Themenseiten-Hintergrund

Hantavirus: Die Symptome und wie du dich schützt

Hantaviren können von Mäusen übertragen werden - sogar ohne, dass du direkten Kontakt mit ihnen hattest. Wie gefährlich das Virus ist und wie du das Risiko einer Ansteckung verringerst.
Teaserbild: Hantavirus: Die Symptome und wie du dich schützt

Das Wichtigste zum Thema Hanta-Viren in Deutschland

  • Ein Teil der heimischen Rötel- und Brandmäuse scheiden Hantaviren aus. Menschen können sich durch einen Biss ebenso wie durch den bloßen Kontakt mit Kot, Urin und Speichel infizieren.

  • Ein direkter Nager-Kontakt ist dabei nicht nötig: Die Viren werden meistens eingeatmet, etwa durch kontaminierten Staub. Lebensmittel können ebenfalls kontaminiert sein. Die Viren sind robust und überleben in der Umwelt teils mehrere Wochen.

  • Viele Infektionen verlaufen ohne oder mit nur leichten Symptomen. Ein Teil der Patienten wird aber 2 bis 4 Wochen nach dem Kontakt mit Hantaviren richtig krank.

  • Zu Beginn haben sie 3 bis 4 Tage Fieber und grippeähnliche Symptome. Es folgen Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Eine Nierenfunktionsstörung, sogar ein akutes Nierenversagen ist möglich.

  • Es können nur die Symptome behandelt werden. Es gibt weder ein spezifisches Medikament noch eine Impfung.

  • Im westlichen und südlichen Teil Deutschlands gibt es besonders viele Mäuse mit Hantaviren. Ebenso ist das Risiko in waldnahen Gebieten meist größer als in der Stadt und von April bis September höher als im restlichen Jahr.

Rötelmäuse sind bei uns die Hauptüberträger

Wie viel Fälle gibt es in Deutschland?

  • 📝

    Vorweg: Eine Infektion mit Hantaviren ist seit 2001 meldepflichtig.

  • 📊

    Von Jahr zu Jahr schwankt die Zahl der gemeldeten Hantavirus-Infektionen zwischen wenigen hunderten bis tausenden.

  • 📅

    In mehreren Jahren waren es nur rund 200. 2019 gab es allerdings 833 Fälle und 2012 sogar 2.825. Dies ist bisher die höchste Anzahl. Im ersten Halbjahr 2020 infizierten sich dagegen wiederum nur sehr wenig Menschen.

  • Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da die Infektion oft so mild verläuft, dass sie unbemerkt bleibt.

  • 🐭

    Die Fallzahl hängt vor allem von der Anzahl der Rötelmäuse ab - und die wiederum von der Menge der vorhandenen Futterquellen wie Eicheln und Bucheckern. In sogenannten fetten Jahren finden die Mäuse besonders viel Futter und vermehren sich stärker.

Der typische Krankheitsverlauf in Deutschland

  • Die Virus-Infektion verläuft häufig ohne oder mit nur leichten Symptomen.

  • Teils machen sich aber im Schnitt 2 bis 4 Wochen nach dem Kontakt mit Hantaviren stärkere Beschwerden bemerkbar. Mediziner sprechen vom "Hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom".

  • Anfangs erinnert die Krankheit an eine Grippe mit 3 bis 4 Tagen Fieber (das plötzlich auftritt) sowie Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen.

  • Danach kommen Bauchweh, Durchfall und Erbrechen dazu. Kreislaufprobleme, Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen sind ebenfalls möglich.

  • Bei schweren Verläufen können die Nieren akut versagen und eine Dialyse nötig sein. Äußere Blutungen sind sehr selten.

  • Die deutsche Hantavirus-Infektion heilt in der Regel ohne Folgen ab. Todesfälle treten sehr selten auf.

  • Von Mensch zu Mensch werden die heimischen Hantaviren nicht übertragen.

Wo kann ich mich besonders leicht infizieren?

Besonders gefährdet sind Landwirte und Waldarbeiter. Aber beispielsweise auch bei der Gartenarbeit kannst du dich infizieren, wenn die Erde kontaminiert ist oder wenn du Feuerholz stapelst. Besonders leicht dringen die Viren über kleine Wunden an den Händen ein, trage daher am besten Gartenhandschuhe.

Frau bei der Gartenarbeit


Handschuhe schützen bei der Gartenarbeit vor Hantaviren. Die können im Mäusedreck in der Erde stecken.
© Getty Images

 

Ebenfalls problematisch: Aufräumarbeiten in Schuppen, Garagen, Dachböden, etc. Hier nisten sich oft Mäuse ein und hinterlassen ihre kleinen Köttel und Urin. Räumst du dann rum oder putzt, wirbelt du den den Dreck -mitsamt den Viren - auf und du könntest die Erreger einatmen.

So verringerst du dein Risiko beim Aufräumen in Schuppen und Co.

  • 🌀

    Bevor du mit der Aufräumarbeit beginnst, lüfte mindestens eine halbe Stunde und lasse die Fenster und Türen beim Arbeiten auf.

  • 😷

    Trage am besten eine Atemschutzmaske (FFP3) und Einmalhandschuhe.

  • 💦

    Damit der Dreck mitsamt dem Urin und Mäusekot nicht beim Putzen aufwirbelt, sprühe ihn vorher mit Reinigungsmittel ein, sodass er gut feucht wird.

  • 🌪

    Nimm einen feuchten Lappen anstatt den Staubsauger, da die Viren durch die Abluft in die Luft gelangen können.

  • 🐁

    Auch tote Mäuse solltest du zuerst befeuchten. Gib dann den Kadaver mit Handschuhen in eine Plastiktüte, verschließe sie und ab damit in den Hausmüll. Putz die Stelle danach gut mit Reiniger. Die verwendeten Lappen sollten direkt in den Müll.

  • 👋

    Anschließen immer gut Hände waschen!

  • 🍕

    Damit sich die Nager gar nicht erst bei dir einnisten, dichte Ritzen ab, lass kein Essen, Tierfutter oder Müll draußen stehen** und wirf keine Lebensmittelreste auf den Kompost.

Hantaviren sind typische Zoonosen

Zoonosen: Was ist das?

Hantaviren sind typische Zoonosen

Viele Infektionskrankheiten werden von Tieren auf Menschen übertragen. Krass: 75 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten wie Corona sind Zoonosen. Mehr dazu im Clip.

Woher hat der Virus seinen Namen?

Hanta-Viren sind weltweit verbreitet. Je nach Virus-Typ verläuft die Erkrankung unterschiedlich schwer. Teilweise ist die Infektion lebensbedrohlich und geht mit Nierenfunktions-Störungen sowie inneren und äußeren Blutungen einher.

So auch in Südkorea, wo der Name Hantavirus herkommt. Anfang der 1950er Jahre erkrankten dort während des Koreakriegs am Fluss Hantan über 3.000 US-Soldaten schwer am Hanta-Virus.

Währen des Koreakrieges infizierten sich tausende amerikanische Soldaten mit dem Hantavirus - in Nähe des Flusses Hantan, der Namensgeber des Virus.

Veröffentlicht: 12.07.2020 / Autor: Larissa Melville