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Krankenhauspersonal bei einer OP

Arztkittel: Warum trägt der Hausarzt Weiß und der Chirurg Grün?

Mediziner tragen einen weißen Arztkittel. Im Operations-Saal hingegen trägt das medizinische Personal grüne oder blaue Spezialkleidung. Weltweit ist das so. Auch in Deutschland. Aber: Warum eigentlich? Im Clip: Zehn Fragen an einen Chefarzt.
Arztkittel: Warum trägt der Hausarzt Weiß und der Chirurg Grün?
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Arztkittel: Darum tragen nicht alle Ärzte weiß

  • Lange trugen Mediziner bei Hausbesuchen ganz gewöhnliche Kleidung. Das änderte sich erst Ende des 19. Jahrhunderts, als Robert Koch herausfand, dass Krankheitserreger auch auf Händen und Kleidung haften. Und dass Ärzte sie so von einem Patienten zum anderen übertragen können.

  • Die Mediziner gingen dazu über, bei Patientenbesuchen weiße Kittel zu tragen – denn die konnte man leicht sehr heiß waschen und so die Bakterien abtöten.

  • Die Farbe weiß steht sinnbildlich für Reinheit und Perfektion. Und man sieht sofort, wenn die Kleidung schmutzig ist und kann sie umgehend austauschen.

  • Im OP tragen Mediziner nicht Weiß, sondern Blau oder Grün. Weiße Kittel würden das helle Licht, das beim Operieren notwendig ist, zu stark reflektieren. Die Farben Grün und Blau wirken beruhigend. Und: Blutflecken fallen auf den dunkleren Farben nicht so auf.

Was trägt welcher Arzt?

Ärztin berät eine ältere Patientin
Weiße Arztkittel sind ein Statussymbol. Getragen werden sie von Ärzt:innen aber...
Zahnarzt bereitet die Behandlung einer Patientin vor
Hygienischer ist Arztkleidung mit kurzen Ärmeln. Zum Beispiel ein Kasack, wie ihn...
Arzt zieht Maske an vor OP
Im OP gelten andere Regeln: Das medizinische Personal trägt blaue oder grüne...
Ein Team von Ärzt:innen operiert
Wichtig ist: Diese OP-Kleidung darf auch wirklich nur dort getragen werden. Sonst...
Frau sitzt vor MRT und spricht mit Arzt
Andere Ärzt:innen tragen weiße T-Shirt oder Poloshirts. So sind sie für...
Hausärztin spricht mit Patient
Hausärzt:innen oder andere Mediziner:innen, die nicht mit offenen Wunden zu tun...
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Warum tragen manche Ärzte keine Kittel mehr? Der Mediziner Günter Maurer kennt die Antwort.

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    Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass es Krankheitsübertragung durch Bakterien gibt, vor denen wir uns schützen müssen. Weiße Kittel konnte man im Gegensatz zu der eher dunklen Kleidung, die Ärzte bis dahin trugen, sehr heiß waschen und damit Bakterien abtöten. Die zunehmenden Kenntnisse über Bakterien und Hygienemaßnahmen haben die Übertragung von Krankheiten deutlich verringert.

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    Heute tragen Mediziner:innen unterschiedliche Kleidung, je nachdem in welchem Bereich eines Krankenhauses oder in welcher Art von Praxis sie arbeiten. Ein Psychiater zum Beispiel, der nicht mit offenen Wunden zu tun hat, muss nicht dasselbe Level an Hygiene einhalten wie seine Kolleg:innen im OP.

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    Jede Klinik hat heute ihr eigenes Hygienekonzept und legt fest, in welchen Bereichen blaue oder grüne Arztkleidung getragen wird. Und wo beispielsweise weiße Poloshirts getragen werden. Auch die können heute heiß gewaschen werden und sind dann hygienisch sauber.

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    Die typischen Arztkittel mit den langen Ärmeln sind out. Wenn eine Ärztin einen Patienten abtastet, berührt sie ihn auch mit dem langen Ärmel des Kittels. Damit könnten Bakterien auf einen anderen Patienten übertragen werden, und das ist nicht hygienisch.

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    Den Kittel ständig zu wechseln, ist nicht machbar. Besser sind kurzärmelige Kittel, Kasacks oder Polohemden, die nach zertifizierten Verfahren gewaschen werden. Das tragen heute auch die meisten Ärzte.

Maurer ist Vorsitzender der Hygienekommission der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg

Was ist das Weißkittel-Syndrom?

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    Merkwürdiger Name: Weißkittel-Syndrom. So wird es umgangssprachlich genannt, wenn Menschen Angst vor Ärzt:innen oder dem Besuch bei Ihnen haben.

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    Wenn Menschen Angst haben und nervös sind, dann steigt ihr Blutdruck.

  • 😱

    Das Weißkittel-Syndrom führt dann zum Beispiel zu einer temporären Hypertonie. Also zu einem Bluthochdruck, der nur zu bestimmten Zeiten auftritt: Nämlich immer dann, wenn die Betroffenen in einer Arztpraxis sind.

  • ☝️

    Problematisch ist das, weil diese Menschen deswegen unter Umständen falsch behandelt werden. Nämlich so, als ob sie Bluthochdruck hätten - obwohl sie den im normalen Leben gar nicht haben

  • Besteht dieser Verdacht, kann zum Beispiel eine Langzeit-Blutdruck-Messung Klarheit bringen. Dabei trägt die Patientin oder der Patient ein Messgerät am Arm, das alle 15 oder 30 Minuten automatisch am Oberarm den Blutdruck misst, und zwar meistens 24 Stunden lang.

Ärztin-/Arztbesuche online

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Seit Corona haben digitale Sprechstunden einen absoluten Boom erlebt. Aber wann ist ein Videobesuch beim Arzt oder bei einer Ärztin sinnvoll? "Galileo" hat sich das Prinzip genauer angeschaut.

Veröffentlicht: 07.06.2022 / Autorin: Kathrin Aldenhoff