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Kann man Menschen wirklich einfrieren und später wieder auftauen?

Menschen schockfrosten und in der Zukunft wiederbeleben, klingt nach Science Fiction, scheint aber bereits möglich.

Das Wichtigste zum Thema Kryonik

  • Die Idee der Kryonik: Ein ganzer Organismus oder einzelne Organe werden eingefroren und werden zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgetaut werden - zum Beispiel, wenn eine aktuell noch unheilbare Krankheit heilbar ist.

  • Und so funktioniert's: Nach dem Tod wird der Körper - oder nur das Gehirn - in flüssigem Stickstoff auf -196 Grad Celsius gekühlt und so der Verfall der Zellen gestoppt. Chemische Reaktionen stehen bei diesen Temperaturen sozusagen still.

  • Ähnlich geht man übrigens beim Einfrieren von Eizellen oder Embryonen vor. Der menschliche Körper ist aber weitaus komplexer.

  • Die Methode gibt es seit den 1960er Jahren. In den USA lagern die eiskalten Körper in 2 großen Institute. Weltweit warten knapp 300 Verstorbene bzw. deren Organe auf ein zweites Leben.

  • Ärzten in den USA ist es jetzt gelungen einen Menschen aus dem künstlichen Scheintod zurückzuholen. Nach 2 Stunden Kältestarre und mehreren Operationen wurde er wiederbelebt.

Kryo-Medizin vs. Sensenmann: US-Ärzte holen eingefrorenen Patienten zurück ins Leben

So funktioniert Kryo-Konservierung - und dieses Problem gibt es noch

Der menschliche Körper besteht zu einem Großteil aus Wasser. Wird er schnell abgekühlt, bilden sich Eiskristalle. Die Lösung: eine Art Frostschutzmittel. Bei der sogenannten Vitrifizierung wird das Blut vollständig abgelassen und durch eine chemische Lösung mit -125 Grad Celsius ersetzt. Der Körper kühlt auf diese Temperatur herunter, die Flüssigkeit nimmt einen glasartigen Zustand an.

Das Auftauen ist noch ein Problem. Es darf nicht zu schnell oder bei zu hoher Temperatur passieren (sonst stockt das Eiweiß im Körper). Außerdem wichtig: eine schnelle und gute Sauerstoffversorgung.

1967 wurde der erste Mensch kryonisch konserviert: Prof. Dr. James Bedford lagert seitdem bei der "Alcor Life Extension Foundation" in den USA.

Kryonik Patient 1969

© picture alliance / AP Images

Kein alter (Alu-)Hut: Bereits 1969 wurden bei der "New Cyonics Society" Verstorbene auf eigenen Wunsch kryo-konserviert. Ob sie in in der Zukunft wieder aufgetaut werden, steht aber noch in den Sternen.

Interview mit Andreas Kabus, Mitglied von "Cryonics Germany"

  • Kryonik klingt nach Glücksspiel. Wer setzt darauf?

  • 💬

    Das sind total verschiedene Menschen. Religion spielt dabei überhaupt keine Rolle. Was alle eint: Die Idee, die Zukunft dieser Erde zu erleben und zu schauen, was mit den eigenen Nachkommen passiert. Auch philosophische Fragen spielen eine Rolle: Warum existieren wir als Individuen? Warum existiert dieses Universum?

  • Blick in die Glaskugel: Wie wird es um die Kryonik in 50 Jahren stehen?

  • 💬

    Ich denke, dass Kryonik in der Zukunft normal sein wird - vielleicht als eigene Bestattungsform. Andererseits geht es in der Forschung und Medizin schnell voran. Vielleicht brauchen wir in 50 Jahren gar keine Kryonik mehr, weil wir sowieso schon 200, 300 oder 500 Jahre alt werden.

  • Was bietet "Cryonics Germany", die erste kryonische Lagerstätte in Deutschlands?

  • 💬

    Bei uns kann man sein Gehirn - nahezu kostenfrei - lagern. Es handelt sich dabei um eine reine Gewebespende. Das ist bisher einzigartig in Deutschland. Gerade sind es unter 10 Gehirnen. Wir arbeiten aber an einer größeren Lagerstätte in der Schweiz.

  • Was für Rückmeldungen bekommen Sie?

  • 💬

    Viele sind positiv. Wir kriegen zirka 2 bis 3 Anfragen pro Woche. Es melden sich Menschen, die schwer krank sind, aber auch immer mehr Junge, die sich mit ihrer Zukunft auseinandersetzen. Das Gegenteil gibt es aber auch: Leute, die uns einfach beschimpfen.

  • Wie sind Sie persönlich zur Kyonik gekommen?

  • 💬

    Über "Science Fiction"-Literatur. Schon als Kind habe ich mich gefragt, warum das Leben endlich ist. Warum dauert es so lange, wie es dauert? Hollywood-Filme mit Astronauten, die sich einfrieren lassen - das hat mich schon als Jugendlicher fasziniert.

Im Video gibt's mehr Fakten zur Kryo-Konservierung

Ewiges Leben durch Kryo-Konservierung?

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Veröffentlicht: 29.11.2019 / Autor: Franziska Schosser