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Ohne Bakterien können wir nicht leben, doch manche machen auch krank

Du bist nie allein. Auf und in deinem Körper leben Billionen Bakterien. Auch im See, im Boden, in der Luft und selbst im Schnee tummeln sich die kleinen Lebewesen. Wir sind auf sie angewiesen, doch einige sind gefährlich.

Das Wichtigste zum Thema Bakterien

  • Bakterien sind einzellige Lebewesen, die sich selbst versorgen und durch Zellteilung vermehren. Oft leben sie in Kolonien zusammen und bilden einen Biofilm, wie die Plaque auf den Zähnen.

  • Sie sind zwischen 0,1 bis 700 Mikrometer groß. Es gibt kugelige, stäbchenförmige, gebogene und spiralige. Viele Bakterien haben Geißeln, mit denen sie sich fortbewegen.

  • Bakterien kommen überall vor: in der Luft, im Boden, im Wasser, auf Oberflächen und in Lebensmitteln. Zudem besiedeln sie Haut, Mundhöhle, Atemwege und den Darm.

  • Ohne Bakterien wäre menschliches Leben nicht möglich. Sie wirken positiv auf unsere Gesundheit ebenso wie auf die Natur.

  • Nur 1 Prozent der Bakterien verursacht Krankheiten. Wenn die in den Körper eindringen und sich dort vermehren, entstehen unter anderem giftige Stoffwechselprodukte.

Große Zahlen um ein kleines Lebewesen

  • 🧘

    Ein 70 Kilo schwerer Mann besteht aus 30 Billionen menschlicher Zellen. In und auf ihm leben aber rund 40 Billionen Bakterien, so neue Schätzungen.

  • Rund 2 Kilogramm Bakterien schleppst du mit dir rum. Die meisten davon leben im Darm. Dort tummeln sich hunderte bis tausende verschiedene Arten.

  • 🌱

    In 1 Gramm Erde können sich über 1 Milliarde Bakterien befinden.

  • 🌏

    Auf der Erde gibt es bereits seit über 3,5 Milliarden Jahren Bakterien.

  • Schätzungen zufolge sind bis heute 99 Prozent der Arten unbekannt.

  • 🌋

    Einige Bakterien wachsen unter extremen Bedingungen wie Radioaktivität, hohem Druck, sehr niedrigen oder hohen Temperaturen, hohem Salzgehalt oder in sauren Quellen.

  • Das älteste Bakterium wurde in einem Salzkristall entdeckt und ist rund 250 Millionen Jahre alt.

Wir brauchen Bakterien zum Überleben

Unsere kleinen Mitbewohner sind lebensnotwendig, denn sie …

  • helfen bei der Verdauung, indem sie Nährstoffe spalten und unter anderem Fettsäuren sowie Vitamine produzieren,
  • verhindern die Vermehrung von schädlichen Bakterien auf und im Körper,
  • sorgen für einen Säureschutzmantel auf der Haut und
  • stärken das Immunsystem.


Escherichia coli im Mikroskop.
© picture alliance/AP Photo

 

Für Mensch und Natur sind Bakterien unersetzlich, denn sie …

  • reinigen Flüsse und Seen,
  • zersetzen organischen Abfall (tote Tiere, abgestorbene Pflanzen) und machen die Nährstoffe den Pflanzen wieder verfügbar,
  • spielen in Kläranlagen eine große Rolle und
  • zersetzen Erdöl, wenn es ins Meer gelangt.

Ein Leben mit Bakterien

Die Welt der Bakterien

Ein Leben mit Bakterien

Bakterien verbinden wir oft mit negativen Gefühlen. Unser Reporter besucht Forscher und klärt auf, wann und welche Bakterien nun gut oder schädlich für uns sind. Könnte man vielleicht sogar keimfrei überleben?

Der Mensch nutzt Bakterien …

  • 🧀

    zur Herstellung von Joghurt und Käse,

  • 🍷

    bei der Alkohol-, Kakao- und Essig-Herstellung,

  • 🍞

    bei der Produktion von Sauerkraut und Sauerteig-Brot,

  • 🍶

    als Probiotika (Lakto- und Bifidobakterien in Joghurt oder Kapseln)

  • 💊

    zur Herstellung von Medikamenten wie Insulin.

Von Geburt an spielen Bakterien eine Rolle

Eine ausgewogene Bakterien-Darmflora ist für die Gesundheit wichtig. Gestört wird das Gleichgewicht etwa durch eine einseitige und ballaststoffarme Ernährung, Infektionen, Stress oder auch Medikamente. Verdauungsbeschwerden und vermutlich auch andere Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme und Depressionen sind mögliche Folgen.

Der Kontakt mit Bakterien ist von klein an wichtig. Schon bei der Geburt werden Bakterien von der Scheidenflora der Mutter auf das Neugeborene übertragen. Studien zeigen, dass die vor Allergien und Asthma schützen. Per Kaiserschnitt geborene Kinder erkranken daran nämlich häufiger.

Ebenso wichtig scheint der Kontakt mit Tieren und das Spielen in Dreck - es trainiert das kindliche Immunsystem.

© Getty Images

Nicht nur nützlich: Bakterien sind auch Krankheitserreger

Bakterien verursachen unter anderem Magen-Darm-Erkrankungen, Lebensmittelvergiftungen, EHEC (Salmonellen, E-coli, Campylobacter), Harnwegs-Infekte (E. coli, Staphylokokken), Abszesse (Staphylokokken), Hirnhautentzündungen (Meningokokken), Tuberkulose, Keuchhusten, Scharlach, Lungenentzündung und Tetanus.

Zu den typischen Krankenhaus-Infektionen mit multiresistenten Bakterien gehören Wundinfektionen nach OPs, Harnwegs- und Atemwegs-Infekte. Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kommt es zur lebensgefährlichen Sepsis.

Schön sauber bleiben!

  • 🥩

    Oft fängt man sich Bakterien durch roh verzehrte oder unzureichend erhitzte Lebensmittel ein.

  • 💦

    Je nach Erkrankung scheidet man die krankmachenden Bakterien dann mit dem Stuhl aus, oder sie befinden sich im Nasen-Rachenraum. Über Tröpfchen- und Schmierinfektionen können sich andere Menschen anstecken.

  • 🙌

    Auch über infizierte Wunden kann man sich anstecken.

  • 🐀

    Einige Bakterien werden von Tieren auf den Menschen übertragen, darunter Borreliose oder die Pest.

Antibiotika: Wo ihre Grenzen liegen

Antibiotika verhindern die Vermehrung der Bakterien oder zerstören sie direkt. Einige sorgen für Löcher in der Hülle, andere stören die Vervielfachung des Erbgutes oder die Produktion von Proteinen.

Doch einige Bakterien können verhindern, dass Antibiotika in sie eindringen. Sie pumpen sie gleich wieder raus oder spalten die Antibiotika mit Hilfe von Enzymen. Diese Bakterien sind gegen Antibiotika resistent.

Diese Abwehrmechanismen sind meist durch zufällige Mutationen entstanden. Das heißt: Ein Antibiotikum hat nicht alle Bakterien abtöten können. Die wiederum konnten sich gut vermehren, denn sie hatten alle Nahrung und Platz für sich allein.

Durch den unsachgemäßen und übermäßigen Einsatz von Antibiotika in Tiermast und Humanmedizin sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Antibiotika-Resistenzen entstanden.

Wichtig: Nimm Antibiotika nur ein, wenn du sie wirklich brauchst. Bei Atemwegs-Infekten ist das nicht der Fall. Sie werden meist von Viren verursacht.

Forscher entwickeln Super-Antibiotikum

Forscher entwickeln Super-Antibiotikum

Forscher entwickeln Super-Antibiotikum

Gute Nachrichten: Forscher des renommierten MIT haben mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ein Super-Antibiotikum entdeckt. Galileo erklärt, wie sie das geschafft haben.

Plasmide - schon mal davon gehört?

  • Manche Bakterien haben zusätzlich zur DNA noch Plasmide: kleinere doppelsträngige, geschlossene DNA-Moleküle.

  • Diese vervielfältigen sich unabhängig und werden bei der Fortpflanzung weitergegeben oder direkt auf andere auch artfremde Bakterien übertragen.

  • Das Problem: Auf Plasmiden können Informationen für Antibiotika-Resistenzen oder der Plan zur Herstellung von Giften liegen. Harmlose Bakterien können so gefährlich werden.

Wie vermehren sich Bakterien?

Bakterien haben kein Geschlecht. Sie vermehren sich, indem sie zuerst ihr Erbgut verdoppeln und sich dann in der Mitte zu 2 Klonen teilen.

Und das geschieht oft: Bei E. coli alle 20 Minuten. Das heißt, in 2 Stunden sind aus einem Bakterium 64 geworden.

© Galileo

 

Damit sie gut wachsen und sich vermehren können, benötigen Bakterien die richtige Mischung aus Licht, Temperatur, Nährstoffen, Sauerstoff/kein Sauerstoff, Methan, Eisenoxid, etc. Je nach Art sind die Ansprüche andere.

Veröffentlicht: 03.05.2020 / Autor: Larissa Melville

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