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Jan hat Tourette - und jetzt auch einen YouTube-Kanal

Bekommt man einen Job, wenn man ständig flucht und zuckt? Wir haben die Touretter Jan und Michelle begleitet. Plus: Ursachen der Krankheit Tourette.
Teaserbild: Jan hat Tourette - und jetzt auch einen YouTube-Kanal

Das Wichtigste zum Thema Tourette-Syndrom

  • Das Tourette-Syndrom (TS) ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch unwillkürliche, sich wiederholende "Tics" charakterisiert ist.

  • Die Tics sind sowohl motorischer (Zucken, Schlagen, etc.) als auch vokaler (Schreien, Schimpfwörter, etc.) Art.

  • "Tourette, du A...!" Entgegen der gängigen Meinung haben nur etwa 5 Prozent der Touretter den Drang, Kraftausdrücke zu benutzen.

  • Altersfrage: Tourette beginnt fast immer vor dem 18. Lebensjahr.

  • Laut der Tourette-Gesellschaft Deutschland e. V. sollen in Deutschland rund 0,5 bis 1,0 Prozent der Bevölkerung vom Tourette-Syndrom betroffen sein.

"Du bist besessen": Jan hat nun einen eigenen YouTube-Kanal und antwortet auf Zuschauer-Kommentare

Bin ich gefährdet? Die Ursachen der Krankheit

Was die Krankheit verursacht, ist laut der Tourette Gesellschaft Deutschland e.V. bisher noch nicht zweifelsfrei geklärt. Man vermutet, dass das Syndrom zum größten Teil genetisch veranlagt ist. Das Risiko zu erkranken, ist für Kinder mit betroffenen Eltern 10 bis 100 Mal höher als für andere Kinder.

Damit das TS sich entwickelt, müssen aber noch zusätzliche, nicht-genetische Auslöser hinzukommen. Dazu zählen etwa Rauchen und psychosozialer Stress bei Schwangeren, Frühgeburtlichkeit oder Sauerstoffmangel bei der Geburt. Bakterielle Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A können ebenfalls Tourette verursachen.

Laut aktueller Forschungsergebnisse existiert zumindest eine erbliche Form des TS. Die Gene, die es auslösen, sind bisher allerdings nicht bekannt. Was man weiß: Das Geschlecht des Kindes spielt eine Rolle. Jungen mit TS-Genen entwickeln mit einer drei- bis viermal höheren Wahrscheinlichkeit Symptome als Mädchen. Übrigens: Warum einige Betroffene Schimpfwörter benutzen, konnten Wissenschaftler noch nicht herausfinden.

 

Praxis-Tipps: So gehst du mit Betroffenen um

  • 💗

    Geduldig sein: Betroffenen gegenüber wütend oder nachtragend zu sein, bringt nichts. Stresssituationen sorgen meist für noch heftigere Tics.

  • 🔙

    Freiräume schaffen: Fürs Büro können zum Beispiel nicht einsehbare Aufenthaltsbereiche, in die sich die Betroffenen zurückziehen können, eine gute Lösung sein.

  • 💡

    Neue Wege gehen: Wenn Tics es unmöglich machen, mit anderen mitzuhalten, ist Flexibilität gefragt. Aufgaben und Aktivitäten anzupassen, erleichtert für alle das Miteinander.

  • 🗣️

    Verständnis schaffen: Möglicherweise wissen andere Personen aus dem Umfeld des Betroffenen nichts oder nur sehr wenig über Tics oder das Tourette-Syndrom. Offene Gespräche helfen.

  • 🙅

    Ausgrenzung verhindern: Situationen, in denen TS-Symptome für den Betroffenen zum Problem werden könnten, vermeiden und nach Alternativen suchen.

AOK Rheinland/Hamburg

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Veröffentlicht: 07.11.2019 / Autor: Miriam Eichhorn