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Knallt nicht, trendet aber: Alles rund um CBD - und andere Hanf-Produkte

Das Geschäft mit Hanf boomt: Es gibt Klamotten, Cremes, Salat-Öl, Schnaps und noch mehr. Ebenso im Trend: CBD. Was ist dran am Hype?

Das Wichtigste zum Thema Hanf- und CBD-Produkte

  • Hanf gilt als Wunderpflanze, die Faser wird nicht nur in der Modebranche eingesetzt, sondern auch als Baustoff oder sogar Kunststoff-Ersatz.

  • Was in Deutschland als Betäubungsmittel eingestuft und daher verboten ist: Hanf-Produkte mit Tetrahydrocannabinol (THC) - wegen der berauschenden Wirkung.

  • Was ebenfalls boomt: Hanf-Produkte mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent, aber mit Cannabidiol (CBD). Diese werden zumeist als Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetikartikel vermarktet. CBD-Produkte fallen aktuell nicht unter das Betäubungsmittelgesetz.

  • Anbieter von CBD-Produkten werben damit, dass es entzündungshemmend, angstlösend und entspannend wirkt. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu stehen jedoch noch aus.

  • Der Trend kommt aus den USA. Dort gibt es Kaffee und Cocktails mit CBD - und von Gummibärchen über Eis bis zu Massageöl alles, was man sich so vorstellen kann.

Die rechtliche Situation in Deutschland

In jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile Hanf-Shops, das Angebot umfasst - neben beispielsweise Kosmetik-Artikeln aus Hanfsamen - immer mehr Produkte mit CBD.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vertritt die Position, dass solche Produkte nicht verkauft werden dürfen - wenn sie als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel deklariert werden. Dafür bräuchten Produkte und Händler eine Zulassung.

In vielen Bundesländern werden die Produkte auch beanstandet, dann beschäftigen sich Gerichte mit der Frage, ob das CBD-Produkt verkauft werden darf oder nicht.

 

Grafik: Diese Stoffe sind in der Cannabispflanze - und so sollen sie wirken.

Wie wirkt CBD wirklich? Das sagt Professor Oliver Pogarell, Leiter des Suchtbereichs an der Uniklinik München

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    CBD werden Auswirkungen auf das Immunsystem zugesprochen, es hat eine entspannende Wirkung und wird zum Beispiel bei Epilepsie-Patienten eingesetzt. Auch bei der Behandlung von Angstsymptomen und Schizophrenie hat CBD in Studien Hinweise auf eine Wirksamkeit gezeigt.

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    Um ihre Wirkung zu entfalten, müssen die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze erhitzt werden. Man spricht von Decarboxylierung. Das gilt auch, wenn man es isst oder als Tee zu sich nimmt. Die Wirkung ist aber eine Frage der Dosis.

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    Patienten, die unter Schizophrenie leiden, erhielten in Studien etwa eine Dosis von bis zu 800 Milligramm CBD am Tag. In einem 10-Milliliter-Fläschchen CBD-Öl mit einer Konzentration von fünf Prozent sind 500 Milligramm CBD enthalten. Da liegt also ein gewisses Missverhältnis vor.

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    Immer wieder heißt es, Produkte mit CBD wirkten entspannend, entzündungshemmend und angstlösend. Aber wissenschaftliche Belege gibt es dazu noch nicht. Sieht man sich die vergleichsweise geringe Konzentration in den CBD-Produkten an, stellt sich die Frage, ob damit eine Wirkung in einem medizinischen Sinne überhaupt erzielt werden kann.

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    CBD-Produkte gelten nicht als Medikamente, sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Aber auch die können unerwünschte Nebenwirkungen haben. Etwa Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall oder Übelkeit.

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    Risiken sind kaum untersucht. Und man sollte nicht allzu hohe Erwartungen an sie haben. Ein Beleg, dass sie wirklich wirken, wurde bisher noch nicht erbracht.

Wunderpflanze Hanf als Alternative zu ...

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    ... Baumwolle: Die erste Levis-Jeans soll aus Hanf gemacht worden sein. Die Pflanze braucht weniger Wasser als Baumwolle, keinen Dünger, wächst schneller und ist so nachhaltiger.

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    ... Holz: Auch aus Hanf kann Papier hergestellt werden, und dafür braucht man deutlich weniger Anbaufläche.

  • ... Baumaterial: Hanf lässt sich zum Beispiel sehr gut zum Dämmen verwenden.

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    ... Kunststoff: Zum Beispiel bei der Innenverkleidung von Autos kann Hanf genutzt werden.

Und noch mehr Hanf-Produkte

Veröffentlicht: 19.02.2020 / Autor: Kathrin Aldenhoff

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