Galileo WM CopyCreated with Sketch.
  1. Galileo WM CopyCreated with Sketch.Galileo
  2. Gesundheit
Ein Mann raucht Shisha in einer Bar.

Shishas: Sind Wasserpfeifen so schädlich wie Zigaretten?

Während die Zahl der Raucher sinkt, werden Shishas immer beliebter. Aber sind die Wasserpfeifen tatsächlich so harmlos? Was bewirkt der Dampf im Körper? Wir haben nachgeforscht.
Shishas: Sind Wasserpfeifen so schädlich wie Zigaretten?
12

Das Wichtigste zum Thema Shishas

  • In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Zigaretten-Konsum in Deutschland halbiert. Die Wasserpfeife dagegen boomt: 2019 gab fast jeder fünfte junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren an, schon einmal Shisha geraucht zu haben (Quelle: Statistisches Bundesamt).

  • Der Siegeszug der Shisha-Bars begann in den 90ern. In Deutschland wurden sie etwa Mitte der 2000er-Jahre populär. Die Umsätze mit Wasserpfeifen-Tabak haben sich seit 2008 verdreifacht.

  • Die Wasserpfeife entstand wahrscheinlich im 16. Jahrhundert entweder in Indien oder in Persien. Sie verbreiteten sich schnell im Orient aus. Die Ur-Shisha bestand aus einer Kokosnuss-Schale, in die ein Bambusrohr gesteckt wurde.

  • Es gibt viele Bezeichnungen für die Wasserpfeife. Das Wort "Shisha", das sich bei uns durchgesetzt hat, stammt aus dem Arabischen. In anderen Ländern heißen sie z. B. Hookah oder Nargila.

  • Die meisten rauchen Shisha nur gelegentlich und empfinden sie daher als harmlos. Doch Shisha-Rauch wird stärker und länger inhaliert als Zigaretten-Rauch. Eine Shisha-Session dauert etwa 30 bis 60 Minuten, dabei wird bis zu 290-mal an der Pfeife gezogen. Die Schadstoffe wandern dabei tiefer in die Lunge.

Hast du schon mal Shisha geraucht?

Aufbau einer Wasserpfeife

Shisha: So funktioniert eine Wasserpfeife

So funktioniert eine Shisha

Bei einer klassischen Wasserpfeife werden Shisha-Tabak, perforierte Alufolie (oder ein Metallsieb) und Wasserpfeifenkohle übereinander auf dem Kopf der Shisha geschichtet. So wird der Tabak nicht verbrannt, sondern verschwelt. Geschmack und Feuchtigkeit bekommt er durch Aroma-Stoffe und Molasse, ein Feucht-Haltemittel aus Glycerin, Melasse, Wasser und Honig.

Durch das Ziehen am Schlauch entsteht ein Unterdruck in der Wasserpfeife. Die Kohle glimmt, und der Rauch wird durch die Rauchsäule nach unten gesogen. Er wandert durch ein mit Wasser gefülltes Gefäß, Bowl genannt, und über den Schlauch zurück in die Lunge. Das Wasser kühlt den Rauch ab, dadurch wird er weniger reizend und kann tief eingeatmet werden.

Es gibt heute viele Shisha-Varianten. Sie unterscheiden sich nicht nur in Größe und Material, sondern haben auch unterschiedliche Köpfe oder Systeme zur Hitzeregulierung. Welchen Einfluss das auf die gesundheitlichen Auswirkungen hat, wurde noch nicht erforscht.

Wie gefährlich ist Shisha-Rauchen? 5 Fragen an Dr. Thomas Schulz vom Bundesinstitut für Risikobewertung

  • Was weiß man bislang über die Gesundheitsgefahren von Shishas?

  • 🗨

    Eine gute Langzeitstudie mit Wasserpfeifen-Rauchern gibt es nicht. Aber wahrscheinlich haben Leute, die Nikotin aufnehmen, die gleichen Probleme wie Zigarettenraucher. Nikotin ist gefährlich, erhöht den Blutdruck, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Man darf nicht vergessen: Die Zigarette ist das tödlichste Produkt, was es bei uns auf dem Markt gibt. 127.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr daran. Es gibt auch Hinweise, dass Wasserpfeifen-Konsum die Lungenfunktion beeinträchtigen und Krebserkrankungen auslösen kann.

  • Die Risiken sind also mit denen von Zigaretten vergleichbar?

  • 🗨

    Einige Schadstoffe sind in der Zigarette höher, andere in der Wasserpfeife. Die Kohlenmonoxid-Menge ist bei Wasserpfeifen viel problematischer als bei Zigaretten. Hinzu kommt das Benzol, eine üble, krebserzeugende Substanz. Auf der anderen Seite: Das wichtigste krebserzeugende Gas in der Zigarette ist Butadien. Das haben wir im Wasserpfeifen-Rauch nicht finden können. Auch Acrolein, eine zelltoxische Verbindung, und tabakspezifische Nitrosamine, die auch krebserzeugend sind, kommen im Wasserpfeifen-Rauch in geringeren Mengen vor als im Zigarettenrauch.

  • Haben Sie den Eindruck, dass die Gefahr unterschätzt wird?

  • 🗨

    Ich war früher an Schulen eingeladen, um von den Risiken zu berichten. Es gibt immer noch diese Fehlwahrnehmung, dass es einen Reinigungs-Effekt hat, wenn der Rauch durchs Wasser geleitet wird. Einige wasserlösliche Substanzen lösen sich, ja. Aber die meisten Substanzen beeindruckt es nicht, wenn die da mal kurz durchs Wasser blubbern. Das muss bei den Nutzern ankommen.

  • Kann Shisha-Rauchen abhängig machen?

  • 🗨

    Ja, durch die Aufnahme von Nikotin ist die Abhängigkeitsgefahr gegeben. Ich kenne einen Wasserpfeifen-Raucher, der den Tag erst einmal mit einer Wasserpfeife beginnt. Auch aus Ländern, in denen die Wasserpfeife länger etabliert ist, gibt es Berichte von intensivem Konsum.

  • Erhöht Shisha-Rauchen die Gefahr, zur Zigarette zu greifen?

  • 🗨

    Diese Frage wird auch bei der E-Zigarette immer gern diskutiert. Aber die Daten deuten nicht darauf hin. Und ich muss auch sagen: Wenn sich junge Leute einmal die Woche treffen und ein, zwei Wasserpfeifen rauchen, hat das eine andere Qualität, als wenn jemand täglich zwanzig Zigaretten raucht.

Nur heiße Luft? Diese Schadstoffe nimmst du auf

  • Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg lassen sich im Shisha-Rauch mindestens 82 Schadstoffe nachweisen, darunter allein 27 Substanzen, die Krebs begünstigen. Viele glauben, die Schadstoffe würden durch das Wasser herausgefiltert. Das stimmt so nicht: Das Wasser dient der Kühlung, lediglich wasserlösliche Stoffe werden herausgefiltert (z. B. ein Teil des Formaldehyds). Alle anderen gelangen ungefiltert in die Lunge. Darunter sind:

  • Nikotin: Bei einer Shisha-Session nimmst du etwa die Nikotinmenge von zwei bis zehn Zigaretten auf. Nikotin macht abhängig und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

  • Kohlenmonoxid entsteht beim Verbrennen der Kohle. Es behindert den Sauerstofftransport im Blut, führt zu Kreislaufproblemen und in großen Mengen zum Tod. Es gibt mehrere Fälle von Kohlenmonoxid-Vergiftungen in Shishabars. Bei langjährigem Konsum verschlechtert es die Lungenfunktion.

  • PAKs (kurz für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe): Das sind Stoffe, die bei unvollständiger Verbrennung entstehen. Das Einatmen ist gesundheitsschädlich, langfristig auch krebserregend.

  • Benzol, ein krebserzeugender Stoff, entsteht beim Verbrennen und Verschwelen und erhöht unter anderem das Leukämierisiko.

  • Schwermetalle wie Nickel, Chrom oder Blei sind nicht nur giftig, sondern können vom Körper auch nicht abgebaut werden. Sie lagern sich vor allem in den Knochen ab.

  • Tabakspezifische Nitrosamine sind Inhaltsstoffe des Tabaks, die Tumoren in der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, der Speiseröhre und im Mundraum verursachen können.

  • Feinstaub: Die Mini-Partikelchen können der Lunge und dem Herz-Kreislauf-System schaden, wenn sie tief eingeatmet werden.

  • 💋

    Zwar nutzten beim Shisha-Rauchen nur selten mehrere Personen ein Mundstück. Dabei können Viren aller Art übertragen werden, z. B. Herpes oder Hepatitis C. Sicherheitshalber sollte man ein eigenes Mundstück benutzen.

  • Übrigens: Auch beim Passiv-Shisha-rauchen nimmst du Schadstoffe auf. Dazu gehört besonders Kohlenmonoxid. Auch Benzol wurde im Urin von Passivrauchern nachgewiesen.

Und was ist mit E-Shishas?

Eine junge Frau raucht E-Shisha.


Eine junge Frau raucht E-Shisha.
© picture alliance/dpa | Silas Stein

Bei einer E-Shisha wird ein elektrischer Aufsatz auf eine handelsübliche Wasserpfeife geschraubt. Damit werden Tabak und Kohleteller überflüssig. Zusätzlich gibt es die E-Shisha als handlichen Stick, als eine Variante der E-Zigarette. Die aromatisierten Liquids werden verdampft, und es gibt sie ohne Nikotin.

Noch ist allerdings unklar, wie schädlich das ist. Zwar werden nicht die gleichen Schadstoffe wie beim klassischen Shisha-Rauchen eingeatmet, da kein Verbrennungsprozess stattfindet. Somit sind E-Shishas wahrscheinlich weniger krebserregend und gesundheitsschädlich.

Allerdings ist die langfristige Wirkung der einzelnen Bestandteile der Aerosole im Körper kaum erforscht. Bei E-Zigaretten zeigen Untersuchungen, dass beim Dampfen krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und Acetaldehyd sowie das zelltoxische Acrolein entstehen können

Veröffentlicht: 19.04.2022 / Autorin: Chris Tomas