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Kaum zu glauben! Ihr Körper hat eine Wasser-Allergie

Bei einer Wasser-Allergie sorgt jeder Kontakt mit Flüssigkeit für schmerzhaften Juckreiz und Hautausschlag. Wir haben eine Betroffene besucht.

Das Wichtigste zum Thema Wasser-Allergie

  • Die Wasser-Allergie ist extrem selten und eine besondere Form der Nesselsucht (Urtikaria).

  • Hilfe, wir werden angegriffen! Bestimmte Zellen in der Haut von Menschen mit Nesselsucht reagieren auf eigentlich ganz normale Reize mit einer Abwehrreaktion.

  • Dann bilden sich juckende Rötungen und Quaddeln auf der Haut - wie nach der Berührung einer Brennnessel. Daher kommt auch der Begriff: "Urtica" ist die botanische Bezeichnung der Brennnessel.

  • Egal ob Regen, Schweiß oder Tränen - Menschen mit Wasser-Urtikaria leiden, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen. Warum das so ist, ist noch nicht abschließend erforscht. Bisher kann die Krankheit nicht geheilt werden.

Wie jetzt, gibt es wirklich eine Allergie gegen Wasser?

Ganz so einfach ist es nicht, erklärt Professor Marcus Maurer, stellvertretender Leiter des Allergie-Centrum Charité der Universitätsmedizin Berlin. Zwar wird oftmals von einer Wasser-Allergie gesprochen, aber "medizinisch gesehen ist es keine Allergie." Dafür müssten sich im Körper spezielle Antikörper (Immunglobuline) bilden.

Hier ist es aber anders: "Bisher unbekannte körpereigene Stoffe lösen die Aktivierung von den Mastzellen in der Haut und damit die Symptome aus."

 

Wasser-"Allergiker": Was sie ganz normal tun können - und was nicht

  • Trinken ist für Wasser-"Allergiker" völlig normal möglich - denn nur Zellen in der Haut reagieren empfindlich, nicht aber die Schleimhäute im Mund. 

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    Das Gleiche gilt für das Essen von besonders wasserhaltigem Gemüse oder Obst. Nur Kleckern sollte man nicht.

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    Das Schneiden und Zerteilen von Wassermelonen dagegen kann Beschwerden hervorrufen. Hier ist das Risiko höher, dass die Haut mit dem Obst in Berührung kommt.

  • Betroffene müssen immer top vorbereitet sein. Das heißt zum Beispiel: stets einen Regenschirm dabei haben.

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    Da auch Schweiß die Symptome auslöst, sollte auf besonders anstrengenden Sport lieber verzichtet werden.

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    Der Kontakt mit Wasser lässt sich im Alltag aber nicht komplett vermeiden: Waschen muss sich jeder. Eine schnelle Dusche kann möglich sein, ein langes Bad nicht.

Das Leben mit Urtikaria hat schlimme Nebenwirkungen

"Tatsächlich leiden etwa 30 Prozent der Nesselsucht-Patienten unter Depressionen. Weitere 30 Prozent haben eine Angststörung", erklärt Allergie-Experte Maurer.
Das Problem: Der psychische Stress macht die Mastzellen in der Haut nervös, sie reagieren noch stärker auf äußere Reize - und die Symptome werden immer schlimmer.
Oft haben die Patienten einen langen Leidensweg hinter sich. Viele Ärzte unterschätzen die Beschwerden und die Betroffenen fühlen sich nicht ernst genommen. Eine klare Diagnose ist dann oft schon der erste Weg zur Besserung.

Ganz schön reizend: Auch darauf reagieren Körper mit einer Abwehrreaktion

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    Bitte sanft: Es gibt Menschen, die empfindlich auf Druck reagieren. Händeschütteln oder das Tragen eines Rucksacks lösen bei ihnen Nesselsucht aus.

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    Brrrrrrrr! Schwimmen in kaltem Wasser, eisige Winterluft oder das Sitzen auf einem kalten Klodeckel können zu allergischen Symptomen führen.

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    Good Vibrations? Nicht wirklich! Vibrationen vom Smartphone, von der elektrischen Zahnbürste oder vom Rasenmäher tun Vibrationsallergikern nicht gut.

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    Gefährliches Liebesspiel: Bei einigen Männern und Frauen kommt es vor, dass ihnen der Kontakt mit Sperma wortwörtlich die Luft raubt. Auslöser der Symptome - Zuschwellen der Atemwege und Quaddelbildung - sind nicht die Spermien selbst, sondern die Flüssigkeit, in der sie schwimmen.

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    Von wegen zum Wohl. Manche Menschen vertragen Stoffe wie Histamine und Sulfite in alkoholischen Getränken nicht. Atemnot, Rötungen und Übelkeit nach dem Genuss von Bier, Wein & Co. können auf eine Allergie zurückgehen.

Veröffentlicht: 01.08.2019 / Autor: Alena Brandt

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