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Langeweile bringt dich ins Bore-out - oder zum genialen Einfall

Laaaaangweilig! Du hast nichts zu tun und schlägst die Zeit tot? Das kann Kreativität fördern und für gute Einfälle sorgen, aber auch krank machen. Ein Coach erklärt, warum ständige Unterforderung stresst. Plus: Bore-out-Test.
Langeweile ist nicht unbedingt schlimm. Sie kann dich sogar kreativer machen.

Das Wichtigste zum Thema Langeweile

  • Nichtstun ist nützlich! Kinder entdecken durch Langeweile neue Interessen. Erwachsenen fallen beim Tagträumen gute Ideen ein - das belegen psychologische Studien.

  • Krank vor Langeweile - das gibt es tatsächlich. Sind Menschen bei der Arbeit ständig unterfordert, kann das zu Erschöpfung und Depressionen führen.

  • Burn-out kennt jeder. Aber hast du schon von dem Begriff Bore-out gehört? Wer seine Arbeit als sinnlos und unnütz empfindet und Tätigsein vorgaukelt, fühlt sich ausgebrannt.

  • Anzeichen für ein Bore-out: Interesselosigkeit, Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Rückzug von Freunden und Familie, Angst und Depressionen.

  • Warum sagen Betroffene nichts? Die Angst den Job zu verlieren, ist groß. Menschen haben von Natur aus ein Bedürfnis, etwas zu schaffen. So erhalten sie Anerkennung.

Langeweile macht zum innovativen Problemlöser

Du hast dich kurzzeitig total gelangweilt im Lockdown? Vielleicht bist du jetzt kreativer. Zumindest legt das eine Studie von US-Psychologen nahe. Benjamin Baird und Jonathan Smallwood untersuchten, wie sich Tagträumerei auf die Kreativität auswirkt.
Ihre Ausgangsthese: Die besten Sachen fallen einem bei Langeweile ein - etwa bei langen Zugfahrten. Ist das wirklich so?

Langeweile: Mann schaut im Zug aus dem Fenster.


Lange Fahrten im Zug durch eintönige Landschaft - dabei kommen einem die besten Einfälle.
© Getty Images

 

Die Forscher starteten eine Studie mit 145 Studenten zwischen 19 und 32 Jahren. In 2 Minuten sollten sich die Studenten möglichst viele und ungewöhnliche Verwendungsmöglichkeiten für Ziegelsteine einfallen lassen. Danach teilten die Psychologen die Probanden in Gruppen ein:

  • Eine Gruppe löste eine Konzentrationsaufgabe.
  • Eine Gruppe arbeitete an der Aufzählung weiter.
  • Eine Gruppe pausierte.
  • Eine Gruppe bekam eine eintönige Aufgabe.

Nach etwa 15 Minuten sollten alle nochmals die Ziegelstein-Aufgabe lösen. Und voilà: Die kreativsten Einfälle hatte die Gruppe, die sich zuvor mit langweiligen Aufgaben beschäftigt hatte. Sie schnitt sogar viel besser ab als die Gruppe, die nur pausiert hatte. Die Forscher folgern: Unbewusst arbeiteten die Gelangweilten an der Problemlösung weiter - und fanden die innovativsten Lösungen.

Laaangweilig? Diese 3 positiven Dinge erwarten dich

  • 🚵‍♀️

    Neue Hobbys: Warum nicht mal Radfahren? Du entdeckst neue Interessen und hast Zeit, dich auszuprobieren.

  • 🤔

    Die Sinnfrage: Was willst du eigentlich wirklich? Langeweile ist wie ein Kompass und hilft dir, unbefriedigende Situationen zu beenden und eine neue Richtung in deinem Leben einzuschlagen.

  • 🏘

    Blitzblanke Wohnung: Tagträumen macht kreativ. Beim Putzen kannst du deinen Gedanken wunderbar freien Lauf lassen. Und danach legst du ganz zufrieden die Beine hoch.

"Oft sind Leute betroffen, die gerne etwas bewegen wollen" - Interview mit Bore-out Coach Stefan H. G. Duwensee

  • Ausgebrannt vor Langeweile - welche Menschen sind besonders gefährdet für ein Bore-out?

  • 💬

    Zu mir kommen häufig Menschen, die etwas bewegen wollen. Viele haben einen Hochschulabschluss und der Job macht ihnen eigentlich Spaß, aber die fachliche Unterforderung quält sie. Auch Menschen, die schon länger arbeitslos sind, Rentner und Hausfrauen/Hausmänner sind oft betroffen.

  • Angenommen, ich habe diesen Monat wegen Corona weniger zu tun und langweile mich bei der Arbeit. Ist das schon ein Bore-out?

  • 💬

    Nein. Erfahrungsgemäß dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis Langeweile und das Vorgaukeln zu arbeiten einen so frustrieren, dass Erschöpfungszustände auftreten.

  • Nur so tun, als würde man arbeiten - das geht doch nur im Bürojob, oder?

  • 💬

    Ich kenne viele Leute mit Bore-out, deren Betriebe umstrukturiert wurden. Das Tätigkeitsfeld wird enger und die Menschen erledigen stupide Aufgaben. Potenziell kann aber jede Berufgruppe ein Bore-out entwickeln, zeigen Untersuchungen der TU-Darmstadt und der Leibniz Universität in Hannover.

  • Es wäre doch leicht zum Chef zu gehen und mehr Arbeit zu fordern, oder?

  • 💬

    Viele haben Angst, den Job zu verlieren. Oder sie sprechen mit dem Vorgesetzten, aber der hört nicht richtig zu. Ein Chef unter Druck kann sich nicht in denjenigen hineinversetzen, der sich langweilt. Die Folge: Es geht so weiter wie zuvor. Und nach 2 bis 3 Jahren traut sich erst recht keiner mehr zuzugeben, dass etwas falsch läuft.

  • Stimmt es, dass Langeweile nachlässig macht?

  • 💬

    Es klingt paradox, aber das stimmt. Neue Arbeit vertreibt nicht automatisch den Frust. Durch das geringe Selbstbewusstsein steigt die Angst, etwas falsch zu machen. Die Power ist raus, die Konzentration leidet.

  • Wie kommt man aus dem Bore-out wieder heraus?

  • 💬

    Ich selbst hatte ein Bore-out, und weiß: Je eher man sich Hilfe holt, desto besser. Ein Test hilft, seine Lage einzuschätzen. Bei einem Coach kann man sich aussprechen - das bewirkt oft bereits Wunder. Ich arbeite daran, den Menschen wieder Mut zu geben und das Selbstbewusstsein zu stärken. Und ich zeige Ihnen, dass es noch mehr Lösungen gibt als zu kündigen. Bei einer Depression muss ein Facharzt zu Rate gezogen werden.

Stefan H. G. Duwensee ist auf Bore-out Coaching spezialisiert. Info: www.boreoutcoach.de

Bore-out-Test: Bei mehr als 5 Ja-Antworten bist du gefährdet

  • Fühlst du dich unterfordert und gelangweilt?

  • Täuschst du ab und zu vor zu arbeiten, hast aber tatsächlich nichts zu tun?

  • Bist du am Abend müde und erschöpft - und weißt eigentlich nicht wovon?

  • Bist du mit deiner Arbeit unglücklich?

  • Vermisst du einen tieferen Sinn in deiner Arbeit?

  • Kannst du die Arbeit eigentlich schneller erledigen, als du es tust?

  • Fühlst du dich zunehmend gestresst und nimmst dieses Gefühl auch mit nach Hause?

  • Hast du das Interesse an deiner Arbeit verloren?

  • Kannst du dir nur schwer vorstellen, wie du die Situation verändern könntest?

  • Sank dein Selbstwertgefühl in der letzten Zeit?

  • Bist du häufiger krank als früher?

  • Würdest du gerne etwas anderes arbeiten, scheust dich aber davor, weil ein Wechsel zu risikoreich erscheint?

Der Test stammt von Bore-out Coach Stefan H. G. Duwensee

Hochintelligente sind häufger chronisch unterfordert

  • 🤓

    Am Bore-out Syndrom leiden übrigens häufig Menschen mit einem überdurchschnittlich hohen IQ (120+). Betroffene können sich austauschen auf der Plattform: www.cleverpeople.net

Veröffentlicht: 11.06.2020 / Autor: Alena Brandt