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Tief durchatmen: Wann macht Nasenspray abhängig?

Nasenspray-Sucht? Klingt schräg, ist aber weit verbreitet - und alles andere als harmlos. Wie du dich schützt und was hilft, wenn du nicht mehr ohne kannst.
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Das Wichtigste zum Thema Nasenspray-Abhängigkeit

  • Bei einer Erkältung produziert die Nase mehr Schleim, um Viren zu binden und aus dem Körper zu befördern. Dabei schwellen die Schleimhäute an. Deine Nase fühlt sich verstopft an.

  • In Nasenspray stecken Stoffe, die die Blutgefäße zusammenziehen und so die Schleimhäute abschwellen lassen, z. B. Xylometazolin oder Oxymetazolin. Mit ihnen kannst du wieder durchatmen und besser schlafen. Kurzfristig macht das Sinn, denn so wirst du schneller wieder fit.

  • Nasenspray schützt auch vor Komplikationen. Kann der Schleim nicht gut abfließen, setzt er sich manchmal in den Nasennebenhöhlen fest. Die Folge ist eine schmerzhafte Entzündung.

  • Wenn du Nasenspray aber zu lange benutzt, gewöhnen sich die Schleimhäute daran. Sie schwellen übermäßig an. Die Nase ist dauerverstopft und wird ohne Spray nicht mehr frei. Das gilt auch für Tropfen. Mediziner nennen das "Rebound-Effekt".

  • Dr. Roland Windt von der AOK Bremen/Bremerhaven schätzt, dass 100.000 bis 120.000 Menschen abhängig von Nasenspray sind. Unter den 10 meistverkauften Medikamenten 2017 stehen 2 Nasensprays. Im Januar gab Rapper Sido in einer Instagram-Story zu, süchtig nach Nasenspray zu sein.

Bahn frei! Dos and Dont’s beim Sprühen

  • Nimm Nasenspray nur, wenn beide Nasenlöcher verstopft sind und du kaum Luft bekommst.

  • Benutze das Nasenspray nie länger als 5 Tage. Nach 10 Tagen treten erste Gewöhnungseffekte auf.

  • 🚥

    Sprüh auch in der Hochphase der Erkältung höchstens 3-mal am Tag. Spätestens am 4. Tag solltest du nach und nach damit aufhören.

  • 👨‍👧

    Teil dein Nasenspray nicht mit anderen. Sonst teilt ihr euch auch eure Viren und seid länger krank. Dabei wächst die Versuchung, das Spray länger zu benutzen.

  • 😪

    Verwende kein Nasenspray von der letzten Erkältung. Keimschleuderalarm! Haften noch Viren daran, kriegst du gleich die nächste Erkältung.

  • Ist der Schnupfen auch nach einer Woche nicht besser, steig auf Meersalz-Spray aus der Apotheke um.

  • 👨‍⚕️

    Wenn deine Nase gar nicht mehr frei wird, geh zum HNO-Arzt. Er prüft, ob z. B. eine Allergie gegen Pollen oder Hausstaub dafür verantwortlich ist. Auch eine krumme Nasenscheidewand oder vergrößerte Nasenmuscheln können Gründe für die Dauerverstopfung sein.

Ist das so schlimm ...? Diese Folgen hat Nasenspray-Sucht

© Getty Images

 

Nutz du Nasenspray über längere Zeit, trocknet das die Schleimhäute aus. Sie spannen und jucken, Krusten bilden sich und du kriegst leichter Nasenbluten. Außerdem kommt es zu Entzündungen oder Dauererkältungen. Der Grund: Die Nase kann sich nicht mehr richtig selbst reinigen. Bei einigen Betroffenen leidet der Geruchs- und Geschmackssinn.

Seltener sind schwere Folgen, wie ein Loch in der Nasenscheidewand. Auch Bakterien finden dann gute Bedingungen vor. Nistet die sich ein, droht in extremen Fällen eine "Stinknase". Dabei steigt Betroffenen permanent ein fauliger Geruch aus der Nase.

Schon abhängig? So wirst du die Sucht los

  • 📌

    Nase zu und durch: Beim kalten Entzug verbannst du das Nasenspray von heute auf morgen. Das ist hart, aber das Durchhalten lohnt sich. Am besten suchst du dir dafür ein langes Wochenende oder die Ferienzeit aus, denn mit der verstopften Nase fällt das Schlafen erstmal schwer. Wie lange der Entzug dauert, ist bei jedem verschieden. Hilfreich: den Kopf im Bett hochlagern, tagsüber viel trinken und Zeit an der frischen Luft verbringen.

  • 📌

    Ein-Loch-Methode: Nutz das Nasenspray nur noch für ein Nasenloch. Wenn sich das andere erholt hat und von selbst frei bleibt, machst du mit Nummer 1 weiter.

  • 📌

    Weniger, weniger, nichts: Beim langsamen Entzug reduzierst du Schritt für Schritt die Spray-Dosis. Es gibt mehrere Methoden: Verlängere die Abstände zwischen den einzelnen Shots, steige erst auf ein milderes Kinder- oder Säuglingsnasenspray um oder verdünnen das Spray nach und nach mit Meersalzlösung (Rezept siehe Bildergalerie).

  • 📌

    Unterstützung suchen: Lass dir beim Entwöhnen vom HNO-Arzt helfen. Er kann dir für den Entzug z. B. ein kortisonhaltiges Nasenspray und Tabletten verschreiben, das lindert die Entzugserscheinungen.

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Veröffentlicht: 08.03.2020 / Autor: Chris Tomas