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Legionellen im Trinkwasser: So gefährlich sind sie und das kannst du tun

Hotels, Ferienhäuser, Schulen - viele Einrichtungen dürfen nach dem Corona-Lockdown wieder öffnen. Ein Anlass zu großen Freude, aber das RKI warnt: in den Wasserleitungen könnten sich Legionellen vermehrt haben.
Legionella phneumophila unter dem Mikroskop

Darum geht's genau

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    Der Corona-Shotdown sorgte dafür, dass viele Gebäude geschlossen blieben, Wasserleitungen standen still. Das Robert Koch-Institut warnt deshalb jetzt vor Legionellen.

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    Legionellen oder Legionella sind stäbchenförmige Bakterien, von denen aktuell 60 verschiedene Arten bekannt sind, die in Süß- oder Salzwasser vorkommen. Besonders häufig sind sie in abgeschlossenen stillen Gewässern, wie Wassertanks oder -leitungen zu finden.

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    Die Bakterien gibt es in ganz Deutschland, der Süden ist besonders betroffen.

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    Die optimalen Bedingungen für Legionellen sind Gewässer mit einer Temperatur zwischen 25 und 54 Grad Celsius. Dann vermehren sie sich am besten. Bei höheren Temperaturen wächst der Bestand langsamer, ab 60 Grad Celsius sterben die Bakterien ab. An den Rändern von Wasserleitungen bildet sich oft ein Biofilm, der den Legionellen als Nährboden dient.

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    In Deutschland sind Betreiber von öffentlichen Einrichtungen, sowie Hausverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften und Vermieter von Mehrfamilienhäusern dazu verpflichtet, die Trinkwasserleitungen in regelmäßigen Abständen auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Wie gefährlich sind Legionellen? Das sagt das Robert Koch-Institut

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    Kommen Menschen mit Legionellen in Kontakt, können die Bakterien Erkrankungen auslösen - sogenannte Legionellosen. Dazu zählt die sogenannte "Legionärskrankheit", die vor allem mit hohem Fieber, Husten, Atemnot und Muskelschmerzen einhergeht. Seltener ist Pontiac-Fieber, das einer normalen Grippe ähnelt.

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    Die Ansteckung verläuft in aller Regel durch das Einatmen von kontaminierten Wassertröpfchen. Besonders duschen oder der Aufenthalt in Whirlpools sind daher riskant. Seltener, aber auch möglich, ist der Infektionsweg über die sogenannte Mikroaspiration, bei der versehentlich Wasser in die Luft- statt in die Speiseröhre gelangt. Das Trinken von kontaminiertem Wasser ist allerdings kein Problem. Deine Magensäure tötet die Bakterien zuverlässig ab. Eine Ansteckung von Mensch-zu-Mensch ist wohl kaum möglich - bislang wird nur ein Fall damit in Verbindung gebracht.

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    Bei der Legionärskrankheit liegt die Sterblichkeit bei 5 bis 10 Prozent. Männer erkranken 2- bis 3-mal so häufig wie Frauen. Raucher, Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen zählen zur Risikogruppe. Beim Pontiac-Fieber sind keine Sterbefälle bekannt.

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    Die Legionärskrankheit wird mit Antibiotika behandelt. Antibiotika-Resistenzen wurden bis jetzt nicht beobachtet. Das Pontiac-Fieber muss nicht speziell behandelt werden, da die Erkrankung sehr milde verläuft.

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    2018 gab es in Deutschland auf 100.000 Einwohner 1,7 Legionellen-Infektionen. Man geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weil die Erkrankung oft unentdeckt bleibt. Im Sommer und Herbst kommt es regelmäßig zu einem Anstieg der Infektionen. Der Grund: Urlaubsreisen und Aufenthalte in Hotelanlagen (und Whirlpools). Zugleich stehen die Trinkwasser-Leitungen zuhause still und es ist deutlich heißer.

So sieht deine Lunge aus, wenn du die Legionärskrankheit hast

Röntgenbild einer Lunge mit akutem Legionellenbefall (Legionärskrankheit). In lila ist das entzündete Lungengewebe abgebildet.

Legionellen in Ferienwohnungen oder Airbnbs

Wegen der Corona-Pandemie boomt Urlaub in Ferienhäuser und -wohnungen in Deutschland. Legionellen fühlen sich hier oft sehr wohl, denn die Wasserleitungen werden nicht regelmäßig genutzt. Hinzu kommen die höheren Temperaturen in den Sommermonaten.

Erkundige dich wenn möglich vor der Reise, ob die Wasserqualität kontrolliert wird und lasse auf jeden Fall alle Wasserhähne für mehrere Minuten durchlaufen, bevor du sie zum ersten Mal benutzt. Gleiches gilt natürlich auch, wenn du nach deinem Urlaub wieder nach Hause kommst. Lasse sie für ein paar Minuten laufen.

Legionellenbefall bekämpfen und vorbeugen

  • Bist du mehr als 3 Tagen nicht zuhause, solltest du alle Wasserhähne durchlaufen lassen. Am besten so lange bis Frischwasser kommt. Das ist deutlich kälter. Bei Duschen stellst du die Temperatur auf das Maximum, schaltest sie ein und verlässt danach den Raum.

  • Leitungen sollten regelmäßig gereinigt, entkalkt und auf Legionellen getestet werden. Bei einer Mietwohnung muss sich der Vermieter darum kümmern.

  • Treten nach oder während deines Urlaubs grippeähnliche Symptomen wie Reizhusten und Fieber auf, solltest du dich auf eine Legionellen-Infektion testen lassen.

  • Bei einem erwiesenen Legionellen-Befall, muss das zuständige Gesundheitsamt binnen 24 Stunden informiert werden. Das übernimmt dein Arzt oder der Hausbesitzer.

Das solltest du dir merken

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    Legionellen sind Bakterien, die vor allem in Wasserleitungen vorkommen. Gefährlich ist es, wenn du Wasserdampf einatmest. Wasserleitungen sollten deshalb regelmäßig durchgespült und das Wasser auf mindestens 60 Grad erhitzt werden, um die Bakterien abzutöten.

Veröffentlicht: 24.06.2020 / Autor: Nanouk Hoepner