopamin ausgeschüttet wird.

Zum Beispiel: exzessives Shoppen, Zocken, die Jagd nach Neuigkeiten und Likes mit unserem Smartphone.

Aber: Cameron Sepah betont, dass Dopamin-Fasten nur sinnvoll ist, wenn uns ein bestimmtes Verhalten selbst problematisch erscheint und wir es reduzieren wollen.

Und die Entwöhnung funktioniert durch Verzicht:

  • Zwischen einer und vier Stunden am Abend
  • an einem Tag am Wochenende
  • an einem Wochenende im Vierteljahr
  • in einer Woche im Jahr

Wir haben mit dem Psychopharmakologen Professor Harald Sitte von der Medizinischen Universität Wien über Dopamin und seine Wirkung auf unseren Körper gesprochen.

  • 💬

    Dopamin ist der zentrale Botenstoff, wenn es um Belohnung, Bestätigung und das Spüren von positiven Effekten geht. Wenn ich einen Vorgang positiv abschließe, wird Dopamin ausgeschüttet und das meldet meinem Körper: Das hat geklappt.

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    Diese positive Verstärkung führt dazu, dass wir lernen zum Weiterlernen motiviert werden. Sie führt aber auch dazu, und das ist mitunter das Gefährliche, dass wir etwas immer wieder erleben wollen. Je häufiger das passiert, desto größer ist die Gefahr einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit.

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    Auch soziale Medien und Apps auf Smartphones arbeiten ganz gezielt mit diesen Mechanismen. Sie triggern unser Verlangen nach Anerkennung, nach Erfolg. Und Menschen streben nun mal nach Erfolg. Das ist prinzipiell nicht verkehrt, sondern unterstützt auch ein gemeinschaftliches Miteinander, einen guten sozialen Umgang durch die positive Verstärkung von Verhaltensweisen.

  • 💬

    Die Idee, eine Weile Verzicht zu leisten, die ist prinzipiell gut. Auch wenn sie nicht neu ist. Und wenn man auf etwas aktiv verzichtet, zum Beispiel auf die vielen Reize aus unserem Smartphone, dann kann sich unser Körper natürlich von dem Stress, der durch Reizüberflutung hervorgerufen werden kann, auch wieder erholen.

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    Der bewusste Umgang mit Ressourcen, Lebenszeit und mit unserem Körper ist ein gutes Ziel. Wenn die Menschen durch Trends wie das Dopamin-Fasten dafür sensibilisiert werden, finde ich das grundsätzlich positiv.

Wo wir der Reizüberflutung entkommen können

Veröffentlicht: 12.03.2020 / Autor: Kathrin Aldenhoff

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