Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Gesundheit
mRNA-Impfstoffe gegen Krebs

mRNA-Impfstoffe gegen Krebs: Gibt es bald eine rettende Impfung?

Bei mRNA denken wir zuerst an die Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Dabei stammt die Technik eigentlich aus dem Bereich der Krebsforschung - und könnte schon bald weiter Erfolgsgeschichte schreiben. Im Clip zeigen wir dir, wie das Biotech-Unternehmen BioNTech mRNA-Impfstoffe gegen Krebs einsetzen will.
mRNA-Impfstoffe gegen Krebs: Gibt es bald eine rettende Impfung?
12

Das Wichtigste zum Thema mRNA-Impfstoffe gegen Krebs

  • Die mRNA-Technik hat sich während der Pandemie als wichtiges Mittel bewährt. Ursprünglich stammt dieser Ansatz aber aus einem anderen Medizin-Bereich: der Krebsforschung.

  • Seit knapp 30 Jahren beschäftigen sich Forschende mit der messenger-RNA - kurz mRNA, um damit Krebszellen zu bekämpfen.

  • Dabei gibt es aktuell mehrere, vielversprechende Ansätze. Eine neue Behandlungsmethode, die mRNA-Impfstoff und eine Immuntherapie namens CAR-T-Zellen kombiniert, zeigt in einer klinisches Studie erste Ergebnisse.

  • Wie die Corona-Pandemie und die Krebsforschung voneinander profitiert haben, erklären wir dir weiter unten.

Wie funktioniert die mRNA-Technologie?

Im Dezember 2020, knapp zehn Monate nach Beginn der Corona-Pandemie, präsentierten die Biotechnologie-Unternehmen BioNTech und Pfizer den ersten Corona-Impfstoff - auf mRNA-Basis. Dieser schnellen Entwicklung gehen aber knapp 30 Jahre alter Forschung voraus.

Schon Ende der 80er-Jahre spielten Wissenschaftler:innen mit der Vision eines mRNA-Impfstoffes. Messenger-Ribonukleinsäuren - kurz mRNA - spielen für die Produktion von Eiweißen eine wichtige Rolle. Damit der Körper die Baupläne der Proteine aus der DNA herauslesen kann, fertigt er eine "Abschrift" des Gens an - in Form von einsträngiger mRNA.

Die Wissenschaft hat sich diese "Boten-Funktion" der mRNA zunutze gemacht: Mit Hilfe von mRNA-Impfstoffen ist es möglich, menschlichen Zellen den genetischen Bauplan für bestimmte Eiweiße zu injizieren. Daraufhin kann der Körper spezielle Antikörper produzieren und Erreger bekämpfen.

Was sich bei den Corona-Impfstoffen als Erfolg bestätigte, war ursprünglich für den Kampf gegen Krebs gedacht. Die mRNA-Technologie macht auch im Bereich der Krebs-Immuntherapie immer größere Fortschritte.

mRNA in der Krebsforschung: Maßgeschneiderte Immun-Therapie

  • 💉

    Im Gegensatz zu einem Virus ist die Bekämpfung von Krebs noch komplizierter. Denn eine Krebsimpfung muss körpereigene Strukturen angreifen, anstatt einen Erreger von außen abzuwehren.

  • 🔬

    Bei allen Patient:innen sind die Krebszellen außerdem unterschiedlich - um diese zu bekämpfen, braucht es also individuelle Behandlungen. Weltweit forschen Mediziner:innen deshalb aktuell daran, maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln.

  • 🧬

    Dazu analysieren die Forschenden Krebszellen von einzelnen Erkrankten. Gelingt dem Team die Entschlüsselung der kranken Zellen, können sie die Informationen aus den Krebszellen in die mRNA als Bauplan einfügen.

  • 🧫

    Kleine Eiweiß-Bauteile der Krebszellen können so künstlich hergestellt und verimpft werden. Gelingt dieser Schritt, erkennt der Körper die Krebszellen als fremd und stellt daraufhin eigene Krebsproteine her, die als Erkennungsmerkmal gelten.

  • Das Immunsystem bekommt dadurch das Signal, welche Zellen gut und welche schlecht sind - und kann die Krebszellen entsprechend bekämpfen.

  • Das bedeutet aber gleichzeitig, dass eine Impfung gegen Krebs erst möglich ist, wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist - im Gegensatz zu präventiven Impfungen wie beispielsweise gegen Corona.

T-Zellen und mRNA-Impfstoff gegen Krebs: Studie verzeichnet erste Erfolge

Allein das Biotech-Unternehmen BioNTech ist aktuell an mehreren Forschung-Ansätzen, die mRNA-Technik gegen Krebs einzusetzen, beteiligt.

Dass eine dieser Bekämpfungs-Methoden auch der Einsatz von modifizierten T-Zellen sein kann, hat die CAR-T-Zellen-Immuntherapie bereits beim Kampf gegen Blutkrebs erfolgreich bewiesen. T-Lymphozyten - auch T-Zellen genannt - übernehmen als Abwehrzellen wichtige Aufgabe in unserem Immunsystem.

Bei der CAR-T-Immuntherapie werden die T-Zellen im Labor so angepasst, dass sie spezielle Strukturen auf den Tumorzellen - sogenannte Antigene - erkennen und die befallenen Zellen daraufhin bekämpfen.

In einer neuen Behandlungsmethode wurde diese Therapie jetzt mit der Anwendung eines mRNA-Impfstoffs verknüpft, um die Vermehrung der T-Zellen zu beschleunigen. BioNTech präsentierte dazu erste erfolgversprechende Studien-Ergebnisse.

 

Die Pioniere der Impfforschung

Die Pioniere der Impfforschung

Was haben Emil von Behring, Robert Koch und Edward Jenner gemeinsam? Sie sind alle Pioniere und Helden der Impfforschung. Wir stellen die drei Wissenschaftler und ihre Errungenschaften genauer vor.

Hat die Corona-Pandemie die Krebsforschung vorangebracht?

Im ersten Schritt ist es vor allem andersrum: Nur durch die jahrzehntelange Grundlagenforschung der mRNA-Technologie war eine so schnelle Entwicklung der Corona-Impfstoffe überhaupt möglich. Aber dieser Durchbruch hat auch die Krebsforschung enorm weitergebracht.

Zahlreiche Studien und Daten aus millionenfachen Impfungen haben wichtige Erkenntnisse, beispielsweise hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen und Verträglichkeiten hervorgebracht. Im gewohnten Forschungs-Rhythmus wäre die Datensammlung in dieser Geschwindigkeit nicht möglich gewesen.

Wann die mRNA-Impfstoffe gegen Krebs verfügbar sein könnten

  • Mindestens fünf Jahre wird es noch dauern, bis erste mRNA-Impfstoffe gegen Krebs in Deutschland auf den Markt kommen könnten. Damit rechnet zumindest das zuständige Paul-Ehrlich-Institut.

  • 🔬

    Aktuell werden in 17 klinischen Studien spezielle mRNA-Impfstoffe gegen Lungen-, Prostata- oder Hautkrebs getestet. Teilweise bereits in mehreren Phasen.

  • 💊

    Als Therapieform wird die Impfung gegen Krebs zunächst wohl in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden wie Chemotherapie im Einsatz sein.

  • Ein Universalmittel zur Heilung werden die mRNA-Impfstoffe gegen Krebs also zunächst nicht. Wissenschaftler:innen hoffen jedoch, Krebs damit von einer tödlichen zur chronischen Krankheit umzuwandeln.

Verwandte Themen

KrankheitImmunsystem
Veröffentlicht: 20.09.2022 / Autorin: Nicole Lemberg