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Ist dieser Joghurt wirklich ein Lebenselixier?

Joghurt aus einem kleinen bulgarischen Dorf ist in China der Renner - weil er angeblich das Leben verlängern soll. Warum dieser Trend nicht neu ist, wo die ältesten Menschen der Welt leben und weitere skurrile Anti-Aging-Methoden.

Das Wichtigste zum Thema Bulgarischer Joghurt

  • Viele Chinesen pilgern in das bulgarische Dorf Momchilovtsi im Rhodopen-Gebirge nahe der griechischen Grenze. Der Grund: Von hier stammt einer der beliebtesten Joghurts in China.

  • Joghurt aus Kuhmilch, Schafsmilch oder Ziegenmilch, steht bei den Bewohnern des Ortes fast täglich auf dem Speiseplan - und sie werden überdurchschnittlich alt.

  • Die chinesische Staatsmolkerei "Bright Dairy" bringt den Joghurt aus Momchilovtsi in die chinesischen Supermärkte und wirbt mit seiner lebensverlängernden Wirkung. Wissenschaftlich überprüft ist das jedoch nicht.

  • Die Art der Joghurtherstellung haben sich die Chinesen von den Bulgaren abugeguckt: Auf 45 Grad erhitzte und wieder abgekühlte Milch wird mit Bakterien der Joghurtkultur Lactobacillus bulgaricus vermischt.

  • Einmal im Jahr gibt es in Momchilovtsi ein großes Joghurt-Festival mit jährlich fast 5.000 Besuchern aus Fernost.

Lebensverlängernder bulgarischer Joghurt? Ein alter Hut!

Der bulgarische Wissenschaftler Dr. Stamen Grigorov war der erste, der 1905 ein Bakterium identifizierte, das die Fermentation anregt und Milch in Joghurt verwandelt. Diesen Mikroorganismus nannte er lactobacillus bulgaricus.

Der russische Biologe und Nobel-Preisträger Ilja Metschnikow griff Grigorovs Forschung auf und betonte, wie wichtig die Ernährung fürs Altwerden ist.

In seinen Schriften erwähnte er, dass bulgarische Bauern besonders viel Joghurt essen - und oft sehr alt werden. Im bulgarischen Rhodopen-Gebirge leben tatsächlich bis heute überdurchschnittlich viele 100-Jährige.

Metschnikows Forschung führte in den 1920er und 30er Jahren zu einem Joghurt-Hype in Europa. Aber mit der erhöhten Nachfrage wurde der Joghurt industriell hergestellt - und enthielt nun nicht mehr die natürliche Mikroflora, typisch für die traditionell hergestellten Joghurt-Sorten.

 

Blue Zones: Hier werden die Menschen besonders alt

  • 🇯🇵

    Okinawa, Japan: Auf dieser Insel werden die Menschen so alt wie nirgendwo sonst. Ob das an der Bittergurke liegt, die dort regelmäßig gegessen wird und als Wundermittel gegen Krankheiten gilt?

  • 🇬🇷

    Ikaria, Griechenland: Europas Alters-Spitzenreiter sind die Menschen auf dieser kleinen Insel in der Ägäis. Wenig Stress, viel Bewegung, gesunde Ernährung und viel Sex sollen die Gründe dafür sein. Viele Bewohner der Insel brühen sich auch Tees aus Kräutern, die reich an Antioxidantien sind.

  • 🇮🇹

    Sardinien, Italien: Hier leben auch die Männer ungewöhnlich lange, während ihnen sonst die Frauen meist weit überlegen sind.

  • 🇨🇷

    Nicoya, Costa Rica: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewohner von Nicoya, die jetzt 60 Jahre alt sind, das 100. Lebensjahr erreichen, ist 7mal höher als im restlichen Costa Rica. Das Besondere hier: ein sehr Calcium- und Magnesium-reiches Wasser, das vor Herzkrankheiten und Osteoporose schützen soll.

  • 🇺🇸

    Loma Linda, Kalifornien, USA: 10 Jahre älter als der Durchschnittsamerikaner werden die Bewohner dieser Stadt. Viele von ihnen sind „Adventisten des siebenten Tages“ und ernähren sich vor allem von frischem Obst und Gemüse, Getreide und Nüssen.

* laut Untersuchungen der National Geographic Society in Washington, D.C., USA

Die Anti-Aging-Geheimnisse der Blauen Zonen

  • 🚶

    Treppensteigen: An den Orten, wo Menschen besonders alt werden, gehört natürliche Bewegung zum Alltag, etwa auf Sardinien, wo die Menschen in kleinen Bergdörfern zudem auch täglich viele Höhenmeter bewältigen.

  • 🛌

    Mittagsschläfchen: Ein entspannter Lebensstil mit wenig Stress ist eine super Altersvorsorge.

  • 😄

    Ikigai: Auf Japanisch ist das "der Grund, warum man morgens aufsteht". Wer in seinem Leben einen Sinn sieht, lebt länger und zufriedener.

  • 🍽

    Die 80-Prozent-Regel: Auf Japanisch heißt dieses Prinzip Hara Hachi Bu​. Es bedeutet, nur so viel zu essen, bis man sich zu 80 Prozent satt fühlt. Kleine Teller helfen!

  • 🥕

    Gesunde Ernährung: Je nach Region gibt es unterschiedliche Ausprägungen, aber allen Blue Zones ist gemein, dass die Menschen vor allem pflanzliche Kost essen, viele Hülsenfrüchte, vor allem Bohnen. Fleisch – vorwiegend Schweinefleisch – kommt nur 5 Mal im Monat auf den Tisch.

  • 🍷

    Alkohol in Maßen: Die ältesten Menschen sind keine Anti-Alkoholiker. Ein Gläschen hier und da, am besten in Gesellschaft, ist sogar gesundheitsfördernd.

  • 👭

    Zugehörigkeit: Wer in eine soziale Gruppe, eine Familie oder eine religiöse Gemeinschaft eingebunden ist, fühlt sich aufgehoben – und lebt länger.

Veröffentlicht: 15.03.2020 / Autor: Ischta Lehmann

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